Beschluss der Landesregierung: Sechs Jahre Lehrerstudium
VON DETLEV HÜWEL - zuletzt aktualisiert: 12.09.2007Beschluss der Landesregierung (RPO). Die Lehrerausbildung in NRW soll völlig neu organisiert werden. Die von der Regierung beschlossenen Eckpunkte beruhten weitgehend auf den Empfehlungen des renommierten Bildungswissenschaftlers Jürgen Baumert, so Schulministerin Barbara Sommer (CDU) und Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). Die wichtigste Neuerung: Die Ausbildung ist für alle von gleich langer Dauer: Sechs Semester Bachelorstudium und vier Semester Master.
Neue Ausbildung
Zu den Änderungen gehört auch: Der Master-Abschluss ersetzt das erste Staatsexamen.
Die Lehrerausbildung in den Hochschulen wird aufgewertet, indem dort selbständige Zentren im Range von Fakultäten eingerichtet werden. Sie haben die inhaltliche Verantwortung für die Lehramtsstudiengänge.
Daran schließt sich der Vorbereitungsdienst an, der bis 2015 schrittweise von 24 auf zwölf Monate abgesenkt wird. Das Studium dauert damit künftig sechs Jahre, wobei die fachwissenschaftliche und pädagogische Gewichtung je nach Schulform unterschiedlich ausfallen soll.
Das Gesetz wird 2008 in Kraft treten. Die Hochschulen sollen die Neuerung ab dem Wintersemester 2009/2010 übernehmen. Ein Jahr später muss die Umstellung abgeschlossen sein. Die Reform diene der Qualitätssteigerung bei der Ausbildung von Lehrern, so Sommer und Pinkwart. Dabei sollen vor allem Praxisbezug und Fachdidaktik stärker zur Geltung kommen. Bereits vor Beginn der Studiums sollen die Lehramtsstudierenden ein zehnwöchiges Schulpraktikum absolvieren, um zu erkunden, ob ihnen der Beruf überhaupt zusagt.
Spezialisierung nach vier Semestern
Während der ersten vier fachbezogenen Bachelor-Semester haben sie die Möglichkeit, eine andere Berufsrichtung zu wählen. Danach beginnt die Spezialisierung des Angebots für den Lehrerberuf. Im Rahmen des Masterstudiums ist ein Praxissemester vorgesehen. Auch für Grundschullehrer gilt künftig die neue Regelung. Sommer verteidigte die Verlängerung des Studiums mit den besonderen Anforderungen an die Grundschul-Pädagogen hinsichtlich Diagnostik und individueller Förderung.
Gleiche Ausbildung bedeutet aber nicht gleiches Gehalt. An der jetzigen Besoldungsstruktur ändere sich auf mittlere Sicht nichts. Es werde zudem bei den 35 Studienseminaren bleiben; allerdings heißen sie künftig „Zentren für schulpraktische Studien“, sagte die Ministerin. Das bedeutet eine Absage an den Vorstoß von CDU-Fraktionschef Stahl, die Lehrerausbildung komplett den Hochschulen zu übertragen. Da es derzeit noch nicht genügend Fachdidaktiker gebe, sollen die Hochschulen Zeit und zusätzliche Mittel erhalten, sagte Pinkwart. Bis 2015 stünden ihnen 100 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung.
GEW: Zukunftsweisend
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nennt das Ausbildungsmodell bundesweit zukunftsweisend. Demgegenüber meint der Philologenverband, das Konzept sei unausgewogen und extrem risikobehaftet. Verbandschef Peter Silbernagel stößt sich auch an der Verlägerung der Ausbildung für Grundschullehrer. Dies laufe dem Vorhaben zuwider, die Schulzeit zu verkürzen, um jungen Menschen früher Berufschancen zu eröffnen.
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