Nachprüfung in Mathematik: SPD: Abiturienten sollen klagen
VON DETLEV HÜWEL - zuletzt aktualisiert: 16.06.2008Nachprüfung in Mathematik (RPO). Einen Tag vor der Abitur-Nachprüfung in Mathematik hat die SPD die Schüler zu juristischen Schritten gegen das Zentralabitur ermuntert. „Ich rate allen Schülern, die ungerecht behandelt wurden, sich einen rechtlichen Beistand zu nehmen“, sagte die ehemalige NRW-Schulministerin Ute Schäfer (SPD). Sie habe großes Verständnis dafür, „wenn die Schüler gegen dieses chaotische Zentralabitur vor den Verwaltungsgerichten klagen“.
Für den FDP-Bildungspolitiker Ralf Witzel ist das „blanker Populismus“. Juristische Schritte hätten nur dann eine Chance, wenn Aufgaben vorgesetzt worden wären, die nicht in den Lehrplänen enthalten gewesen seien. „Aber das scheint ja nicht der Fall gewesen zu sein“, so Witzel zu unserer Zeitung. Die umstrittene Oktaeder-Aufgabe sei eine Wahloption gewesen: „Kein Schüler war gezwungen, speziell diese Aufgabe wählen zu müssen.“ Sie hätten drei Aufgaben zur Auswahl bekommen. Probleme bei Fragestellungen im Abitur habe es auch schon früher gegeben, sagte Witzel. Sie hätten nur nicht ein so breites Echo hervorgerufen wie jetzt seit Einführung des Zentralabiturs.
Ute Schäfer wirft ihrer Nachfolgerin Barbara Sommer (CDU) vor, die Fehler beim Zentralabitur zunächst verharmlost und vertuscht zu haben. Danach habe sie „hektisch die falschen und rechtlich angreifbaren Konsequenzen gezogen“ und lediglich für Mathematik Nachprüfungen angesetzt.
Das Angebot richtet sich an all jene Schülerinnen und Schüler, die sich bei der Oktaeder-Aufgabe oder bei der Frage nach der Wahrscheinlichkeit von Basketball-Treffern benachteiligt fühlen. Für sie ist morgen Nachschreibe-Termin. Nach Angaben des Schulministeriums wollen landesweit 1700 Jugendliche davon Gebrauch machen – deutlich mehr als zunächst angenommen.
Allerdings gibt es weitere Beanstandungen. Wie berichtet, moniert ein Dülkener Gymnasium die Formulierung einer Mathe-Frage nach der Entwicklung einer Insektenpopulation. Auch anderen Schulen stieß dies nach Informationen unserer Zeitung sauer auf. Das Ministerium hat die Einwände aber zurückgewiesen.
Die Betreiber der Internetseite „spickmich.de“, die eine Protestlawine losgetreten hatten, berichteten von angeblichen Unregelmäßigkeiten auch in anderen Fächern. Ute Schäfer meinte deshalb, die betroffenen Schüler müssten es als ungerecht empfinden, dass nur in Mathematik nachgeschrieben werden kann. Besser wäre es gewesen, die betreffenden Mathe-Arbeiten um zwei Punkte anzuheben.
Die Einführung des Zentralabiturs hätte sich zunächst auf Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache beschränken müssen, sagte GEW-Landeschef Andreas Meyer-Lauber im Gespräch mit unserer Zeitung. Es hätten zunächst Erfahrungen damit gesammelt werden müssen. Die Landesregierung sei aber so hochmütig gewesen zu glauben, dass ein Zentralabitur flächendeckend auf einen Schlag in allen Fächern eingeführt werden könne.
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