Stadt in Feierlaune: Glückstrip in die Megacity Hongkong
VON LOTHAR SCHRÖDER - zuletzt aktualisiert: 13.02.2011 - 10:31Hongkong (RP). Nach dem traditionellen chinesischen Mondkalender wird Anfang Februar das Neujahrsfest gefeiert. Diesmal steht es im Zeichen des Hasen, der Reichtum verspricht. Doch ohnehin sind in dieser Stadt fast alle auf der Suche nach dem großen Glück.
"Upgraden" ist ein hässliches Wort. Doch wer es am Schalter der Fluggesellschaft von Cathay Pacific zu hören bekommt, dem ist es ein Wohlklang in den Ohren. Upgraden heißt verbessern, aufwerten. Und es ist eine Verheißung, ein Versprechen auf eine gute Reise. So hört man sich erstaunlich gelassen nachfragen, was das heißt. Die Antwort der uniformierten Hübschheit: Erste Klasse. Und wir ganz cool: Okay. (Erst später erfahren wir, dass dieser Flug 7236 Euro kosten würde.)
So beginnt die Reise nach Hongkong in Saus und Braus, und was mittlerweile für Fluggäste in 10.000 Meter Höhe möglich gemacht wird, davon gab es vorher nur diffuse Vorstellungen. Also: Man sitzt in einer eigenen kleinen Suite, in die man sogar Besucher einladen kann; weitere Sitzgelegenheiten sind vorhanden. Die Speisekarte ist ellenlang, die Weinkarte auch, im Bett könnten sich Riesen räkeln, und wer sich zum Schlafgang im Daunenbett entscheidet, bekommt einen Pyjama gereicht. Schade, dass der Flug nur zehn Stunden dauert.
Fürs Upgraden gibt es einfache deutsche Übersetzung: Glück gehabt! Da trifft es sich gut, dass – nach geruhsamem Flug wieder auf dem Boden der Wirklichkeit zurückgekehrt – auch in Hongkong alles auf Glückssuche ist. Schließlich steht Anfang Februar nach dem traditionellen chinesischen Mondkalender der Jahreswechsel an. Und diesmal wird es das "Jahr des Hasen" sein. "Kung Hei Fat Choy" rufen alle, ein frohes neues Jahr, das umso fröhlicher zu werden verspricht, da der Hase für Ruhe und Ausgleich und Diplomatie steht und unter den Tierkreiszeichen dem Metall zugeordnet wird. Und das verspricht nach chinesischer Auslegungskunst vor allem eins: Reichtum.
Blöd ist eben nur das Wetter: Bei 20 Grad wagen sich viele in Hongkong nur ordentlich vermummt mit einer Art Pudelmütze auf die Straßen. Andererseits kann man auf den Mundschutz verzichten. Zwar gibt es auch im Februar etwas Smog, doch im Gegensatz zum dunstigen Hochsommer herrschen für Hongkonger Verhältnisse jetzt Bedingungen wie im Luftkurort.
Hongkong ist schwer in Feierlaune: mit einer schrillen Neujahrsparade samt Feuerwerk. Die gesamte Sieben-Millionen-Metropole, die seit 1997 wieder zu China gehört, jagt zum Jahreswechsel dem Glück hinterher. Die Reichen fliegen von Hongkong aus mit dem Heli (Hubschrauber sagte man früher) mal eben rüber in die alte portugiesische Kolonie von Macao. Das ist ein Städtchen mit nur 500.000 Einwohnern, und doch ist es die größte Glücksspielmetropole der Welt. Im vergangenen Jahr wurden dort fast 24 Milliarden US-Dollar umgesetzt – fast viermal so viel wie im legendären Las Vegas.
Familien campieren vor der Bank
Wer sein Glück nicht in Macao finden kann, findet in Hongkong einfachere Pfade. Ein Ort ist die von Sir Norman Foster entworfene Zentrale der Shanghai Bank, die rein nach der Philosophie von Feng Shui gestaltet wurde – was der Architektur-Ästhetik leider nicht zugute kam. Jedenfalls steht das Hochhaus auf vier Säulen, das ganze Erdgeschoss in der Größe eines Fußballfeldes ist weit offen und frei zugänglich. Und das aus guten Gründen: So glauben die Feng-Shui-Meister, dass der Geldsegen der Banker geradewegs nach unten fließt und sich am Boden ausbreitet.
Die Folge: Ganze Familien versammeln sich tagsüber direkt unter dem Hochhaus, spielen Karten, essen, schlafen, quatschen – und warten auf den Segen von oben. Solche Familien-Lager auf den Straßen von Hongkong sind keine Seltenheit. Überall sitzen die Gruppen – notgedrungen. Denn Wohnraum ist trotz der zahllosen Wolkenkratzer knapp, vor allem teuer. Eineinhalb Zimmer im Zentrum von Hongkong-Island kosten locker 4000 US-Dollar.
Und dennoch ist diese Stadt hemmungslos optimistisch, voller Energie, sie ist anstrengend und – man ahnt es – nicht allzu barmherzig mit jenen, die das Tempo nicht gehen können. Manchmal ist Upgraden Glückssache, denkt man auf dem Weg zum Flughafen. Und ziemlich fern ist diese Stadt bereits in der kühlen First-Class-Lounge – mit dem üppigen Buffet, ihren gemütlichen Ledersitzecken und Duschkabinen in einer Größe, von der die Banker von Hongkong als Wohnung nur träumen.
Reisetipps
Anreise Cathay Pacific bietet ab Frankfurt in der Business-Class Flüge ab 3396 Euro und in der Economy-Class ab 861 Euro an.
Beste Jahreszeit Winter und Frühjahr
Sprache alle sprechen Englisch
Einkaufstipp Ladies Market
Sehenswürdigkeiten (u.a.) Statue Square, Wong-Tai-Sin-Tempel, Mong Kok, die Lasershow Symphony of Lights
Hoteltipps Luxushotel: Mandarin Oriental; Low budget: New Lucky House
Internet www.discoverhongkong.com


