Action-Urlaub in Orlando: Im Mekka der Mega-Freizeitparks
zuletzt aktualisiert: 04.10.2009 - 10:51Orlando (RPO). Kultur und Geschichte - Fehlanzeige. Wer nach Orlando in Florida reist, hat anderes im Sinn. Allein Disney hat hier vier Themen- und zwei Wasserparks sowie 23 eigene Hotels. Hinzu kommen riesige Einkaufszentren und Klassiker wie die Freizeitparks Universal Studios oder Seaworld. Das kommt an. Rund 48 Millionen Touristen reisen jedes Jahr hierhin.
Das sind übrigens mehr, als New York, London oder Paris anlocken können. Dafür muss es doch ein paar gute Gründe geben. Weitaus die meisten Feriengäste sind Amerikaner, auf deren Geschmack auch die zahlreichen Themenparks von Disney, Universal und Konsorten zugeschnitten sind.
Doch auch die Europäer haben die Tourismusmanager der Region immer mehr im Blick. Hier kommen bislang die meisten Gäste aus Großbritannien - vor allem wegen der gemeinsamen Sprache.
Besser vorher Englisch lernen
Ohne Englischkenntnisse ist Florida tatsächlich etwas mühsam. Deutsch spricht hier, auch in den Tourismushochburgen, so gut wie niemand. Was besonders im Raumfahrtzentrum Cape Canaveral schade ist. Die vielen interessanten Erläuterungen über die Geschichte der Eroberung des Weltalls sind selbst mit gutem Schulenglisch kaum zu verstehen.
Eine Synchronübersetzung per Kopfhörer oder deutschsprachige Info-Broschüren gibt es nicht. Sind auch nicht geplant, wie die Verantwortlichen einräumen. Allerdings zeigen sich die Einheimischen in den Läden oder Restaurants sehr hilfsbereit, wenn einem die richtige Vokabel gerade mal nicht einfallen will.
Über 1,9 Millionen Menschen leben im Großraum Orlando - wobei Großraum hier wirklich nach amerikanischen Maßstäben groß meint. Zwar gibt es auch eine Innenstadt, doch die ist - selbst nach Aussagen Einheimischer - tot. Wer auf der Suche nach schnuckeligen, historischen Gebäuden, gewachsenen Strukturen, heimeligen Vierteln ist, kann Orlando tatsächlich vergessen.
Die Gegend besteht aus gleichförmigen Bungalow-Siedlungen und luxuriösen Hoteltürmen an sechsspurigen Straßen, unzähligen Teichen und Tümpeln, die sich aber wegen der vielen Alligatoren keinesfalls zum Baden eignen, sowie natürlich den berühmten Erlebnisparks.
Über 100 offizielle Attraktionen
Um wirkliche alle der über 100 offiziellen Attraktionen von Orlando zu besuchen, müsste man 67 Achtstundentage einplanen, hat das Tourismusmarketing ausgerechnet - das sind Zahlen, die beeindrucken, aber auch wirklich abschrecken können. Allein Disney hat hier vier Themen- und zwei Wasserparks sowie 23 eigene Hotels. Hinzu kommen riesige Einkaufszentren und Klassiker wie die Freizeitparks Universal Studios oder Seaworld.
Letzterer wird von der Bierdynastie Busch betrieben und bietet vor allem Kindern ein interessantes Programm. So können hier 15 Delfine gestreichelt und sogar mit kleinen Fischen vom Beckenrand aus gefüttert werden. Seaworld, ein mit Achterbahnen aufgepeppter Wassertierzoo, wirbt offensiv damit, durch Menschen geschädigten Tieren als Rettungsstation zu dienen. Das gilt vor allem für die Manatee genannten Seekühe. Diese in den Flüssen und Sumpfgebieten Floridas beheimateten Tiere werden oft durch Schiffsschrauben schwer verletzt und in dem Park gesund gepflegt.
Spektakuläre Shows im US-Stil
Hauptattraktion ist aber das Killerwal-Stadion mit seinen sehr amerikanischen Orca-Shows. Bevor die schwarz-weißen Meeressäuger die Zuschauer nass spritzen und ihre Trainer durch die Luft schleudern, werden erst einmal die Armee-Angehörigen im Publikum mit Applaus als "Heroes", als "Helden" gefeiert. "Believe in your dreams" und "everything is possible" - "Glaube an Deine Träume" und "Alles ist möglich" - lauten die Beschwörungsformeln einer in Filmbeiträgen erzählten Geschichte, die den Kindern zeigen soll, dass es nur den nötigen Willen braucht, um selbst einmal Orca-Trainer zu werden.
Seit 1973 gibt es Seaworld. Das ist das Jahr zwei in der neuen Zeitrechnung Orlandos, die offiziell 1971 mit der Ansiedlung Disneys begann. Davor gab es in diesem völlig flachen Sumpfgebiet nur Orangenplantagen, Stechmücken und Einrichtungen der US Air Force. Doch mit den Disney-Parks begann der Aufstieg zum globalen Tourismus-Zentrum mit über 220.000 Arbeitsplätzen. Erster Park war Magic Kingdom. Etwas technischer präsentiert sich Epcot.
"Mission Space" zum Beispiel bietet hier eine für so manchen Magen zu realistische Reise zum Mars. Eine - von außen so nicht erkennbare - Zentrifuge simuliert die Beschleunigungskräfte beim Start und die Schwerelosigkeit im Flug sehr eindrücklich.
Parks der perfekten Illusionen
Wie überhaupt die Illusion, die nahezu perfekte Nachahmung der Wirklichkeit, das saubere und gefahrlose Vergnügen das Credo in Orlando und seinen Freizeiteinrichtungen ist. Wer sich darauf einlässt, kann abschalten und ein paar wunderschöne Tage verleben - zumindest wer die Monate Juli bis September meidet. Im Sommer ist Zentralflorida einfach zu heiß und zu überlaufen.
Auf welche Menschenmassen Epcot ausgelegt ist, zeigt sich vor allem an ruhigen Tagen. Riesige Plätze und weite Wege sind der erste Eindruck, den man vom Park gewinnt. Zunächst unbemerkt, nach Stunden aber zunehmend enervierend ist die Musikbeschallung. Fast hinter jedem Busch befindet sich ein Außenlautsprecher, aus dem klassisch angehauchtes Gedudel tönt. Es dürfte kaum gelingen, in Epcot auch nur einen Quadratmeter der Ruhe zu finden. Aber das gehört zum Konzept. Mit der Musik versuchen die Parkverantwortlichen, eine zur jeweiligen Attraktion passende Atmosphäre zu erzeugen. Man muss nur bereit sein dafür.
Anreise: Orlando verfügt über einen großen Internationalen Flughafen. Die Lufthansa fliegt ihn fünfmal pro Woche nonstop an.
Unterkünfte: Fast 450 Hotels und 113.000 Gästezimmer stehen den Besuchern zur Auswahl. Wobei die Bandbreite von Campingplätzen oder Frühstückspensionen für 25 Dollar die Nacht bis hin zu Luxushotels wie dem Ritz Carlton (grandelakes.com) reicht, wo das Doppelzimmer gut und gerne über 260 Dollar kostet.
Freizeitparks: www.wetnwildorlando.com, www.universalorlando.com, www.disneyworld.disney.go.com, www.seaworld.com/orlando, /www.kennedyspacecenter.com
Eintritt: Die Eintrittspreise für jeden der vier Disney Parks betragen 75 Dollar pro Tag und Person. Für Kinder von drei bis neun Jahren sind es 63 Dollar. Für Seaworld bezahlen über Zehnjährige 74,95 Dollar und Jüngere 64,95 Dollar. Und für den Universal Studios Park sind es 75 Dollar.
Verkehr: Ohne Mietwagen kommt man in Orlando nicht weit. Die Entfernungen sind für Fußgänger zu groß und der öffentliche Busverkehr hält einem Vergleich mit deutschen Bedingungen nicht stand.
Hurrikane: Die von Juni bis November dauernde Hurrikansaison in Florida betrifft Orlando nach Aussagen von Einheimischen nicht direkt. Die Region liegt im Landesinneren. Und die tropischen Wirbelstürme verlieren rasch an Zerstörungskraft, sobald sie vom Meer kommend aufs Land treffen.
Fremdenverkehrsamt: Infos über Urlaub in Orlando gibt es unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800-1007325 sowie unter www.visitorlando.com/de. Auf der Internetseite lassen sich auch direkt Unterkünfte buchen.


