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Grevenbroich: Siebenjähriger darf nicht trainieren

VON MARC PESCH - zuletzt aktualisiert: 22.10.2009 - 14:48

Der Fall dürfte bundesweit einmalig sein: Die Eltern eines sieben Jahre alten Jungen wollen den SC Kapellen wegen Diskriminierung verklagen. Wie es heißt, haben sich Claus Offermanns und seine Frau mit dem Trainer der F-Jugendmannschaft überworfen. Dieser hat dem Jungen die Teilnahme am Training verweigert.

Ein Siebenjähriger ist vom Training des SC Kapellen ausgeschlossen worden.  Foto: NGZ
Ein Siebenjähriger ist vom Training des SC Kapellen ausgeschlossen worden. Foto: NGZ

Die Fronten sind verhärtet, der ungewöhnliche Fall soll im November vor Gericht verhandelt werden. Die Eltern eines sieben Jahre alten Jungen wollen den SC Kapellen wegen Diskriminierung verklagen.

"Angefangen hat der ganze Ärger im Sommer", erinnert sich Claus Offermanns. Der Kapellener hatte bis dahin für die Bambini-Mannschaft seines Sohnes eine schicke Internet-Seite gestaltet, wollte dann aber nicht eine vom Trainer verfasste Statistik online stellen.

"Ich war der Meinung, dass derartige Vergleiche bei Kindern dieser Altersgruppe überflüssig sind. Es geht ja nicht um die Leistung, sondern um den Spaß am Sport. Das hat der Trainer anders gesehen, deshalb gab es Knatsch." Der Coach habe wohl seinen eigenen Sohn in der Statistik hervorheben wollen, weil der über 100 Tore geschossen habe, so Offermanns weiter.

Info

Der SC Kapellen

Sportliches Aushängeschild des SC Kapellen ist die erste Mannschaft, die 2004 in die Verbandsliga aufstieg. Auch die Jugendarbeit wurde intensiviert. "Wir holen die Jugendlichen von der Straße", so lautet das Motto des Clubs.

Gegenseitige Beschuldigungen

Das Theater rund um die Bambini-Homepage gipfelte in gegenseitigen Beschuldigungen. "Mir wurde vorgeworfen, Kinder manipuliert zu haben und die Arbeit des Trainers zu stören", so der mehrfache Familienvater: "Letztlich flatterte uns kurz vor unserem Sommerurlaub ein Einschreiben ins Haus." Absender: der SC Kapellen.

In dem Brief untersagte der Klub seinem Sohn Leon, aufgrund der voraus gegangenen atmosphärischen Störungen weiter am Spiel- und Trainingsbetrieb teilzunehmen. Das wiederum wollte sich Familie Offermanns nicht bieten lassen. "Wir haben mit Hilfe unseres Anwalts eine einstweilige Verfügung vor Gericht erwirkt. Der Verein muss unseren Sohn seitdem wieder am Trainingsbetrieb teilnehmen lassen."

Am gezielten Torwarttraining allerdings durfte Leon auch in der Folgezeit nicht mehr teilnehmen. "Erst hieß es, es gäbe ein Verbot, dann hat man das Torwarttraining kurzerhand komplett für den Jahrgang 2002 und jünger abgeschafft." Derzeit würde sein Sohn weder mit der Mannschaft, noch mit dem Torwarttrainer trainieren.

"Ihm ist freilich die Lust auf Fußball auch vergangen, er muss diesen ganzen Ärger ausbaden", meint Claus Offermanns. Er und seine Frau vermuten hinter dem Vorgehen des Vereins eine Retourkutsche: "Ich habe früher für den SC die Internetseite gestaltet und bin dann nach Wevelinghoven gewechselt. Das hat man in Kapellen nicht verdaut."

Vereinsboss weist Vorwürfe zurück

SC-Vereinschef Josef Breuer wehrt sich derweil gegen die Vorwürfe. "Das ist eine Lachnummer. Mit der Internetseite hat das gar nichts zu tun." Mehr wolle er dazu nicht sagen. "Das ist ein schwebendes Verfahren. Wir äußern uns vor Gericht", sagt auch Jugendleiter Martin Windler.

Claus Offermanns bietet dem Klub derweil nochmals eine "gütliche Einigung" an. "Ich will dem Verein nichts. Ich möchte nur, dass mein Junge wieder dort spielen kann, wo seine Schulfreunde auch spielen. Der Vorstand kann sowieso nichts für die ganze Situation, der Trainer ist der Drahtzieher, der verträgt keine Kritik."

Der Fußballverband Niederrhein (FVN) bezeichnet den ganzen Vorgang derweil als "einmalig". "Eine solche Auseinandersetzung vor Gericht hatten wir noch nie", so FVN-Sprecher Peter Hambüchen, "dass Eltern derartige Schwierigkeiten mit einem Trainer haben, ist höchst ungewöhnlich." Sollten sich beide Parteien weiter unversöhnlich zeigen, wird das Amtsgericht Grevenbroich über den Fall entscheiden müssen.

Nach derzeitiger Planung soll am 20. November über das Schicksal des sieben Jahre alten Torwarts entschieden werden.

Quelle: NGZ

 
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