Kein Festrummel: Istanbul: Geheimtipp für Weihnachtsshopping
zuletzt aktualisiert: 17.12.2004 - 08:16Istanbul (rpo). Mailand oder New York sind beim Weihnachtsshoppen erste Adressen. Wie aber wär's denn mal mit einem Kurztrip nach Istanbul? Die Bosporus-Metropole ist günstig und bietet Einkaufsparadiese ohne Festrummel, Lichterketten oder Warteschlangen. Noch ist Istanbul sogar ein Geheimtipp...
Auch wenn der schwache Dollar den USA-Abstecher zurzeit wieder günstiger macht, sind die Kosten für ein verlängertes Wochenende in der türkischen Metropole im Vergleich niedrig. Für vier Nächte im Vier-Sterne-Hotel inklusive Frühstück, Flug und Transportservice zahlt ein Paar zusammen gut 500 Euro.
"Istanbul zum Weihnachtsshopping liegt im Trend", berichtet Kathrin Rüter, Sprecherin von Öger-Tours, einem Türkeispezialisten. 2003 legte der Hamburger Reiseveranstalter zum ersten Mal einen eigenen Istanbul-Städtereisen-Katalog auf. 30.000 Gäste entschlossen sich den Angaben zufolge spontan zur Buchung. Innerhalb eines Jahres sei die Zahl um elf Prozent gesteigert worden, erklärt Rüter. Rund 18 Prozent der Touristen reisten im November und Dezember in die Millionenstadt am Bosporus.
Reizvoll dürfte Istanbul im Winter vor allem für die Anti-Jingle-Bells-Fraktion sein. Wer dem westlichen Weihnachtskitsch entfliehen will, wird sich an der Nahtstelle zwischen Europa und Asien wohl fühlen. Muslime feiern schließlich nicht die Geburt von Jesus Christus - und deshalb seilt sich auch nirgends ein ausgestopfter Weihnachtsmann an der Hauswand ab, es blinkt kein Plastik-Engel im Fenster, kein Tannenbaum in der Hotellobby. Aus keinem einzigen Lautsprecher dudeln "Xmas-Hits".
Einkaufen für das Fest der Liebe, für sich selbst oder die Lieben können hier also auch Adventsmuffel. Ob Gold- und Diamantschmuck, Lederkleidung, Taschen, Koffer, Uhren, Textilien aller Art, Maßgeschneidertes, CDs - das Angebot ist riesig und die Preise sind vergleichsweise niedrig. Gewöhnungsbedürftig ist anfangs allerdings das Hantieren mit Millionensummen: Ein Euro entspricht etwa 1,8 Millionen türkischen Lira. Akzeptiert werden allerdings aber auch Euro, Rubel, Dollar, Kreditkarten.
Vorsicht vor Raubkopien
Wer sich mit Mode bekannter Markendesigner eindecken will, muss darauf achten, dass er keine billigen Raubkopien erwischt. Wer dagegen direkt auf gefälschte T-Shirts, Jeans oder Sonnenbrillen aus ist, wird an jeder Ecke fündig. Ob im Großen Basar in der Altstadt, in den unzähligen Boutiquen oder auch im europäischen Viertel. Doch aufgepasst: schleppt man stapelweise Imitate nach Hause zurück, macht man sich strafbar. Der Zoll geht davon aus, dass große Mengen gefälschter Markenartikel nicht mehr für den Privatgebrauch bestimmt sind. Und dann drohen empfindliche Strafen. Die Koffer voller abgekupferter Weihnachtsgeschenke ist man dann auch gleich los. Sie werden beschlagnahmt.
Weil in der 14-Millionen-Einwohner-Metropole Istanbul praktisch an jeder Ecke gehandelt wird, fällt es reichlich schwer, nicht in Kaufwut zu verfallen. Was den Elan bald schon deutlich bremst, ist die ständige Notwendigkeit zu feilschen. "Nie den genannten Preis zahlen, auch im Laden nicht", schärft Ahmed in breitem Schwäbisch einem deutschen Pärchen ein, das gerade im Gewürzbasar für eine orientalische Lampe happig viel Geld hingeblättert hat und über die Kosten staunt. Der Deutsch-Türke mit Job "beim Daimler" in Stuttgart, der auch grad zum Shopping in seine Heimatstadt geflogen ist, gibt als knallharte Losung aus: mindestens 30 Prozent runterhandeln, alles drüber ist Nepp.
Abschlag von einem Drittel
Ähnlich rigoros auch der offizielle Rat des türkischen Generalkonsulats in Frankfurt: Kaufe nichts ohne Preisabschlag von etwa einem Drittel. Ungeübte Touristen liefen ständig Gefahr, übers Ohr gehauen zu werden.
Wer die Nase voll hat vom Einkaufen, kann sich auf die vielen kulturellen Attraktionen des einstigen Konstantinopel oder Byzanz stürzen. Wartezeiten gibt es nirgends, man ist ja außerhalb der Sommersaison da. Die Temperaturen sind angenehm, teilweise frühlingshaft. Neben Hagia Sophia oder Topkapi-Palast gibt es unzählige Moscheen zu besichtigen, Abstecher per Fähre in den asiatischen Stadtteil zu machen oder im Hammam, einem Badehaus, zu schwitzen.
Istanbul als Shoppingziel im Winter gezielt weiter auszubauen, ist das erklärte Ziel der türkischen Tourismus-Strategen. Bis 2006 soll die jährliche Zahl der Türkei-Touristen von derzeit 14 auf 20 Millionen steigen - und die Metropole am Bosporus zum neuen Besuchermagneten werden.



