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Märchenhaftes Tunesien: Im Land der heiligen Oliven

VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 21.09.2008 - 10:34

(RP). Ein Land voller Leben und voller Gegensätze: Das ist Tunesien. Und manches ist hier heilig - die alte Stadt Kairouan inmmitten der graubraunen Steppe Zentraltunesiens etwa. Oder der Olivenbaum.

Wenn Guerdia Awatef das Wort „Olive“ ausspricht, klingt das so, als liebkose sie mit ihrer klangvollen Stimme einen unermesslich kostbaren Edelstein. Ein Juwel, das es in dieser vollkommenen Art nur einmal auf der Welt gibt - in Tunesien. Genauer: in der weiten Ebene rund um die malerische Hafenstadt Sousse im Nordosten des Landes. Hier, in der Rue Mars 1934, betreibt Guerdia Awatef mit ihren Eltern und dem Bruder das Musée de l’Olivier.

Durch die von einem massiven Olivenholzrahmen umfasste Tür betritt der Tourist das dunkle, kühle Haus - und erfährt - wahlweise auf Englisch oder Französisch - alles über diese köstliche Frucht, ihre Historie, ihre Verarbeitung und ihre Bedeutung für die Menschen dieser Region. Und er nimmt staunend zur Kenntnis, dass der gesegnete Olivenbaum nicht nur einmal, sondern gleich sieben Mal im Heiligen Buch erwähnt wird.

Am Ende der Führung serviert Familie Awatef auf der luftigen Dachterrasse des Hauses Produkte aus eigener Produktion: rustikales Brot mit schmackhaften Stückchen der heiligen Frucht, Oliven in Öl - mit oder ohne Kräuter - und als Nachtisch unbeschreiblich süße Kaktusfeigen. Dazu ein Glas Tee, köstlich.

Geerntet wird seit jeher von Hand

Etwa 55 Millionen Olivenbäume wachsen auf einer Fläche von 1,6 Millionen Hektar. Das sind 30 Prozent des tunesischen Ackerlandes. Kilometerweit ziehen sich die Haine mit den knorrigen Bäumen über das heiße, staubige Land. Jede Familie hat ihr abgestecktes Feld. Geerntet wird von Hand, so wie es immer war. Eine mühsame Arbeit. Der heilige Ölbaum überstand die Zeit der Berber, der Phönizier, der Byzantiner, der Araber, Spanier und Türken. Ein Stück Beständigkeit in einem Land, das über Jahrtausende permanentem Wandel und Erschütterungen unterlag. Und in dem heute Arabisch-Orientalisches neben Modernem bestehen muss. Ein Land der Gegensätze.

Es lohnt sich durchaus, von Zeit zu Zeit die malerischen Strände Tunesiens zu verlassen, um den einen oder anderen Abstecher in dieses spannende Land zu machen. Sousse, gleich neben dem Ferienparadies Port El Kantaoui, offenbart mit der großen Moschee, seiner Medina, den verwinkelten Gassen, in denen die Händler ihr Kunsthandwerk anpreisen, und den von Palmen gesäumten Prachtstraßen seine ganz eigene dynamische Geschichte.

Ein Kairouan-Besuch löscht alle Sünden

Etwas beschwerlicher ist die Fahrt nach Kairouan. Die Stadt mit ihrer reichen geschichtlichen Vergangenheit ist die vierte Heilige Stadt nach Mekka, Medina und Jerusalem. Die Sidi Oqba-Moschee aus dem 8. und 9. Jahrhundert ist eine der ältesten der Welt. Ihre massive Lehmziegel-Architektur mit dem Minarett, das an einen Leuchtturm erinnert, und dem von Arkaden umgebenen majestätischen Hof dokumentiert eindrucksvoll die Herkunft des Islam aus der Wüste. Und es gibt noch einen zwingenden Grund, Kairouan zu besuchen: Der Aufenthalt in der heiligen Stadt löscht alle Sünden aus, die der Tourist bis dahin begangen hat, heißt es.

Einer der Lieblingsorte des kunstinteressierten europäischen Touristen ist Sidi Bou Said. Das maurische Bilderbuchstädtchen, zwischen Carthago und La Marsa gelegen, lockt mit mediterranem Zauber und mit dem Café de Nattes, das August Macke 1914 in seinem berühmten Aquarell „Blick auf eine Moschee“ verewigte. Einen herrlichen Ausblick auf die weiß-blauen Häuser gibt es von der Terrasse des Cafés, wo ein würziger Tee serviert wird, wahlweise auch ein starker Mokka, und wo Einheimische und Touristen sich um die Wasserpfeifen versammeln und friedlich miteinander rauchen. Oliven gibt es auch hier - selbstverständlich.

Tunesien-Tipps

Einreise: Deutsche Urlauber, die eine Pauschalreise gebucht haben, benötigen nur einen Personalausweis (muss noch mindestens sechs Monate gültig sein). Individualreisende benötigen einen Reisepass (muss ebenfalls noch mindestens sechs Monate gültig sein). Kinder brauchen einen Kinderausweis mit Lichtbild oder können mit Lichtbild im Reisepass der Eltern eingetragen sein. In Deutschland lebende nicht EU-Bürger, die keinen deutschen Pass besitzen, wenden sich bitte an das tunesische Konsulat zwecks Visabestimmungen.

Klima: Klimatische Veränderungen sind auch in Tunesien festzustellen. Trotzdem gibt es Regeln, mit denen man rechnen kann:
Von Juni bis September ist Sommer, für einen Badeurlaub eignen sich diese Monate am besten. Die Wassertemperatur liegt dann bei 25 Grad. Im Oktober wird es Herbst, der Winter beginnt Ende Dezember, und die Monate Januar und Februar sind kalt und regnerisch. Im März und April ist das Wetter trügerisch. Der Wechsel vom Winter zum Sommer vollzieht sich im Mai fast übergangslos. Die Wintermonate und der Vorfrühling sind geeignet für Kameltrekking oder Wüstentouren.

Kulinarisches: Couscous ist zwar das Nationalgericht und wird in unzähligen Varianten angeboten, aber die tunesische Küche ist vor allem reichhaltig und mediterran: Fleisch, Fisch, Huhn, Gemüse, Olivenöl, Tabouna (beliebtes tunesisches hausgemachtes Brot) und eine Vielzahl von Kräutern stehen auf dem täglichen Speiseplan.

Informationen: Es gibt jede Menge Reiseführer, die der Tunesien-Tourist konsultieren kann. Umfassend informiert das Fremdenverkehrsamt Tunesien unter www.tunesien.info


 
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