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Mittelamerika: Costa Rica: Klein, aber fein

zuletzt aktualisiert: 02.08.2005 - 12:37

San José (rpo). Der Chirripo ragt 3.820 Meter in den Himmel. Wer ihn bezwingen will, hat sich einiges vorgenommen. 20 Kilometer ist der Aufstieg lang, und nur in zwei Tagen zu schaffen. Entlohnt wird der mutige Wanderer mit tollen Naturerlebnissen im unberührten Bergregenwald.  Übernachtet wird in einer Selbstversorgerhütte unterhalb des Gipfels - auf 3.400 Metern Höhe.

Die Chirripo-Tour, die täglich nur rund 50 Wanderer begehen dürfen und die deshalb Monate im Voraus gebucht werden sollte, ist eines der herausragenden Beispiele für Costa Rica als ein Reiseziel mit vielfältigen Naturerlebnissen. "Reinen Badeurlaub machen hier die wenigsten", sagt der Reiseleiter Ralf Kettner, der seit sechs Jahren vor allem für den DAV Summit-Club, die Bergsteigerschule des Deutschen Alpenvereins (DAV), solche Touren zusammenstellt.

Costa Rica pflegt sein "klein, aber oho"-Image. Gern lässt es sich die "Schweiz Mittelamerikas" nennen. Es hat Berge und klare Flüsse, ist ziemlich sauber und politisch neutral - und dann auch noch fast genauso groß wie die Schweiz in Europa. Dem Raubbau an der Natur hat das Land seit einiger Zeit einen meist wirksamen Riegel vorgeschoben. Mehr als 30 Prozent der Landes stehen unter Naturschutz, darunter sind 25 Nationalparks - ein weltweiter Spitzenwert. Costa Ricas Regenwald war Kulisse für Filme wie "Jurassic Park" und "King Kong".

Der tropische Regenwald soll das touristische Kapital des Landes bleiben. Dabei helfen auch Ausländer wie der Deutsche Jürgen Stein oder der Südafrikaner Carlo Bushoff. "Bitte Schuhe ausziehen", sagt Stein vor dem Betreten seiner Lodge. Die "Lodge Selva Bananito" ist aus den 20 Prozent Altholz gebaut, das die Holzfäller sonst achtlos liegen lassen - und das er nicht durch harte Sohlen strapaziert sehen will.

Viele Giftschlangen

Das stromlose Naturerlebnis am Rande des Amistad-Nationalparks, des größten Regenwaldgebiets in Mittelamerika mit Welterbe-Status seit dem Jahr 1983, hat allerdings auch seine Schattenseiten: 16 von 17 in Costa Rica vorkommenden Giftschlangen sind hier heimisch. "Also leuchtet den Weg zum Bungalow mit der Taschenlampe aus", rät Stein.

Der 30-jährige Biologe Bushoff macht auf der "Rafiki-Lodge" auf der pazifischen Seite auch in Öko-Tourismus. Ehemaliges Farmland forstet er Baum für Baum wieder auf und will die Einheimischen mit Arbeitsplätzen von der "Wald ist gut"-Politik überzeugen. In Sachen Naturschutz habe Costa Rica zwar viel guten Willen, aber wenig Geld, sagt er. Die staatlichen Umweltaufpasser könnten wegen Autoschäden und Benzinmangels teils gar nicht kommen, wenn sie gebraucht werden.

Alles hat seinen Preis

"Rafting", "Canopy", "Tree-Climbing" - die Schilder am Straßenrand versprechen eher populäre Vergnügungen auf dem Wasser und im Wald. 35 bis 65 US-Dollar (29 bis 54 Euro) kostet ein geschwindes Gleiten zwischen den Baumwipfeln per Drahtseil. Inzwischen werben die Anbieter mit "Canopy"-Touren von mehr als einem Kilometer Länge und rund 15 Stopps auf Wipfel-Plattformen. Generell gilt dabei: Costa Rica ist kein ganz billiges Reiseland. Ein Mietauto kostet im Schnitt umgerechnet 50 Euro am Tag. Der Eintritt in die Nationalparks schlägt mit 7 US-Dollar (5,75 Euro) zu Buche.

Das Gebiet um den Vulkan Arenal im Nordwesten gehört zu den touristisch am besten entwickelten Costa Ricas. Der Ruf des Vulkans, einer der vier aktivsten der Welt zu sein, lockt Besucher in Scharen. Jedes Jahr entstehen neue Hotelanlagen. "Wir können das Gelände binnen zehn Minuten evakuieren", ist sich Fabio Cedeno sicher. Sein Vater hat die Bungalows "Los Lagos" am Fuß des Vulkans gebaut, der 28-Jährige ist der General-Manager.

Sechs Messstationen rund um den Berg sollen rechtzeitig warnen. "Solange der Arenal ständig aktiv ist, ist das alles kein Problem", sagt Cedeno. Der Lavafluss bleibe gering und kontrollierbar. Heikel könnte es erst werden, wenn der Vulkan lange schlafen und Energie sammeln würde. Zum Leidwesen vieler Besucher hüllt sich der 1633 Meter hohe Berg oft in Wolken.

Paradies für Vogelfreunde

Klare Sicht auf ein seltenes Schauspiel erhoffen sich Jahr für Jahr Zehntausende von "Birdwatchern". Mit 850 Vogelarten ist Costa Rica ein Paradies für Vogelfreunde. Am Monteverde und im Salvegre-Tal stehen Scharen von Hobby-Ornithologen zu früher Stunde auf, stellen ihre lichtstarken Ferngläser und Teleskope unter die Urwaldriesen und hoffen speziell auf den Quetzal. Die Aufmerksamkeit für den nur etwas mehr als taubengroßen Vogel mit prächtigen Schwanzfedern lebt auch von einer Legende: Als die Spanier Mittelamerika im Kampf eroberten, soll sich der Vogel auf die blutende Wunde eines Maya-Häuptlings gesetzt und so zu seinem roten Brustkleid gekommen sein.

"Ich habe heute schon vier Quetzals gesehen", flüstert Elden Sorensen, der aus dem US-Staat Washington stammt. Der ehemalige Traktoren-Verkäufer und sein Reisepartner David Bakemann sind begeistert: "Die Vögel scheinen in ihrem grün-blau-roten Federkleid zu glühen." Die beiden 70-Jährigen gehören zu den Zehntausenden von "Birdwatchern" speziell aus den USA, die jedes Jahr sehr leise ihr Beobachtungsglück versuchen.

Im Salvegre-Tal, einst Geheimtipp und jetzt von 25 000 Touristen jedes Jahr besucht, hat der ehemalige Schweißer Melvin Fernandez seit elf Jahren als Vogelkundler sein sicheres Auskommen. Dabei hat der 47-Jährige auch Ausdauer-Unterschiede seiner internationalen Klientel beobachtet: "Die Amerikaner bleiben, bis sie einen Quetzal gesehen haben. Die Deutschen fahren oft nach einer Nacht - auch ohne Erfolg."

Kein "Kulturland"

Die Zahl der deutschen Touristen in Costa Rica dürfte in dieser Saison einen neuen Rekordwert von 70 000 erreichen. Insgesamt erwartet das Land 1,2 Millionen Touristen. Es verzeichnet seit Jahren zweistellige Zuwachsraten. Rund 80 Prozent der Urlauber kommen aus den USA. Außer vom Tourismus lebt das Land vom Export von Kaffee und Bananen, von der Ausfuhr von Blumen, Farnen und Früchten. Für die Freunde architektonischer Höhepunkte ist Costa Rica eher eine Wüste. Weder die Hauptstadt noch die Dörfer wirken auf Reisende einladend. "Für Kulturreisende ist das Land eher nichts", sagt Ralf Kettner.

Der Zugang zu den Naturschönheiten ist nicht selten beschwerlich. So sind die mächtigen Nauyaca-Wasserfälle nur durch eine einstündige Wanderung über steiles Gelände zu erreichen. Eine Alternative ist ein mehrstündiger Ritt, der im Örtchen Barú beginnt. Dafür bieten die Fälle aber auch Badespaß pur. Die Anfahrten zu Lodges, Stränden und zu Ausgangspunkten für Wanderungen können wegen der oft ungeteerten oder mit Schlaglöchern übersäten Wege ebenfalls strapaziös sein.

Ganz einfach dagegen ist der Weg zum Nationalpark Manuel Antonio. Der Flecken am Pazifik hat sich mit seinen 300 Sonnentagen im Jahr zu einem der Badezentren des Landes entwickelt. Mehrere Traumstrände locken selbst US-Stars wie Bruce Willis und Leonardo di Caprio an.

Die Leguane am Strand, das Gebrüll der Affen im angrenzenden Wald, ein Schwarm Fliegender Fische - die Exotik fasziniert. Auf der Flucht vor den kalten Wintern in Buenos Aires und auf der Suche nach einem Job hat auch die 41-jährige Elisabeth Gloor ihre Massageliege am Strand aufgebaut. Seit drei Jahren massiert die Argentinierin mit deutschen Vorfahren müde Badegäste für 50 Dollar. "Es kommen immer mehr Europäer, und die sind sparsamer als die Amerikaner", sagt sie.

Quelle: gms

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