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Kenia: Giraffen-Knutschen und Obama-Effekt

zuletzt aktualisiert: 03.12.2008 - 14:54

Nairobi (RPO). Obwohl Barack Obama Kenia noch keinen Staatsbesuch abgestattet hat, profitiert das Land bereits von seiner Wahl. Der neue US-Präsident hat viele Verwandte in Kenia. Dort ist der "Obama-Effekt" bereits spürbar. Der Tourismus nimmt zu, besonders beliebt ist das "Giraffen-Knutschen".

Lange war Robert Redford ihr Star: Einmal dem Mann begegnen, der in "Jenseits von Afrika" den Denys Finch Hatton gespielt hat. "Das habe ich mir oft gewünscht", sagt Rosemary Agutu. Inzwischen schwärmt die Museumsführerin im Karen-Blixen-Haus bei Nairobi jedoch für einen anderen Amerikaner: "Barack Obama natürlich. Seine Wahl hat uns Riesenauftrieb gegeben", sagt die 26-Jährige. Auch touristisch will Kenia davon profitieren.

Obama-Effekt

Nirgendwo hat der neue US-Präsident so viele Verwandte wie in dem Land am Indischen Ozean, der Heimat seines Vaters. Rosemary kennt sie fast alle: "Schließlich bin ich in Kogelo geboren, wo Obamas Oma Sarah wohnt." Eine Frage beschäftigt sie und ihre Landsleute: Wann kommt Obama auf Staatsbesuch? Der Obama-Effekt sei aber schon längst da, erklärt Ongonga Achieng von der staatlichen Kenianischen Tourismus-Agentur KTB. Fast täglich bekommt er Anfragen von Reiseveranstaltern, die Touren ins Land der Väter des neuen Mannes im Weißen Haus organisieren wollen. Die Angebote tragen Namen wie "Presidential Heritage Safari" oder "Obama Wildlife Tour".

"Nicht nur Amerikaner, auch die Deutschen kommen wieder in größerer Zahl, genau wie Briten, Franzosen und andere Europäer, zudem wächst die Nachfrage in China und Japan", sagt Achieng. "Wir können aufatmen." Anfang 2008 war der Tourismus - Kenias wichtigster Devisenbringer - zusammengebrochen. Die Bilder der blutigen Unruhen nach den Wahlen gingen damals um die Welt.

Safaris wieder beliebter

Doch längst herrscht wieder Ruhe in dem Land, das als das Safari-Land schlechthin gilt. Gebucht wird nicht nur Badeurlaub in den gut bewachten "Ferien-Festungen" an den weißen Sandstränden von Lamu, Malindi oder Mombasa. Längst trauen sich Kenia-Reisende auch wieder auf die Piste und gönnen sich das Erlebnis von Pirschfahrten in einem der zahlreichen Wildreservate.

"Drei der "Big Five" haben wir schon im Kasten", sagt der Berliner Martin Hauptmann im Nationalpark Tsavo Ost mit Blick auf den Kilimandscharo. "Löwen haben wir in der Masai Mara fotografiert, Nashörner oben in Laikipia und die berühmten roten Elefanten hier im Tsavo. Büffel sehen wir bestimmt auch noch und mit ein wenig Glück wenigstens einen Leoparden."

Touristen sind mit ziemlicher Sicherheit ähnlich erfolgreich, wenn sie mehrere Nationalparks auf die Reiseroute setzen und in den Trockenzeiten von Dezember bis März oder von Juli bis September auf die Pirsch gehen. Dann sind die Tiere auf Wasserlöcher angewiesen, die oft direkt vor den Lodges der Gäste liegen. Und die Vegetation ist spärlich, was die Beobachtung bei Pirschfahrten erleichtert.

Aber auch in den für Urlauber preiswerteren Regenzeiten bietet Kenia Afrika-Romantik pur. Zwar kann es vorkommen, dass der Sundowner auf dem "Lions Rock" im Tsavo - einem felsigen Hügel mit bester Rundumsicht - recht feucht ausfällt. Die Sonne lässt sich aber täglich blicken. Es ist die Zeit, in der es am Abend in den Lodges auf dem kühleren Hochland besonders gemütlich wird.

Für zwei bis drei Tage bietet auch die Hauptstadt Nairobi ein interessantes Programm. Ein Besuch im Blixen-Haus ist für viele Touristen dabei ein Muss, ebenso wie ein Abstecher zum Tierwaisenheim der David-Sheldrick-Stiftung. Hier werden von Wildhütern gerettete Elefanten- und Nashorn-Babys aufgepäppelt, bis sie allein im Busch überlebensfähig sind. Besucher können die Mittagsfütterung mit Milchflaschen unter freiem Himmel erleben - und nebenbei so manches über das Problem der Wilderei in Afrika erfahren.

Extrem beliebt: "Giraffenknutschen"

Absolut "in" ist das "Giraffenknutschen": Im Giraffe Centre unweit des Nairobi-Nationalparks füttern übermütige Besucher die Langbeiner von einer drei Meter hohen Balustrade aus mit Nährstoff-Pellets von Mund zu Mund. Näher kann man der Zunge einer Giraffe nicht kommen - und auch nicht ihren schönen, von riesigen Wimpern beschirmten Augen.

Nairobi ist erst rund 110 Jahre alt. Einige Geschäftshäuser in der nach dem ersten Präsidenten Kenias benannten Jomo-Kenyatta-Avenue im anglo-indischen Kolonialstil zeugen noch von der Gründerjahren. Nicht zu Unrecht hatte die Metropole eine Zeit lang wegen der Gefahr von Raubüberfällen den Spitznamen "Nairobbery". Doch die Sicherheitslage hat sich spürbar verbessert. Wer mit dem Taxi oder dem Tourbus unterwegs ist, kann Nairobi auch als Nightlife-Metropole erleben - und immer wieder wird er dabei auf Barack Obama stoßen.

Hotels versuchen, mit großen Obama-Wandbildern für sich zu werben. In der Disco und Bars legen DJs - auch auf vielfachen Wunsch ausländischer Touristen - immer wieder Rap- und Reggae-Songs auf, in denen Obama wie eine Art Schutzheiliger Kenias besungen wird. Wem zu heiß wird, der kann sich zur Abkühlung ein "Obama-Bier" bestellen.

Weitere Informationen: www.magicalkenya.com.

Quelle: tmn

 
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