Im "Rovos Rail" auf Golfplatz-Safari: Im Luxuszug durch Südafrika
VON ANGELIKA LERCHE - zuletzt aktualisiert: 01.07.2010 - 07:44Düsseldorf (RP). Die schönsten Landschaften lassen sich in Südafrika in exklusivem Ambiente auf Schienen erleben: Bei einer Fahrt mit dem „Rovos Rail“ von Golfplatz zu Golfplatz.
Er rattert, rappelt, schnauft und stöhnt, der Stolz Afrikas. Sonst gibt es nichts auszusetzen, am luxuriösesten Zug der Welt. „Rovos Rail“ bietet ein nostalgisches Ambiente, wie man es aus Agatha-Christie-Filmen kennt, und einen exzellenten Service. Er schaukelt von Station zu Station und hält immer dort, wo es etwas Besonderes zu sehen und erleben gibt. Eine wahrhaft stilvolle Art zu reisen und so ganz nach der Vorstellung von Rohan Vos. Der war mit Auto-Ersatzteilen reich geworden und träumte von einer eigenen Bahngesellschaft mit historischen Luxuszügen. 1986 wurde ihm die Erlaubnis erteilt, auf südafrikanischen Strecken zu fahren.
Inzwischen bringen drei Züge aus den 1920er und 1930er Jahren Reisende aus aller Welt vom kleinen, schmucken Privatbahnhof in Pretoria aus auf verschiedenen Routen nach Kapstadt, Durban, zum Krüger Park, zu den Viktoria-Fällen, Namibia oder Tansania. Alternativ werden diverse Abschnitte mit Flugzeugen bewältigt – mit eigenen, versteht sich: einer DC-3 und zwei Convair 440 Metropolitan, Baujahr 1954. Es sind Augenweiden für jeden Luftfahrt-Nostalgiker, denn Rohan Vos ist Perfektionist.
Er ist ebenfalls ein begeisterter Golfspieler und charmanter Gastgeber. Bereits auf dem Bahnsteig von Pretoria, macht er die Gäste, die mit einem Glas Champagner in der Hand, erwartungsvoll der alten, kohlebetriebenen Dampflook entgegensehen, miteinander bekannt. Er begrüßt Paare aus England, Schweden, Holland, Deutschland, sogar aus Kalifornien. Derweil verladen Bedienstete mit weißen Handschuhen das Gepäck. Dann heißt es einsteigen zur Golfsafari.
Giraffen schauen beim Putten zu
Ostwärts rumpelt die Bahn, nach Nelspruit, wo auf dem „Hans Merensky Golf Course“ an einem der Abschläge Warzenschweine trotten, während hinter dem Grün stolz eine Giraffe vorbei schreitet. Die Fairways sind nur durch einen dünnen Stromzaun vom Krüger Nationalpark getrennt, so dass es zu tierischen Begegnungen kommen kann. Die Begleitung von Caddies, die mit solchen Situationen vertraut sind, ist daher Pflicht. Das gilt für die meisten südafrikanischen Golfplätze.
In südlicher Richtung geht’s über die Grenze zum Königreich Swaziland zum „Royal Swazi Country Club“. Er liegt mitten in den Bergen. Verhüllt noch von Nebelschwaden, die sich langsam in der Mittagssonne auflösen und eine traumhafte Landschaft enthüllen. Schön anzuschauen, verdammt schwierig zu spielen.
Die Crew vom Zug verwöhnt nach jedem Ausflug mit Champagner und leckeren Häppchen. Danach tauschen die Passagiere die Sportkleidung gegen Cocktailkleid und Anzug, treffen sich zum Afternoon Tea, spielen Backgammon oder Schach, sitzen zusammen wie bei einem fröhlichen Familienfest. Bei einer Gruppe von nur 38 Gästen, die sich auf 13 Waggons verteilen – Schlaf-, Salon-, Bar- und Speisewagen – kommen sich alle schnell näher. Erst recht beim Dinner, bei dem Springbock, Strauss oder Kudu serviert werden und das von Weinen der besten afrikanischen Winzer begleitet wird.
Drinks unterm Sternenhimmel
Die Suiten im Zug sind zwischen elf und 16 Quadratmeter groß, ausgestattet mit bequemen Betten, Klimaanlage, eigenem Duschbad, manche mit Badewanne. Natürlich stehen eine Minibar und Zimmerservice zur Verfügung. Der schönste Ort des Zuges ist jedoch die Bar mit der offenen Aussichtsplattform. Wer dort seinen Nightcap schlürft, schaut in den endlos weiten Nachthimmel, an dem Millionen von Sternen wie Diamanten funkeln.
Der nächste Tag fängt früh um 5 Uhr an. Das ist die beste Zeit, um die Tiere im Hluhluwe Game Reserve im Norden von Kwazulu Natal zu beobachten. Bereits 1895 gegründet, ist es eines der ältesten Tierreservate in Südafrika, bekannt durch den Erhalt von Spitz- und Breitmaul-Nashörnern. Recht kalt ist es am Morgen. Die Fahrt im Jeep bei 15 Grad lässt frösteln. Zurück im Zug ist die Fußbodenheizung eingeschaltet, die Handtücher sind vorgewärmt, einer Dusche folgt ein ausgiebiger Brunch.
Dann ist Durban nicht mehr weit entfernt, mit breiten Stränden, einem „endlosen“ Sommer und einer lockeren kosmopolitischen Atmosphäre eine der meistbesuchten Städte des Landes. Im „Durban Country Club“ begeistert der Beachwood Course, dessen Bahnen direkt am Indischen Ozean verlaufen. Hinter den Dünen rauscht das Meer.
Richtig prickelnd wird es bei der nächsten Station im „Champagne Sports Resort“ in den Drakensbergen, einer der schönsten Gebirgslandschaften der Welt. Das erste Loch gilt mit 607 Metern als das längste von Südafrika, während die vierte Bahn dazu verleitet, die Augen schweifen zu lassen, um das Majestätische der Berge auf sich wirken zu lassen. Die traumhafte Kulisse und die glasklare Luft bescheren einen superschönen Tag.
Doch das Beste bietet der „Gary Player Course“ in Sun City, der Höhepunkt der Golfsafari. Wie überall stehen die Caddies am Abschlag bereit. Sie heißen „Whisky“, „Innocent“, „Knowledge“ und „Lucky“. Welcher wäre der Beste für die Runde auf einem Platz, auf dem Ende November/Anfang Dezember die Nedbank Challenge ausgetragen wird, das wohl höchstdotierte Turnier im Golfsport. Über vier Millionen Dollar gibt es zu gewinnen, von denen der Sieger 1,2 Millionen Dollar erhält.
Zurück zum Zug. Bevor die letzte Nacht im feudalen Ambiente anbricht, wimmelt es auf einem Vorortbahnhof von Menschen. Sie sind erschöpft von ihrer Arbeit und warten auf überfüllte Züge. Neugierig drängen sie sich vor dem Luxusgefährt, um Blicke auf die elegante Ausstattung zu erhaschen. Ein Lächeln erscheint auf ihren Gesichtern. Auch wenn sie nicht mit ihm fahren können, sind sie trotzdem stolz auf ihren Rovos Rail.
Info
Auskünfte www.dein-suedafrika.de, www.southafrica.net (Kein Visum erforderlich, Reisepass genügt , keine Impfpflicht, doch Malaria-Prophylaxe wird empfohlen.
Reisezeit Im Juni und Juli herrscht Winter, der jedoch sehr mild ist. Hochsommer ist von Dezember bis Januar. Das Klima-Spektrum reicht von mediterran auf der Kap-Halbinsel bis subtropisch an der Küste von KwaZulu Natal und in Nord-Transvaal. Generell ist das Klima zu jeder Jahreszeit beständig sonnig. In Kapstadt scheint die Sonne 2980 und in Pretoria 2340 Stunden pro Jahr.
Flüge South African Airways, www.southafrican.airline-direct.de, www.flysaa.com , Lufthansa, www.lufthansa.com
Arrangement Rovos Rail über www.rovos.com
Info und Buchungen in Deutschland unter www.lernidee.de, Preise der neuntägigen Golf-Safari: Pullman-Suite: ca. 3650 Euro, Deluxe-Suite: ca.5450 Euro, Royal-Suite: ca. 7100 Euro.


