Nach tödlichem Unfall: Verbot für Himmelslaternen in NRW?
VON C. SCHROEDER UND C. SCHWERTFEGER - zuletzt aktualisiert: 09.07.2009 - 20:30In Siegen ist Pfingsten ein Zehnjähriger bei einem Feuer umgekommen, das höchstwahrscheinlich durch eine neumodische Himmelslaterne ausgelöst wurde. Einige Bundesländer haben diese fliegenden Lampions schon komplett verboten - Nordrhein-Westfalen hingegen noch nicht.
Für Dominik kam jede Hilfe zu spät. Der Zehnjährige starb in der Nacht zu Pfingstsonntag in einem Mehrfamilienhaus in Siegen an einer Rauchgasvergiftung. Offenbar ist der Junge Opfer eines Partygags geworden. Eine so genannte Himmelslaterne, die in der Nachbarschaft auf einer kleinen privaten Feier gezündet wurde, ist wohl auf dem Dach des Wintergartens gelandet und hat dann das ganze Haus, in dem Dominik schlief, in Brand gesetzt.
"Himmelslaterne ist Grund für Tragödie"
„Wir gehen davon aus, dass der Grund für die Tragödie solch eine Himmelslaterne gewesen ist”, sagt Georg Baum, Pressesprecher der Polizei Siegen. Abschließende Gewissheit soll jetzt ein Gutachten geben. Das Ergebnis wird in den nächsten Tagen erwartet. Gegen die Gastgeber der Party werde dann wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Brandstiftung ermittelt.
Himmelslaternen sind kleine Heißluftballons. Sie wurden vor 2000 Jahren in China erfunden. In NRW ist das Fliegenlassen unter Auflagen nach wie vor erlaubt, erklärt Ludger Harmeier, Pressesprecher des Innenministeriums. So dürfen die Lampions nur bei Windstille und weit entfernt von Flughäfen gezündet werden. Nach der Brandkastrophe von Siegen prüft das nordrhein-westfälische Innenministerium jetzt aber, welche weiteren Maßnahmen getroffen werden könnten, um Unfälle künftig zu vermeiden. Von einem Verbot ist aber noch keine Rede. In Niedersachsen ist das Startenlassen von Himmelslaternen seit dem 1. Mai gesetzlich verboten.
Überreste sollten eigentlich nicht brennen
Die Lampions bestehen aus einer Brennvorrichtung, die von einem Papierkörper umgeben ist. Sie sind etwa einen Meter hoch und haben einen Durchmesser von 60 Zentimetern. Sie können bis zu fünf Kilometer weit und 400 Meter hoch fliegen. Die entzündete Brennpaste lässt sie aufsteigen. Nach spätestens 15 Minuten soll die Brennvorrichtung erloschen sein. Dann sinkt die Papierhülle zur Erde – dass die Überreste noch brennen wie in Siegen, ist jedoch nicht vorgesehen.
Die Fälle, in denen es zu Beinahe-Katstrophen durch die Lampions kam, nehmen zu: Im Mai 2008 brannte in Dorsten eine Himmelslaterne ein Loch in eine Markise. In Elsdorf entzündete im September 2008 ein solcher Lampion ein Schuldach, und am zweiten Weihnachtstag 2008 setzte solch eine Laterne in Minden die Kunststoffeindeckung einer Garage in Brand. In Berlin brannte in der Silvesternacht eine Yacht nieder. Und eine über einem Autohaus abgestürzte Himmelslaterne ließ in einem anderen Fall einen Mercedes ausbrennen.
Gefährliche Feuerbälle am Himmel
Die Feuerbälle am Himmel sind jedoch nicht nur gefährlich, sie verunsichern auch viele Bürger. Seitdem die Himmelslaternen bei der Meisterfeier des VfB Stuttgart vor zwei Jahren populär wurden, glüht die Ufo-Hotline „Cenap” in Mannheim plötzlich wieder. Auch aus Nordrhein-Westfalen nimmt Hobby-Astronom Hermann Walter an jedem Wochenende besorgte Anrufe wegen „Meteoriten”, „Feuerbällen am Himmel” oder „geisterhafter Flugobjekte” entgegen.
„Im Jahr 2007 waren es 800, im vergangenen Jahr bereits 1600. In diesem Jahr hatte ich schon über 800 Anrufe”, so der Astronom. Nicht nur im Internet kann man die Himmelslaternen kaufen. Auch in Einzelhandelsgeschäften werden die Partygags angeboten. „Der Verkauf muss verboten werden”, fordert Hermann Walter. Luftrechtlich gebe es allerdings keine Grundlage, den freien Verkauf zu verbieten, sagt die Bezirksregierung.
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