Mystisches Peru: Im Reich der Inkas
VON CARLHEINZ TÜLLMANN - zuletzt aktualisiert: 24.01.2010 - 12:17Düsseldorf (RP). Die „verborgene Stadt“ Machu Picchu ist die meist besuchte Sehenswürdigkeit in Peru. Trotz des Touristenrummels hat sie ihre geheimnisvolle Ausstrahlung bewahrt. Den Ausgangspunkt für Exkursionen bildet Cuzco.
Das Ziel begrüßt mit einem Klimawechsel: Am Rande des Regenwaldes türmen sich triste Steinquader zu einer beeindruckenden Ansammlung von Ruinen. Es gießt in Strömen. Wolkenverhangen die Gipfel, neblig-grauer Dunst liegt im Tal. Fast 600 Meter tiefer am Rio Urubamba erwerben Touristen aus aller Welt, die im Sonnenschein angereist sind, für zwei US-Dollar knatschbunte Plastikumhänge.
Droben, zwischen Mauerresten und ehemaligen Kultstätten, steht Vanessa und klärt ihre Reisegruppe auf. „Nicht ein amerikanischer Professor, das hier hat ein Deutscher entdeckt“, sagt die temperamentvolle Peruanerin entgegen der landesüblichen Geschichtsschreibung. 1200 Menschen sollen auf den kargen Terrassen gelebt haben? Vanessa rechnet die nur noch in Bruchstücken vorhandenen Unterkünfte zusammen, ruft „falsch, falsch, falsch“ und kommt nach eigener Einschätzung auf mindestens 2000 Bewohner. – Machu Picchu live!
Vanessa ist 27 Jahre jung, hat in Süddeutschland und Salzburg perfekt Deutsch gelernt, arbeitet als Archäologin in Cuzco und führt mit nationaler Leidenschaft ausländische Besucher ins Reich der Inka. Machu Picchu liefert den Gipfel in ihrem Tour-Programm. „Was Sie jetzt sehen“, sagt Vanessa mit Blick auf die steinernen Reste menschlicher Besiedlung, „das ist mystisch und magisch, so etwas sieht man selten“. Aber es sehen viele: Bis zu 4000 Besucher täglich bestaunen die Überbleibsel der vermutlich um 1450 gegründeten Ansiedlung.
Bis zu neun Züge rattern täglich mit Globetrottern die Schmalspurstrecke an Maisfeldern, Eukalyptuswäldern und einsamen Hütten entlang in Richtung der beiden Berggipfel Huayna Picchu („junger Gipfel“) und Machu Picchu („Alter Gipfel“), aus denen sich die verlassene Siedlung auf 2450 Meter erhebt. Bahn-Endstation ist „Aqua calientes“, eine Ansammlung von einfachen Hotels, Pensionen und Souvenir-Marktständen. Viel bestaunt fährt im Bahnhof der „Hiram Bingham“ ein, benannt nach dem offiziellen Entdecker der Ruinenstadt (1911). Die Passagiere in diesem „Orient-Express“-Luxuszug pendeln ab Cuzco zwischen Speise- und Barwagen. Den Kontrapunkt setzt ein früherer Inkapfad, der in vier Tagen strammer Wanderung zur „Puerta del Sol“, dem Sonnentor von Machu Picchu führt.
Sind jemals Conquistadores, spanische Eroberer, in der sagenumwobenen Regenwald-Ansiedlung aufgetaucht? „Nee, nee“, sagt Vanessa, zwischen zwei Hausgerippen und angesichts von 3000 steinernen Treppenstufen, „die ha‘m das hier nicht gefunden.“ Aber 75 Kilometer entfernt konnte sich die ehemalige Inka-Hauptstadt Cuzco vor dem Feldherrn Pizarro und seinen Plünderern nicht verstecken. Nach dem Einzug der Truppen am 15. November 1533 wurden Bauwerke der Inka geschleift und Goldschätze abtransportiert. Viele der später entstandenen Kolonial-Prachtbauten fielen 1650 einem Erdbeben zum Opfer.
Heute zählt Cuzco 350.000 Einwohner. 75 Prozent der Bevölkerung leben vom Tourismus. Das wird spürbar: In den Gassen der Altstadt bieten Mädchen Massagen an, auf der „Plaza de Armas“ putzen halberwachsene Männer Schuhe, an Straßenecken lassen sich Frauen in Tracht mit einem jungem Lama unter dem Arm für ein Sol (25 Cent) fotografieren.
Vanessa, die im Zentrum des Inkareiches geboren ist, kennt auch die schönen Seiten ihrer auf 3340 Meter Höhe angelegten Heimatstadt: die Kathedrale mit dem vergoldeten Hochaltar und dem Chorgestühl aus Zedernholz, die Arkaden rund um den Hauptplatz mit Boutiquen, in denen modische Alpaka-Schals verkauft werden, die Goldgeschäfte mit Schmuck im Inka-Design und die kleinen Restaurants, in denen „Lomo saltado“, butterzarte Rinderfilet-Streifen begeistern.
Wenn Vanessa ganz hoch hinaus will, dann führt sie ihre Gruppe zur imposanten Festung Sacsayhuamán mit mehr als neun Meter hohen und 350 Tonnen schweren Felsen, schaut hinunter auf Cuzco und erklärt den europäischen Gästen: „Indios, das darf man nicht sagen, das ist beleidigend. Wir sind Andinos.“
Infos:
Land & Leute Das drittgrößte Land Südamerikas zählt rund 23 Millionen Einwohner, knapp neun Millionen davon leben in der Hauptstadt Lima (sehenswerte Altstadt, Villen- und Armenviertel). Elf Prozent der Landesfläche nimmt die 2600 Kilometer lange Pazifikküste ein. Die Andenkette erreicht Höhen bis über 6500 Meter. Den geografischen Gegensatz dazu bildet das Amazonasgebiet. Peru wird jährlich von bis zu zwei Millionen Touristen besucht, Tendenz steigend. Beliebteste Ziele sind außer Lima die Inka-Ruinenstadt Machu Picchu, Cusco, der Titicacasee und das Amazonasgebiet.
Mit Pisco Sour von Lima bis zum Titicacasee Der erste Kontakt macht ein wenig stutzig: Zur sonnigen Mittagszeit, bei gut 25 Grad im Schatten, schon ein Cocktail? Die Skepsis verfliegt in den nächsten Tagen. Denn: Ohne Pisco Sour läuft in Peru (fast) gar nichts. Und für Touristen gehört der aus Weintraubenbrand gewonnene Mix allemal zum allgegenwärtigen Willkommensgetränk, so schon gleich bei der Ankunft im luxuriösen „Miraflores Park Hotel“ in Lima.
In der peruanischen Hauptstadt starten die meist zehn bis 14 Tage dauernden Rundreisen zu den Sehenswürdigkeiten Perus. Sie sind in jeweils etwa einer Stunde Flugzeit von Lima aus zu erreichen. So Arequipa, die aus Tuffsteingebäuden bestehende „weiße Stadt“ in der Wüste mit der Klosteranlage Santa Catalina, die einem andalusischen Dorf ähnelt. Sehr lohnenswert ist die Exkursion über den 4910 Meter hohen Patampa-Pass zum Colca Canyon mit bizarren Schluchten. Top-Adresse zum Übernachten: das malerische Resort „La Casitas del Colca“.
Nächste Station in dem bei vielen Reiseveranstaltern nahezu identischen Programm ist Puno am fazinierenden Titicacasee mit seinen schwimmenden Inseln. Die Höhepunkte bilden dann Machu Picchu und Cuzco, wo die Klosteranlage in der Altstadt zum exklusiven „Hotel Monasterio“ umgestaltet wurde (wegen der Höhe sind einige Zimmer mit permanenter Sauerstoff-Zufuhr ausgestattet). Kombinierbar ist diese Rundreise mit einem Besuch im Amazonasgebiet. Literatur Reiseführer Peru, Verlag DUMONT, 24,95 Euro
Tour & Luxus Der Exklusiv-Reiseveranstalter „Windrose“ bietet im Rahmen von „LebensArt auf Reisen“ eine 13-tägige Luxusreise durch Peru an. Stationen sind u. a. Lima, die „weiße Stadt“ Arequipa, Colca-Canyon, Titicacasee, Cuzco und Machu Picchu. Übernachtet wird in Fünf-Sterne-Hotels der „Orient-Express“-Gruppe. Die nächsten Termine für Gruppenreisen: 1. März bis 13. März, 27. März bis 8. April, 1. Mai bis 13. Mai. Preis (Flug Business Class, Halb-, 2 x Vollpension): 8940 Euro pro Person im DZ. Privatreisen (ab 2 Personen) zu Wunschterminen. Auskünfte: Windrose Fernreisen, T. 030-20172122, www.windrose.de
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