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Camembert, Calvados und Kühe: Im Sommer in die Normandie

zuletzt aktualisiert: 13.04.2008 - 09:56

Rouen/Le Havre (RPO). Saftige Wiesen voller blühender Apfelbäume. Die Normandie an der französischen Küste hat mehr zu bieten als Camembert, Calvados und Kühe. Besonders in diesem Sommer. Wenn die "Armada" nach Rouen kommt, die größte Windjammerparadie der Welt.

Zur größten Windjammerparade der Welt, die nur alle vier bis fünf Jahre stattfindet und diesmal vom 5. bis 14. Juli ansteht, werden 40 Großsegler und Yachten sowie bis zu zehn Millionen Besucher erwartet. Rouen liegt etwa 120 Kilometer vom Meer entfernt. Über die Promenade werden in den "Armada"-Tagen Zehntausende Menschen bummeln und sich die Dreimaster im Hafen anschauen. Die Schiffe können besichtigt werden. Abends stehen Konzerte und Feuerwerke auf dem Programm. Während der "Armada" wird auch die neue Pont Gustave Flaubert über die Seine eröffnet, zunächst als Fußgängerbrücke. Später wird die 670 Meter lange Hebebrücke aus Beton und Stahl für Fahrzeuge freigegeben.

Farb- und Tonspektakel

Rouens historischen Kern nehmen Besucher oft als mittelalterlichen Traum war. In der Altstadt steht Fachwerkhaus neben Fachwerkhaus, enge Gassen laden zum Bummeln ein. Spektakulär ist die 151 Meter hohe Kathedrale Notre Dame. In ihr sind unter anderem Gräber normannischer Herzöge zu besichtigen, darunter das von Richard Löwenherz. Im Sommer findet vor der Kathedrale jeden Abend ein Licht- und Tonspektakel statt. Die Fassade verwandelt sich dann in eine mystische Kulisse: Begleitet von einer eigens komponierten Orgelmusik werden darauf Bilder und Muster von Claude Monet und anderen Künstlern projiziert.

Gänsehautgefühl vermittelt die Kirche Jeanne d'Arc an der Place du Vieux-Marché. Hier starb die französische Nationalheldin und Heilige am 30. Mai 1431 auf dem Scheiterhaufen. Seit 1979 beherrscht die Kirche mit den farbenprächtigen Renaissance-Glasfenstern und einem Holzdach, dass wie Flammen aussieht, den Platz. Vor der Kirche steht ein großes Kreuz. An dieser Stelle starb die Heilige Johanna - wie Jeanne d'Arc auch genannt wird - als "Ketzerin" den Feuertod.

In der Normandie nur an einem Ort zu bleiben, grenzt allerdings an Verschwendung. Zu viele Dörfer und Landschaften sind zu entdecken und zeigen, dass es hier mehr als Camembert, Calvados und Kühe gibt. Auch regnet es in der Normandie längst nicht so häufig, wie viele Menschen glauben. "Wenn es hier immer regnen würde, bräuchten unsere Kühe keine Sonnenbrillen", sagen die Normannen. Und tatsächlich haben die Kühe oft braune Ringe um die Augen, die wie Sonnenbrillen aussehen.

Nach Giverny zum Seerosenteich

Zu den Zielen kann zum Beispiel die unheimlich wirkende Abtei von Jumièges gehören, die 841 von den Wikingern niedergebrannt wurde. Dann ist da Honfleur, ein Städtchen an der Küste, das schon immer viele Künstler anzog. Oder Claude Monets ehemaliges Wohnhaus in Giverny - in dem weitläufigen Garten befindet sich auch der berühmte Teich mit den Seerosen, die der Künstler so gerne gemalt hat.

Le Havre an der Seine-Mündung hat einen ganz eigenen Charme. Die Besonderheit des im Zweiten Weltkrieg stark zerstörten Zentrums ist seine einheitliche Architektur. Federführender Architekt war Auguste Perret (1874-1954). Es entstanden Wohnungen für 60 000 Menschen, dazu Schulen, Kirchen und öffentliche Gebäude. Da es nicht genug Baumaterial gab, verarbeitete Perret den Schutt aus der Stadt zu einzigartigen Betonvariationen. Er wurde zermahlen, nach Farben getrennt und mit feinen Glassplittern oder Kieselsteinen vermischt. Für manche Besucher mögen die einheitlich gestalteten Häuser ein Alptraum sein, für den Architekten aber waren sie "Poesie" aus Beton.

Großstadtflair und mittelalterliche Gassen

Ebenfalls aus Beton ist die Kirche Saint-Joseph gebaut worden. Der 110 Meter hohe, achteckige Kirchturm sieht aus wie ein Leuchtturm. Ins Innere fällt Licht durch 6500 bunte Glassteine. Die Farben sind je nach Himmelsrichtung unterschiedlich - kalte Töne sind es im Osten und Norden, goldene und warme Farben im Westen und Süden. Die Kirche ist den Opfern der Bombenangriffe gewidmet und gilt als eines der architektonischen Hauptwerke des 20. Jahrhunderts.

Alt und Neu, großstädtisches Flair und mittelalterliche Gassen, einfache Landgasthäuser und schicke Feinschmeckerlokale, Betonbauten und grüne Wiesen - all das ist in der Normandie dicht beieinander, Kontraste bestimmen das Bild. Und genau das zeigt auch die "Armada" in Rouen, wenn kleine Lastkähne und großen Segelschiffe aus der ganzen Welt direkt nebeneinander auf der Seine schaukeln werden.

Informationen: de.franceguide.com; www.normandie-tourisme.fr, www.armada.org, www.rouentourisme.com, www.le-havre-tourismus.de.

Quelle: tmn

 
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