Ostsee: Herausgeputzte Halbinsel: Fischland-Darß-Zingst
zuletzt aktualisiert: 13.09.2005 - 08:45Ahrenshoop (rpo). Warum in die Ferne reisen wenn das Gute liegt so nah? Haben Sie auch schon mal an dieses alte Sprichwort gedacht, wenn es wieder um die Urlaubsplanung ging? Eine Möglichkeit: Die traumhafte Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, genau zwischen Rostock und Rügen. Hier gibt es mehr als nur Naturerlebnisse. Denn auch kunstinteressierten Besuchern bietet die Halbinsel Einiges.
Zwischen Ostsee und den flachen Boddengewässern liegt Ahrenshoop. Herausgeputzt sind viele der rohrgedeckten Häuser. Galerien zeigen zeitgenössische Kunst und knüpfen damit an eine lange Tradition an. Das Fahrrad ist heutzutage für Urlauber der ideale Begleiter, denn die Ferienregion rund um das Ostseebad hat mehr als 700 Kilometer ausgeschilderte Rad-Routen.
Mit einem Zeesegler durch die Lagune
Langsam gleitet das schmucke Holzboot aus dem Hafen Althagen in den Saaler Bodden hinaus. Als der Wind stärker wird, zieht Andreas Schönthier die dunkelbraunen Baumwollsegel auf, und der Zeessegler "Sannert" gewinnt an Fahrt. "So, dann wollen wir mal wieder Tempo machen", ruft Schönthier seinen Gästen zu und erzählt von der Geschichte der Zeessegler, mit dem früher die Fischer in die Boddengewässer hinausfuhren.
Quer vorm Wind trieben einst die Zeesschiffe über den Bodden und zogen dabei das Schleppnetz mit. Zander, Hecht und Barsche brachten die Fischer an Land. "750 Jahre lang lässt sich diese besondere Art der Fischerei hier bei uns zurückverfolgen", sagt Schönthier, der mit ein paar Begeisterten den Verein der Zeesner gegründet hat. So soll an die große Tradition der Vergangenheit erinnert werden, da um 1930 der Niedergang der Zeesfischerei am Bodden begann. Heute kreuzen noch zehn Zeessegler im Sommer mit Urlaubern hinaus in die "Lagunen der Ostsee", wie die flachen Binnengewässer genannt werden.
Tradition und Geschichte spielen eine große Rolle auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, die vor Urzeiten einmal drei Inseln waren und nach einer verheerenden Sturmflut 1872 durch den Abschluss des kleinen Prerow-Flusses endgültig zu einer Halbinsel verschmolzen. Künstler aus Berlin wie der Landschaftsmaler Paul Müller-Kaempff entdeckten das verschlafene Fischerdorf Ahrenshoop gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Beeindruckt von der Landschaft mit ihrem harmonischen Wechsel von Steilküsten, den feinen Sandstränden und windzerzausten Bäumen, gründeten sie Sommerakademien und Malschulen, in denen farbenprächtige Bilder entstanden.
Ostseebad und Künstlerort
Schon 1909 wurde mit dem "Kunstkaten", nur ein paar Schritte vom Strand entfernt, die erste Kunstgalerie in Ahrenshoop eröffnet. Sie wird heute von der Gemeinde getragen und präsentiert in Wechselausstellungen Werke der Landschaftsmaler von einst und aus heutiger Zeit. Den ersten Malern folgten - auch zu Zeiten des DDR-Regimes - viele Künstler und Wissenschaftler: Albert Einstein und Heinz Rühmann, Bertold Brecht, Anna Seghers, Ernst Barlach, Stefan Zweig und Johannes R. Becher.
"Wir sind nicht nur Ostsee-Seebad mit kilometerlangem, flachen Sandstrand, sondern auch ein lebendiger Künstlerort", umreißt Ahrenshoops Kurdirektor Hartmut Schmidt die Besonderheiten des 850-Einwohner-Dorfes, das 2.100 Gästebetten in kleinen Hotels, Pensionen und Ferienhäusern mit den für diesen Landstrich typischen Reetdächern und verzierten, farbigen Haustüren aufweist. So können die Gäste bei Künstlern Malkurse belegen, Maler und Bildhauer in ihren Ateliers besuchen und bei der jährlichen Auktion des "Kunstkaten" Werke zeitgenössischer Kunst ersteigern.
Mit dem Fahrrad in den Naturpark
Auch in der Nachbarschaft von Ahrenshoop lohnt der Besuch von Galerien. In dem kleinen Weiler Barnstorf bei Wustrow beispielsweise zeigt Gabi Eymael in ihrer "Kunstscheune" im Sommerhalbjahr Gemälde, Grafiken und Skulpturen. So malerisch wie das Künstlerdorf Ahrenshoop ist die gesamte Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Ein gut ausgeschildertes Radwegenetz lädt ein, die Landschaft um Wustrow, Ahrenshoop, Prerow und Zingst zu entdecken. 22 Radtouren in der Ferienregion sind in einer speziellen Broschüre beschrieben. Mit einem kräftigen Tritt in die Pedale geht es abseits der Hauptstraßen ins Waldgebiet Neudarß, das als Naturreservat zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft gehört.
Der Leuchtturm Darßer Ort ist das Ziel der meisten Radler. Mit dem Baujahr 1848 ist der wuchtige Backsteinbau das älteste Leuchtfeuer Mecklenburg-Vorpommerns, das heute noch in Betrieb ist und die Schifffahrt ins richtige Fahrwasser leitet. Im naturkundlichen Ausstellungszentrum Natureum zu Füßen des 35 Meter hohen Seezeichens erfahren die Besucher allerlei über die imposante Wald- und Dünenlandschaft. So wächst der Neudarß durch Meeresströmungen und Anspülungen von Sand jedes Jahr um weitere zehn Meter nach Nordosten.
Von Adler bis Zilpzalp
Seit mehr als 2.500 Jahren verändert sich die Küste am Darßer Ort. Dadurch entstand eine einmalige, Wald- und Dünenzone, die von Besuchern nur auf einem Rundweg mit verschiedenen Aussichtspunkten betreten werden darf. In den Dünen brüten seltene Seevögel, in der Luft kreisen Mäusebussarde, Seeadler und Fischreiher. Und in der Waldlandschaft des Darß ist der Zilpzalp zu hören. Wenn die Nacht hereinbricht kommen Dachse aus ihren Bauten, kräftige Rothirsche äsen auf den Lichtungen, und Wildschweine suchen Nahrung in den sumpfigen Waldungen.
Vogelfreunde lockt der Herbst auf die Halbinsel zwischen Rostock und Rügen. Ab Mitte September machen hier etwa 40.000 Kraniche Rast. Auf dem Zingst bei Pramort gibt es mehrere Aussichtsplattformen. Und das Kranich-Informationszentrum Groß-Mohrdorf bei Stralsund bietet geführte Wanderungen und Radtouren in die Boddenlandschaft, dem größten Kranichrastplatz in Zentraleuropa.
Infomationen: Tourismusverband Fischland-Darß-Zingst, Barther Straße 31, 18314 Löbnitz (Tel.: 03 83 24/64 00, Fax 03 83 24/6 40 34)


