CO-Pipeline: Wo liegen Blindgänger im Boden?
VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 24.07.2009 - 10:17CO-Pipeline (RPO). Hartmut Wandt wohnt in der Straße "Am Kornfeld" in Duisburg-Rahm. Neben seinem Haus wurde die umstrittene CO-Pipeline gebaut. Der 70-Jährige erinnert sich noch genau an einen Zwischenfall. "Ich saß beim Frühstück, als die Arbeiten plötzlich unterbrochen wurden. Die Bauarbeiter hatten eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg im Bereich der Trasse entdeckt."
Immer wieder wurden beim Aushub der Kohlenmonoxid-Leitung, die die Bayer-Standorte Dormagen und Krefeld verbinden soll, gefährliche Blindgänger gefunden. Nun wurde bekannt, dass der Bauherr, die Firma Wingas, bislang nur eine unvollständige "Kampfmittelsondierung" durchgeführt hat. Die Bezirksregierung Düsseldorf spricht von einer "ungeklärten Gefährdungslage". Die Gegner der Pipeline sehen sich bestätigt.
Erich Hennen ist der Sprecher der Pipeline-Kritiker in Duisburg. "Mir platzt der Kragen, wenn ich daran denke, wie fahrlässig mit dem Leben von Anwohnern und Bauarbeitern umgegangen wurde", schimpft der 73-Jährige. "Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn ein Bagger einen Blindgänger erwischt hätte." Duisburg sei als Standort der Kriegsindustrie von den Alliierten besonders massiv bombardiert worden. "Auch die heutige Bundesstraße 288 war ein wichtiges Ziel für die Angreifer, weil sie eine Nachschubstraße der Wehrmacht war." Die Trasse der CO-Pipeline verläuft ganz in der Nähe.
Auch Wolfgang Elsen, der zu den Gegnern der Leitung in Hilden gehört, erfüllen die alten Fliegerbomben mit Sorge. "Bei uns wurden Flakstellungen bombardiert", sagtder 72-Jährige. Die Flugzeuge warfen auch Zeitbomben ab, die erst nach einer gewissen Zeit explodieren sollten, um Rettungskräfte zu treffen. Diese waren mit einem Säurezünder versehen. "Wir befürchten, dass die Bomben früher oder später explodieren, wenn sich das Material im Erdreich zersetzt. Dann fliegt die Pipeline mit in die Luft."
Wingas weist die Vorwürfe zurück. Der Kampfmittelräumdienst sei "frühzeitig" beim Pipelinebau eingebunden worden, erklärte ein Sprecher. Die Rohrtrassen seien "anhand von Luftbildaufnahmen untersucht" worden. Daraufhin seien "Verdachtsflächen" definiert worden. Auf denen habe man aber keine Blindgänger gefunden. Beim Bau der Leitung waren zwei Brandbomben entdeckt worden.
Wingas will die Flächen, die bislang noch nicht abgesucht worden sind, jetzt durch Spezialisten inspizieren lassen. Dabei handele es sich allerdings lediglich um etwa 2000 Quadratmeter. Die Bezirksregierung hat für die Durchführung der Suche inzwischen eine Frist bis zum 31. Juli gesetzt.
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