Landesregierung in der Kritik: Wieder mehr Unterrichtsausfall in NRW
VON DETLEV HÜWEL - zuletzt aktualisiert: 03.01.2008Landesregierung in der Kritik (RPO). Es hagelt Kritik der Opposition an der Landesregierung: 2007 sind an den Schulen in NRW weniger Stunden erteilt worden als im Jahr zuvor. Die Ausfallquote betrug 2,6 Prozent gegenüber 2,4 Prozent im Vorjahr.
Nach Angaben des Schulministeriums waren die einzelnen Schulformen im vergangenen Jahr unterschiedlich vom Unterrichtsausfall betroffen. In den Grundschulen lag die Ausfallquote bei 1,5 Prozent aller Unterrichtsstunden. Im Jahr zuvor hatte sie noch bei 0,9 Prozent gelegen. Ein Anstieg war auch bei den Hauptschulen (von 2,3 auf 2,6 Prozent) und bei den Förderschulen (von 2,5 auf 3 Prozent) zu verzeichnen. Dagegen sank bei den Realschulen die Quote von 2,7 auf 2,4 Prozent.
Der Anstieg in den Gesamtschulen beläuft sich von 3,7 auf 4,5 Prozent (Sekundarstufe I) bzw. von 3,6 auf 3,8 Prozent (Sek II). Die Sekundarstufe I der Gymnasien blieb mit 3,3 Prozent Unterrichtsausfall gegenüber 2006 unverändert, während bei der Sek II der Gymnasien eine Abnahme von 4,2 auf 2,5 Prozent festzustellen ist.
Quer durch alle Schulformen lag der Unterrichtsausfall 2006 in Nordrhein-Westfalen bei 2,6 Prozent, während er im Jahr zuvor auf 2,4 Prozent abgesunken war. Gegenüber der Untersuchung aus dem Jahr 2005, die noch von der damaligen rot-grünen Regierung veranlasst worden war, habe der Ausfall um 41 Prozent verringert werden können, rechnete Schulministerin Barbara Sommer vor. „Die zusätzlichen Lehrerstellen sowie schulorganisatorische Vorgaben zur Sicherung der Unterrichtszeit haben ihre Wirkung nicht verfehlt“, betonte die CDU-Politikerin.
Das sieht die SPD-Landesvorsitzende Hannelore Kraft völlig anders. „Die Statistik der Landesregierung zum Unterrichtsausfall verzerrt die Realität an unseren Schulen“, sagte sie unserer Zeitung. Wer ein Kind in der Schule habe, sehe täglich, dass Stunden ausfielen und Vertretungslehrer fehlten. Kraft: „Oft wird die erste oder die letzte Stunde freigegeben.“ Kraft und die Schulexpertin der Grünen, Sigrid Beer, kritisieren zudem, dass in zunehmendem Maße EVU – „eigenverantwortlicher Unterricht“ – als Ersatz gelte. „Da ist kein Lehrer in der Klasse – das ist doch kein Unterricht“ (Kraft).
Für Beer ist EVU „Etikettenschwindel“. Das Schulministerium kontert zwar, EVU habe es auch unter Rot-Grün gegeben. Doch dem wiederum begegnet die Opposition mit dem Hinweis, dass dazu ein vernünftiges Gesamtkonzept gehöre, das derzeit an vielen Schulen aber nicht erkennbar sei. Der Vorsitzende des Philologenverbandes, Peter Silbernagel, findet es „traurig, dass das Ministerium nicht mit offenen Karten spielt“. Rein rechnerisch seien die Schulen zwar zumeist mit mehr als 100 Prozent Lehrern versorgt – „aber längst nicht alle kommen auch wirklich an den Schulen an“. Viele Pädagogen befänden sich in Fortbildungsmaßnahmen oder seien als Moderatoren tätig.
Deswegen könnten die Schulen im Ernstfall, etwa bei Erkrankung einer Lehrkraft, nicht immer einen Ersatz beschaffen. Die Landesregierung müsse hier für mehr Transparenz sorgen, fordert Silbernagel. Positiv sei aber, dass Schwarz-Gelb viele zusätzliche Lehrerstellen geschaffen habe. Dass der Unterrichtsausfall gleichwohl angestiegen sei, „hat mich dennoch überrascht“.
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