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Gutes in der Region produziert wie früher: Vom polternden Mühlstein zu duftendem Brot

VON TANJA WALTER - zuletzt aktualisiert: 30.08.2010 - 08:50

Ein ganzer Ort scheint auf den Beinen: In diesen Tagen schmücken unzählige fleißige Helfer die Flügel der 500 Jahre alten Steprather Mühle in Walbeck bei Kevelaer mit einem nicht enden wollenden Fahnenband. Hier schläft die Geschichte nicht. In Walbeck wie an vielen anderen Orten in der Region kann man heute noch sehen, wie mühsam die Arbeit von Hand damals war. Hier finden Sie acht Orte – Mühlen, Produktionsstätten und die erste Fabrik in Europa – deren Besuch lohnenswert ist.

In der alten Walbecker Getreidemühle, die weit ihre Flügel empor streckt, ist die Geschichte lebendig geblieben, denn hier wird heute wieder gemahlen und in der Backstube Kuchen und Brote aus eigenem Vollkornmehl verkauft. Im Umland ist dieser alte Ort des Handwerks ein Begriff. Ansonsten eher ein Insider-Tipp. Obwohl die Walbecker Mühle die älteste voll funktionierende Windmühle Deutschlands ist.

Vollkornbrote zum Probieren

Der Besuch lohnt sich – für Hirn und Magen. Wer zunächst einen Rundgang durch die Stockwerke des Mühlendenkmals macht, der hat Futter für den Kopf, lernt vieles über die mühsame Mehlgewinnung in alten Tagen und hat sich im Anschluss sicher ein Müllergedeck verdient. Für fünf Euro heißt es Platz nehmen in der Backstube und hier probieren und schmausen. Verschiedene Sorten Brot, Butter, Schmalz und selbstgemachte Marmelade gibt es zum Tässchen Kaffee oder einer Tasse Tee. Aus mühleneigenem Vollkornmehlen werden beim ortsansässigen Bäcker leckere Brote und Kuchen gebacken, die man hier im Kaffee probieren und natürlich auch für zu Hause kaufen kann.

Seit 500 Jahren klappern die Mühlsteine 

Info

Steprather Mühle in Walbeck (Kreis Kleve)

Schmalkuhler Weg 5, 47608 Geldern – Walbeck

Öffnungszeiten von 1. März - bis 31. Oktober:

Mittwoch bis Freitag: 14 – 18 Uhr
Samstag: 10 – 18 Uhr
Sonn- und Feiertag: 10 – 18 Uhr

Einritt:
Besichtigung der Mühle 1 Euro

vom 1. November nur samstags von 11-13 Uhr Brotverkauf

Führungen nach Vereinbarung zu den Öffnungszeiten, Führung kostet 10 Euro pro Gruppe

Flachsmuseum Wegberg-Beeck (Kreis Heinsberg)

 

Holtumerstrasse 19a, 41844 Wegberg

Öffnungszeiten:
Sonntag 11-12 Uhr und 14.30-17 Uhr
Eintritt kostenlos

Führungen nach Vereinbarung für Gruppen ab 15 Personen

Flachsmarkt von Samstag, 25.9., bis Sonntag, 26.9., von 11 Uhr bis 18.30 Uhr 

In der Spargelzeit ist der Ort weit über die Kreisgrenze Kleve bekannt für das weiße Gold. Nun aber schauen alle Augen auf das große Jubiläum, das kurz bevor steht. Am Sonntag, 5. September feiert der Förderverein der Backsteinmühle ab 10 Uhr das 500-jährige Bestehen des Kulturdenkmals. An diesem Tag werden sich – Wind vorausgesetzt – stolz die Flügel der Mühle drehen und im Innern die Mahlsteine in Bewegung setzen. Wer höhenfest ist und wen auch das Poltern der schweren Mahlsteine nicht schreckt, der kann an diesem Tag sicher eine der vielen Führungen nutzen, um sich einen Eindruck vom alten Müllerhandwerk zu machen.

10.000 Brote gehen über die Theke

Rund 30 Ehrenamtliche zählt der Förderverein, der sich 1995 nach rund 40 Jahren Stillstand, den die Mühle erlebte, um eine Renovierung und heute um den Betrieb und Unterhalt der alten Turmwindmühle kümmert. Kaum mag man glauben, dass so wenige helfende Hände so großes Bewirken können. „Mehl für über 10.000 Brote, die hier über den kleinen Verkaufstresen gingen, wurde hier im letzten Jahr gemahlen“, erzählt Ludger Kersten, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins. Neben Weizenmehl wird hier auch Dinkel- und Roggen gemahlen und geschrotet und können im Kilo gekauft werden.

Noch mahlt Jan Schoenmackers mit seinen 79 Jahren das Mehl in der Mühle. Eigens für seine ehrenamtliche Arbeit hat er Anfang der 90er Jahre in Holland sein Müllerpatent gemacht. Ludger Kersten soll einmal in seine Fußstapfen treten und wird schon angelernt. Damit hier die Geschichte noch lange lebendig bleibt.

Flachsmarkt lockt 25.000 Besucher

Altes Handwerk soweit das Auge reicht, lässt sich in Wegberg-Beeck sehen. Dort, wo rund ums Jahr im Flachsmuseum die Arbeit rund um Flachsanbau und Textilgeschichte gezeigt wird, reihen sich dann rund 140 Handwerker in den Straßen Beecks auf, um ihr Handwerk vorzuführen. Im sonst so beschaulichen Ort im Kreis Heinsberg wird mit den Handschaffenden zum Flachsmarkt am Samstag, 25. September und Sonntag, 26. September, jeweils von 11 Uhr bis 18.30 Uhr auch der Besucherstrom kommen. Er ist einer der größten kulturhistorischen Flachsmärkte des Landes. „Rund 25.000 Besucher kommen jährlich, um in Beeck im Schatten des Flachsmuseums Garnbleichern bei der Arbeit zu zu sehen, Seilern, Imkern, Holzschnitzern, Edelsteinschleifern oder Hutmachern.

Niederrhein altes Zentrum des Leinen

Der Heimatverein Wegberg-Beeck ist Initiator dieses großen Marktes. Doch wenn all der Trubel in den Gassen und Straßen vorbei ist, dann fängt im Flachsmuseum die Arbeit wieder an. Wer den Niederrhein besucht, der kommt eigentlich nicht vorbei an der Tradition des Flachsanbaus. Schon vor 5.000 Jahren nutzte man die Fasern der Kulturpflanze, um aus ihrer Faser später Leinen und aus den Samenkapseln das Leinöl zu gewinnen. In Wegberg wurde Flachs über mehrere Jahrhunderte angebaut und verarbeitet. Und auch heute noch gibt es in Beeck ein kleines Feld, das nach alter Tradition vom Heimatverein jedes Jahr bestellt wird.

Handwerksgeräte wie eben erst abgelegt

Über das Jahr hinweg kann man sich bei einem Besuch im Flachsmuseum ein Bild von von der Verarbeitung machen. Neben Geräten, die man zur Aussaat und Ernte von Flachs verwendet, ist hier eine Schneiderstube, wie es sie vor hundert Jahren noch gab, aufgebaut. Die alten Handwerksgeräte liegen hier, als seien sie eben erst abgelegt worden. "Gerne schauen auch angemeldete Gruppen im Flachsmuseum vorbei, um dort ihre dreckige Wäsche zu waschen", erzählt Heinz Gerichhausen vom Heimatverein augenzwinckernd.

Dreckige Wäsche waschen im Museum

In einer Waschküche aus Omas Zeit kann man selbst ausprobieren, wie mühsam es ist, auf dem Waschbrett zu waschen.Jeden Sonntag hat das Flachsmuseum geöffnet. Wer mag kann danach noch einen Abstecher ins benachbarte Trachtenmuseum im Ort machen, das Trachten aus ganz Europa zeigt und bewahrt. Ab 15 Personen bietet der Heimatverein Führungen an, in denen das Vorführen groß geschrieben wird. Spinnkurse kann man besuchen oder aber das Wasch- oder Flachsdiplom erwerben.

In der Region kann man sich an vielen Orten selber einen Eindruck von alten Handwerken und Produktionsstätten machen und sehen, wie mühsam die Arbeit in den Berufen damals war. Hier finden Sie acht Orte im Überblick.

 


 
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