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Jordanien: Die große Liebe von Lawrence von Arabien

zuletzt aktualisiert: 22.08.2005 - 09:40

Aqaba (rpo). Man muss nicht in Wadi Rum gewesen sein, um diesen Ort zu kennen. Eine Autostunde von der Küstenstadt Aqaba entfernt, liegt die Gegend, von der schon T.E. Lawrence begeistert war. Er sagte einmal über Wadi Rum: "Wir suchten zurück in unserer Erinnerung nach dem Urbild, wo einst alle Menschen zwischen solchen Felsmauern gewandert waren". Unsere Reise beginnt an einer Kreuzung in Jordanien.

Eine Wüsten-Schildkröte überquert den gelben Mittelstreifen. Mit ihrem von Zusammenstößen ramponierten Panzer zieht sie beharrlich ihres Weges, wie ein Spielzeugauto an einem unsichtbaren Faden. Einige Kilometer linksab ragt eine Sandsteinformation hunderte Meter in den Himmel. Als Lawrence von Arabien hier 1917 sein Lager aufschlug, nannte er die Felspfeiler die "sieben Säulen der Weisheit". Ein paar Kilometer weiter kauert das Rum Village - eine Ansammlung kleiner Häuser, über die der Wüstenwind treibt - zwischen den Felswänden. Im staatlichen Guest House neben dem Lawrence Shop kann man für drei Jordanische Dinar (3,50 Euro) im Minizelt übernachten - oder einen Beduinen wie Saleh finden, der einen in die Tiefe des Wadi bringt, wo das Abenteuer wartet: "Eine Nacht im Beduinenzelt werdet Ihr nie vergessen" verspricht er.

Hinter dem Dorf erstreckt sich die Heimat der Howeitat-Beduinen: Zouzou und Bulan, die Kamele, die mit alten Wolldecken gesattelt griesgrämig kauend im Schatten lungern, sollen als Wüstenschiffe dienen. Wie war das doch gleich im Film? "Hattatt!" - aber Zouzou versteht nicht. Ein Schnalzen und ein Klaps auf den Po helfen weiter. Man zieht leicht am Strick in eine Richtung, das Kamel dreht den Kopf und trabt immer geradeaus der Nase nach, während seine weichen Füße tiefe Abdrücke im Sand hinterlassen. Nebenbei knabbert Zouzou die Dornbüsche ab, die über die Ebene gesät sind. Als David Lean 1962 hier den Lawrence-Film drehte, ließ er alle ausreißen - damit das Wadi der Vorstellung einer Wüste näher kam.

Entstanden ist das Hochtal vor 30 Millionen Jahren, als eine tektonische Verschiebung die Gesteinsschichten auf einer Länge von etwa 130 Kilometern aufriss. Heute erheben sich die bis zu 800 Meter hohen roten Sandsteinriesen aus dem Wüstenboden, auf Sockeln aus Granit. "Bravo", sagt unser Führer und klatscht in die Hände. Nach drei Stunden lässt der Elan nach und der Sattel macht sich mit heißem Brennen bemerkbar: Zouzou steuert seit einer Stunde einem großen Felsklotz entgegen.

Der Tourismus geht zurück

Im vierten Jahrhundert kontrollierten die Nabatäer die in der Nähe verlaufende Weihrauchstraße, und schon vor etwa 10 000 Jahren verewigten steinzeitliche Bewohner Kamelherden an den Felswänden. Erst wenige Meter vor der Felswand des Jebel Khazali eröffnet sich der Blick auf das versteckte Nachtlager, das vor dem Fels winzig wirkt: Ein Holzverschlag zum Schutz gegen den Sand zäunt das Nomadenzelt ein, in dem wohl eine ganze Beduinenfamilie Platz finden würde. Oder 20 Touristen, wenn so viele noch kämen. Der Tourismus ist in den letzten Jahren auch in dem als ausgesprochen sicher geltenden Jordanien stark zurückgegangen.

Das Wadi ist nicht nur bei Einsamkeitsfanatikern beliebt, die irgendwo in der Wüste unter dem Sternenhimmel übernachten möchten. Auch Kletterer aus aller Welt kommen, um die bizarren Felsformationen zu erklimmen. Und die Wüste lässt sich in Eintages- bis Wochentouren per Kamel oder Jeep erkunden. Arrangieren kann man den Trip vor Ort oder vor Antritt der Reise.

Stille unter einem glitzernden Sternenzelt

Vor dem immer näher rückenden Camp steht bereits Salehs alter Jeep, mit dem der Beduine uns und dem Guide vorausgefahren ist. Jetzt scheppert er in dem rotlackierten Küchen-Container, in dem eine Gasflasche und ein Kocher untergebracht sind. Ein paar Meter weiter die ebenfalls rostroten Duschen- und Toilettencontainer, die jedes Geräusch in der Stille vervielfachen.

Während die letzten Sonnenstrahlen nach den Berggipfeln fassen, sitzen wir bei Chai und selbst gebackenem Brot. Die Sonne ist untergegangen, als Saleh aufbricht. "Also bis morgen." Und wir bleiben ganz allein hier? "Das ist Bedu-Land" - und er scheint wirklich irritiert, dass wir uns überhaupt Sorgen machen. Das Brummen seines Jeeps hallt noch kilometerweit von den Bergwänden wider. Dann stehen wir allein da. Und während sich über uns ein glitzerndes Sternenzelt ausbreitet, fühlen wir uns plötzlich alleine und doch geborgen.

Am nächsten Tag ist der Ausflug vorüber - bei Salehs Familie gibt es einen letzten Chai. Für alle Fälle drückt er uns noch seine Visitenkarte mit E-Mail und Handynummer in die Hand - und wir finden uns viel zu rasch zurück in der Gegenwart.

Quelle: afp

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