Seychellen kämpfen gegen Schickimicki-Ruf: Bacardi-Feeling im Indischen Ozean
VON ANDRIANA SAKARELI - zuletzt aktualisiert: 22.12.2009 - 12:13Düsseldorf (RPO). Die Seychellen gelten als Luxus-Urlaubsziel. Diesen Ruf will die Tourismusbehörde korrigieren. Denn der eigentliche Schatz der Inseln sind nicht die feinen Hotels, sondern die artenreiche Natur und Tierwelt.
Meterhohe Palmen, kristallklares Wasser, weite Strände mit puderzuckerweißem Sand - keine Frage, auf den Seychellen vergeht die Zeit mit angenehmem Nichtstun. Einfach nur zur Ruhe kommen, entschleunigen in der Abgeschiedenheit dieses Paradieses im Indischen Ozean. Den Seychellen haftet das Image des Exklusiven an: Jahr für Jahr kommen Tausende Hochzeitspaare, um dort ihre Flitterwochen zu verbringen. Stars wie David und Victoria Beckham machen Urlaub auf einer der Privatinseln.
Der Strand von Anse Source d’Argent auf der viertgrößten Insel, La Digue, wurde berühmt durch Werbespots von Bacardi, Raffaello und anderen Firmen. Private Investoren haben in den vergangenen Jahren viel Geld in den Ausbau von Fünf-Sterne-Hotels gesteckt. Jüngster Coup: Das Four Seasons Resort (ab 550 Euro pro Nacht) auf Mahé mit seinen Pool-Villen und Suiten, Wellness-Bereich, kreolischer und internationaler Küche sowie Privatstrand. Den halten auch andere noble Häuser für ihre zahlungskräftigen Gäste vor, die das Urlaubsvergnügen fernab vom Massentourismus schätzen.
Das ist eines der Gesichter der Seychellen, an einem weiteren arbeitet die Tourismusbehörde: weg mit dem Schickimicki-Ruf und der Ansicht, dieses Reiseziel sei zu teuer. „Wir haben für jeden Geldbeutel etwas“, sagt Tourismus-Direktor Alain St. Ange. Deshalb sollen auch in den nächsten Jahren mehr Fluggesellschaften den Flughafen von Mahé ansteuern und noch mehr Touristen die Kostbarkeiten der Seychellen kennen lernen.
Bislang kommen pro Jahr um die 160.000 Urlauber. Eine Zahl, die St. Ange nicht toppen will. Es geht ihm vielmehr um den richtigen Mix der Gäste: Auf den Seychellen gibt es eine Vielzahl von landestypischen Gästehäusern und kleinen Hotels, einige davon mit Selbstverpflegung. „Die Touristen sollen sehen, dass wir hier alles haben, was sie sich wünschen“, betont er.
Üppige Tropennatur
Mit „alles“ meint er neben den traumhaften Stränden - wie dem Anse Lazio auf Praslin, der zu den schönsten Stränden der Welt gehört - die üppige tropische Natur. Sie ist der eigentliche Reichtum des an Rohstoffen armen Landes. Aus diesem Grund hat die Regierung auch ein Umwelt- und Naturschutzkonzept entwickelt sowie Millionen von Euro in die Entwicklung einer umweltverträglichen Fremdenverkehrs- und Freizeitindustrie und den Erhalt seltener Tier- und Pflanzenarten investiert.
Auf den Seychellen gibt es sieben Nationalparks und vier Sonderreservate, zwei davon sind Unesco-Weltnaturerbe. Ein Nationalpark befindet sich auf der zweitgrößten Insel, Praslin. Das „Vallée de Mai“ ist die Heimat der Coco-de-Mer-Palme und der größte, bis heute nahezu unberührte, zusammenhängende Urwald.
Ein weiterer Naturschatz sind die Riesenschildkröten. Eine Kolonie von ihnen lebt auf „Curieuse Island“, im 19. Jahrhundert Heimat von Lepra-Kranken. Der Weg durch diese Kolonie führt über Trampelpfade durch Mangroven- und Palmenwälder. Ab und an lugt der Kopf einer der Riesenschildkröten hinter einem Vulkanfelsen hervor. „Sie mögen es, wenn man sie am Hals streichelt“, sagt ein Ranger.
Die Schönheit der 115 Seychellen-Inseln zeigt sich vielerorts. Man muss kein Taucher oder Schnorchler sein, um die Unterwasserwelt zu entdecken. Es reicht, eine Weile am Kai zu stehen, bis die ersten Red Snapper oder Papageienfische vorbeischwimmen. Fische gibt es genügend. Sie gehören fast zu jeder Mahlzeit - gegrillt, gebraten, gedünstet, europäisch, asiatisch oder kreolisch zubereitet.
Ansonsten importieren die Sechelloises die meisten Lebensmittel, lassen vieles aus Dubai, Saudi-Arabien oder Mauritius einfliegen. Auf dem täglichen Markt in Mahés Hauptstadt Victoria findet sich aber auch so mancher Bauer mit selbst angebautem Obst oder Gemüse. Einer von ihnen ist Hendrick Herminie. Mit Frau und Sohn bietet er Gurken und Kürbisse an. „In der Regel schaffen wir es, alles zu verkaufen“, erzählt er. Das Leben ist hart, denn Herminie konkurriert vor allem mit den Anbietern, deren Produkte aus dem Ausland kommen.
Ein Stück davon unabhängig gemacht hat sich Klaus Jesinghaus. Der Bayer hat 1994 auf La Digue ein Gästehaus eröffnet. Auf den Frühstückstisch kommt überwiegend das, was seine Frau im Garten erntet. „Wenn ich aber Appetit auf Spätzle und Weißwurst habe, lasse ich sie mir kommen“, sagt er. Das ist nicht so schwierig, auch wenn der Deutsche auf so einer verschlafenen Insel wie La Digue lebt. Die Flugverbindungen nach Deutschland sind regelmäßig.
Schnellboote verbinden Mahé mit Praslin, La Digue und Fregate, ideal fürs Insel-Hopping. Wer mit dem Katamaran von Mahé nach Praslin übersetzt, sollte wissen: Trotz der Temperaturen von 24 bis 30 Grad kann das Meer aufgewühlt sein, besonders während des Südost- oder Nordwest-Monsuns. Die einstündige Überfahrt überstehen nur wenige ohne Medikamente gegen Reiseübelkeit.
Erkunden lassen sich die Inseln auch per Segelschiff. Eine gute Möglichkeit, um direkt ins Wasser zu springen. Der Blick in die farbenprächtige Meeres-Oase mit ihren Korallenriffen ist gigantisch.
Info:
Anreise Einmal in der Woche (freitags) fliegt Condor (ab 780 Euro) nach Mahé. Air France, Qatar Airways, Emirates und Air Mauritius sind weitere Gesellschaften, die auf dem internationalen Flughafen der Hauptinsel landen. Der Reisepass reicht aus, am Flughafen erhält man eine für einen Monat gültige Besuchserlaubnis.
Bevölkerung Die Seychellen haben 87.000 Einwohner. Der Großteil lebt auf Mahé. Viele der 115 Inseln der Republik sind unbewohnt. Die Einheimischen sprechen Kreol, Englisch oder Französisch. Das auf den Seychellen gesprochene Kreol ist Amtssprache.
Klima Das Klima ist tropisch. Die Temperaturen schwanken zwischen 24 und 30 Grad. Angenehm und trocken ist es von Mai bis Oktober mit manchmal starkem Südost-Monsun. Heißer und feuchter ist es von Dezember bis März mit Monsun aus Nordwesten.
Währung Seit 2008 ist die Seychellen Rupie frei konvertierbar. Alle Zahlungen können in dieser Währung getätigt werden. Die Einheimischen bevorzugen aber Euro.
Hotels Es gibt eine Reihe von Drei- bis Fünf-Sterne-Hotels und Gästehäusern, u.a. das Calou Guesthouse auf La Digue (DZ ab120 Euro). Das Coco de Mer auf Praslin hat 52 Bungalows (ab 230 Euro). Das Paradise Sun auf Praslin ist im Kreol-Stil ausgestattet (DZ ab 250 Euro). Das Hilton-Hotel (Fünf Sterne) auf Mahé (DZ ab 600 Euro) hat einen Privatstrand. Pauschalangebot: Über „My Seychelles“ 14 Tage, Flug und Unterbringung im Gästehaus oder Drei-Sterne-Hotel ab 1398 Euro.


