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Québec-City wird 400 Jahre alt: Ein Stück Frankreich in Nordamerika

zuletzt aktualisiert: 06.01.2008 - 11:03

Québec-City (RPO). Wird in Europa eine Stadt 400 Jahre alt, ist das nichts Besonderes. In Nordamerika gilt eine Metropole in diesem Alter bereits als altehrwürdig. 2008 feiert Québec-City Jubiläum und zeigt seine bewegte Geschichte samt französischer Lebensart.  

Monsieur Bouchard kommt einem irgendwie bekannt vor: Hoher Hut, dunkler Vollbart, Nickelbrille, dazu dieses verschmitzte Lächeln - die Ähnlichkeit mit der schwedischen Kinderbuchfigur Petterson ist verblüffend. Doch Monsieur Bouchard lebt nicht in Schweden, sondern beackert auf der Ile d'Orléans im St.-Lorenz-Strom einen vier Hektar großen Weinberg. "Das Klima auf unserer Insel ist mild und sonnig. Außerdem wurde in der Stadt schon immer tüchtig Wein getrunken", sagt der Winzer und weist mit der Astschere nach Westen, wo sich die letzten Sonnenstrahlen über die Türme von Québec-City ergießen.

Liebe zum Wein und zum guten Essen

In Québec-City, der Hauptstadt von Kanadas größter Provinz Québec, pflegen die Menschen seit 400 Jahren französische Lebensart. Die Liebe zum Wein und zum guten Essen, zur französischen Sprache und Kultur sind hier ausgeprägter als sonst irgendwo in Kanada. Kaum hat der Besucher zum Beispiel das "Café St.-Malo" in der Rue Saint-Paul betreten, fühlt er sich wie in die Bretagne versetzt. Kellner in langen Schürzen servieren morgens köstliche Croissants und dampfenden Café au lait. Am Abend dagegen werden hier wie in den anderen Lokalen in der Altstadt Dreigänge-Menüs aufgetragen und Weine kredenzt.

Vor allem Besucher aus den USA geraten in Entzücken - und zwar nicht nur wegen der Kneipen, sondern auch beim Anblick der Altstadt mit ihrer mächtigen Stadtmauer und den romantisch winkeligen Gassen. Es heißt, viele Amerikaner, denen eine Reise nach Europa zu umständlich ist, führen gerne für ein Wochenende nach Québec-City, um die "europäische Lebensart" zu genießen.

Ausgeprägtes Kontinentalklima

Auf der Place Royale am Ufer des St.-Lorenz-Stroms erscheint die Zeit wie in Blei gegossen. Alle Gebäude sind restauriert, die Autos wurden verbannt - das Granitpflaster gehört heute wieder den Fußgängern und Pferdedroschken. Vor 400 Jahren bevölkerten vor allem Tagelöhner, Pelzhändler, Füsiliere und allerlei Rabauken dieses älteste Stadt- und Geschäftsviertel Nordamerikas. Heute ist der Platz fest in der Hand von Jongleuren, Straßenmusikanten, Touristen und Einheimischen, die ihren Feierabendbummel genießen.

Québec besitzt ein ausgeprägtes Kontinentalklima: Die Sommer sind warm und sonnig, oft erreichen die Temperaturen im Juli 30 Grad und mehr. "Dafür ist unser Winter sehr streng und sehr lang. Dann fallen unglaublichen Schneemengen", sagt Elyse Busque von Tourisme Québec. Selbst die außerhalb der Stadt gelegenen Montmorency-Wasserfälle - mit 84 Meter Fallhöhe höher als die Niagara-Fälle - frieren nach und nach zu. Dann bilden sich bizarre Eisformationen, und dort, wo im Sommer die Gischt sprüht, wächst ein großer Pilz aus Eiskristallen.

Gefeiert wird das ganze Jahr

Zum 400. Jahrestag der Stadtgründung durch den französischen Entdecker Samuel de Champlain 1608 soll es ein gigantisches Fest geben. "Wir werden fast das ganze Jahr über feiern", sagt Denys Légaré von der Provinzregierung. Als Höhepunkt sind vom 3. bis 6. Juli eine Opernaufführung und ein "Mega-Happening" auf dem historischen Schlachtfeld Plaines d'Abraham geplant. Selbst der Getreidespeicher am Hafen, ein grauer Zweckbau von 600 Metern Länge und 40 Metern Höhe, wird vom 20. Juni bis 29. Juli jeden Abend als gigantische Projektionswand für eine Lichtershow dienen, die der Regisseur Robert Lepage inszeniert. "Eine Lightshow dieser Größenordnung hat die Welt noch nicht gesehen", verspricht Légaré.

Das einstige Schlachtfeld Plaines d'Abraham ist inzwischen Teil einer großen Grünanlage, des Parc de Champs-de-Bataille. Jogger und Spaziergänger hinterlassen einen friedlichen Eindruck. Doch der Ort hat eine blutige Geschichte: 1759 kämpften hier die Heere der Franzosen und Engländer gegeneinander. Die Engländer siegten.

Mischmasch aus Englisch und Französisch

Die Karten für die weitere Entwicklung des Kontinents wurden damit im heutigen Québec-City neu gemischt: "Neufrankreich" hörte auf zu existieren, die Franzosen mussten ihre Besitzungen den Engländern überlassen. Doch den Menschen in Québec wurde sprachliche, kulturelle und religiöse Eigenständigkeit zugebilligt. Damit erhofften sich die Briten das Wohlwollen der Bevölkerung zu sichern. Denn weiter südlich war bereits der amerikanische Unabhängigkeitskrieg ausgebrochen, und kurz darauf belagerten US-Truppen auch die Festungsstadt Québec.

Heute ist Kanadas Zweisprachigkeit in der Verfassung verankert. Auffällig ist die häufige Vermischung von Englisch und Französisch, die bei Québecern vor allem im Umgang mit Touristen vorkommt. Um mit Besuchern zu kommunizieren, die Französisch nicht beherrschen, raffen sie ihr ganzes Englisch zusammen. Und so murmelt auch Winzer Donald Bouchard bei der Suche nach seiner Lesebrille: "Where is my lunette?"

Informationen: Kanada-Information, c/o Lange Touristik-Dienst, Eichenheege 1-5, 63477 Maintal (Tel.: 01805/52 62 32 für 14 Cent pro Minute); Tourisme Québec (Tel. von Deutschland: 001/514/873 20 15); Internet: www.bonjourquebec.com/de, www.MyQuebec2008.com.

Quelle: tmn

 
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