Barocke Pracht und Kräuterduft: Gartenkunst an Rhein und Maas
zuletzt aktualisiert: 19.05.2006 - 15:07Mönchengladbach (rpo). Nicht nur Gartenliebhaber kommen bei einem Ausflug auf der "Straße der Gartenkunst" auf ihre Kosten. Gärten, Parks, barocke herrschaftliche Anlagen und kleine Blumenparadiese an Rhein und Maas laden zum Genießen von grünen Kostbarkeiten mit gartenkünstlerischer Qualität ein.
Derzeit umfasst die Straße der Gartenkunst 47 Anlagen. Und voller Heiterkeit laden die großen und kleinen Garten-Schätze zum Besuch ein. Zum Beispiel Schloss Wickrath in Mönchengladbach: Barocke Pracht begrüßt den Besucher, der die beiden stattlichen Vorburgen betritt. Strenge Achsen, Rasenparterres, springende Wasser, Kübelpflanzen und geschnittene Gehölze erinnern an die Zeit, als selbst die Natur sich dem Fürsten unterwerfen musste.
Aber schon wenige Schritte weiter, auf der eigentlichen Schlossinsel, ändert sich die Atmosphäre. Entspannt lässt es sich auf der Terrasse des Landstallmeisterhauses sitzen. Mächtige alte Bäume lenken den Blick über die zentrale Rasenfläche hinweg. In Form einer Grafenkrone bettet sich die Insel in die Seenlandschaft des Flüsschens Niers ein.
Kleine Besucher begeistert der Wasser- und Matschspielplatz, und die Pferde, die die Kavallerie-Tradition von Wickrath fortsetzen, sind natürlich auch eine Attraktion.
Entspannen unter alten Esskastanien
Wer es weniger herrschaftlich mag, wird sich im Garten Krautwig in Xanten wohl fühlen. 15.000 Quadratmeter umfasst der Garten des 130 Jahre alten Möldershofes. "Gelenkte Wildnis" steht unsichtbar darüber, auch wenn sich die alte Esskastanienallee als klare Achse durch die Anlage zieht. Narzissenblüte und Ramblerrosen, Kräuterduft, blühende Wiesen, ein toskanischer Garten - immer wieder neue Impressionen bieten sich im Lauf des Jahres.
Ein Leckerbissen besonderer Art ist der Japanische Garten in Leverkusen. Als privaten Garten legte Bayer-Chef Carl Duisberg ihn 1913 an - nicht als Kopie eines japanischen Gartens, aber inspiriert von fernöstlicher Gedankenwelt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt die Öffentlichkeit Zutritt zu der Anlage, die mit Tempeltor und Teehaus, Azaleen und Japanischem Ahorn, Kirschblüten, Kamelien und Koi-Karpfen in fremdartige Gartenwelten entführt.
Wochenende für Wochenende ließe sich mit Stippvisiten in Gärten und Parks verbringen. An der Maas in Sittard-Geleen in den Niederlanden besitzt der Stadspark mit seinen majestätischen alten Bäumen den Status eines nationalen Monuments.
Nicht weit davon entfernt erinnert der Stadstuin noch immer daran, dass er ursprünglich ein Klostergarten der Ursulinen war. Heckenkarrees voller Rosen, Laubengänge und Birnenspalier lassen die alte funktionale Gliederung erahnen.
Parklandschaften am Niederrhein
Am Niederrhein lässt Kleve mit der Parklandschaft des Prinzen Johann Moritz von Nassau-Siegen aus dem 17. Jahrhundert staunen. Besonders beeindruckt das Ensemble von Prinz-Moritz-Kanal und Amphitheater mit Inseln, "Eisernem Mann" und Obelisk.
Der Terrassengarten von Kamp-Lintfort braucht den Vergleich mit Sanssouci nicht zu scheuen, er ist nur weniger bekannt. Schloss und Park Dyck nahe Mönchengladbach, Schloss Paffendorf bei Bergheim mit seinen Pflanzen aus dem Tertiär und De Rhulenhof in Ottersum/Niederlande sind weitere Ausflugsziele ins reizvoll gestaltete Grün.
Wer mehr Zeit hat, kann einen ganzen Urlaub auf der Straße der Gartenkultur verbringen. Sportliche nutzen am besten das Fahrrad, denn die Radwanderwege rechts und links des Rheins verbinden geradezu ideal die meisten Orte mit ihren grünen Kleinodien.
In Bonn könnte das Arboretum Härle mit seinem Pflanzenreichtum den Auftakt der Tour bilden. Quer durch die Rheinaue, 1979 im Zuge der Bundesgartenschau entstanden, geht's weiter. In Brühl führt ein Abstecher zum Schloss Augustusburg mit seinem Barockgarten und der langen Allee zum Jagdschlösschen Falkenlust.
Spaziergang im Schlossgarten Benrath
Ein paar Kilometer weiter in Köln sind Flora und Botanischer Garten zu sehen. Peter Josef Lenné, der deutsche Meister des Landschaftsgartens, schuf beide im 19. Jahrhundert. Durch Leverkusen, wo neben dem Japanischen Garten der Carl-Duisberg-Park wartet, und Monheim mit seinem Marienburgpark kommt Düsseldorf in den Blick - und damit der prächtige Benrather Schlossgarten.
Strenge Achsen gliedern den Jagdpark, in dem man Kurfürst Carl-Theodor mit seinem Gefolge zu sehen meint. Doch der Auftraggeber hat seinen Park nie richtig genutzt. Umso mehr tun das die Düsseldorfer, die sich rund um den kanalartigen Spiegelteich ergehen und die Blütenfülle vor der Orangerie genießen.
Auch Hofgarten und Malkastengarten, Nord- und Südpark, Schlosspark Heltorf, Ständehauspark und Golzheimer Friedhof lohnen einen längeren Besuch.
Durch die Jahrhunderte
Aber auch Krefeld lockt. Im nüchternen Bauhaus-Stil entwarf Mies van der Rohe 1927 das Museum Haus Lange/Haus Esters, und genauso klar und sachlich legt sich auch der Garten herum. Weite und Großzügigkeit kennzeichnen den Schönwasserpark, fast zeitgleich fertig gestellt.
Aber damit nicht genug: Greiffenhorstpark und Burgpark Linn, Arboretum Heilmannshof, der Schönhausenpark und viele andere Grünräume bieten Gartenkunst der verschiedenen Jahrhunderte. Wer sie aufmerksam durchwandert, spürt, wie sehr sich die Einstellung der Menschen zu Garten und Pflanze immer wieder gewandelt hat.
Informationen beim Verein Straße der Gartenkunst an Rhein und Maas, Schloss Dyck, 41363 Jüchen.


