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panorama marokko kamele 2010
  Foto: ddp
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Sonnige Alternative zu den Kanaren: Marokko: "Immer im Paradies"

zuletzt aktualisiert: 10.01.2010 - 13:07

Agadir (RPO). Zwangsehen gehören zu Marokkos Vergangenheit. Die damals 12 Jahre alte Amina wurde an einen fast 60-jährigen Mann verheiratet. Heute ist sie dennoch stolz auf ihre Heimat. Egal, wo man heraustrete, man sei immer im Paradies, schwärmt Amina, die im vergangenen Sommer ein eigenes Hotel eröffnete und erster weiblicher Gästeführer des Landes ist.

Ihr "Well Center" liegt in der Nähe des 38 Hektar großen Stausees Youssef ben Tachfine, der gleichermaßen für Trinkwasser, Strom und Bewässerung sorgt, und ist rund 30 Kilometer vom Meer entfernt.

Nach ihrer Flucht und Scheidung studierte Amina in Deutschland und wurde später erster weiblicher Gästeführer Marokkos. Alles mehr als skandalös in einem islamisch geprägten Land, wie sie einräumt. Inzwischen habe Marokko diesbezüglich die wohl progressivsten Gesetze der islamischen Welt.

Heute dürfe keine Frau mehr gegen ihren Willen und unter 18 Jahren verheiratet werden. Und heute finde man Frauen in fast allen Berufen. Sieben seien sogar Minister und 15 im Parlament. Seit sechs Jahren gebe es auch weibliche Polizisten, allerdings ohne Pistole.

Königsstädte, Sonne und Strände

Kultur- und Geschichtsinteressierten ist Marokko vor allem durch seine vier Königsstädte Fez, Marrakesch, Meknes und Rabat bekannt. Andere schätzen den Wassersport an den rund 3500 Kilometer langen Küsten, davon fast 500 Kilometer am Mittelmeer, der Rest am Atlantik. Als größter und beliebtester Badeort gilt Agadir im Süden des Landes. In knapp 3,5 Flugstunden ist man da, die Reise dauert etwa genauso lange wie auf die Kanaren.

Mit 330 Sonnentagen im Jahr avancierte die portugiesische Stadtgründung von 1505 zum Traumziel vieler Winterflüchter. Ein neun Kilometer langer feiner Sandstrand schmiegt sich an eine der schönsten Buchten der Welt. Hier mischen sich marokkanische Gastfreundschaft und europäische Standards, verspricht Amina.

1960 bebte in Agadir acht Sekunden lang die Erde. Daraufhin wurde die Stadt umgekrempelt und modernisiert. Die Kasbah-Mauer auf dem Fels mit dem Schriftzug "Gott, Vaterland, König", der Devise des Landes, ist nachgebaut. Von dem historischen Stadtkern des einstigen Handelszentrums sind kaum mehr als ein paar Treppenstufen zu finden. Ein modernes Touristenzentrum mit Strandcafés, Pubs und Diskotheken entstand.

Im Hinterland der Touristenhochburg geht es wieder traditioneller zu. Agadir eignet sich gut als Ausgangspunkt für Entdeckungen historischer Städte wie Taroudant am Fuße des Hohen Atlas, wegen ihrer kupferfarbenen Befestigungen mit sechs bis acht Meter hohen gewaltigen Lehmmauern auch "Klein-Marrakesch" genannt. Auch Tiznit, das "Tor zur Großen Wüste", wo die Silberschmiede noch immer den schweren Schmuck der Berberfrauen herstellen, schützt eine von Zinnen bewehrte Stadtmauer, die quaderförmige Türme flankieren.

Amina streift mit uns über die mittelalterlichen Souks mit den Wohlgerüchen der Gewürze Arabiens. Sie warnt vor dem Gedränge: "Gute Menschen beten in Richtung Mekka, schlechte in Richtung Taschen." Beim Kunsthandwerk angekommen, wird sie kämpferisch. Das sei ein wichtiges Kulturgut, das erhalten werden müsse. An der Handarbeit meist älterer Frauen, die nie in einer Schule waren, könne man ablesen, was sie auf dem Herzen haben. Sie steckten ihre Wut und ihre Sehnsucht, aber auch ihr Glück hinein.

Ziegen auf Bäumen

"Einbussen" ruft sie die Gruppe zusammen, um die Fahrt fortzusetzen. Sie versteht die Gäste zu gewinnen. Unterwegs sehen wir Kamel- und Ziegenherden. Dann, wir trauen unseren Augen kaum, Ziegen auf dem Arganbaum! Er wächst wild und nur im Süden von Marokko, erfahren wir. Es gebe 48 Millionen solcher Bäume. Kamele und Ziegen fressen ihre pflaumengroßen Früchte.

Das aus der Frucht gepresste Öl diene medizinischen und kosmetischen Zwecken, sei auch Jungbrunnen für die Haut und das marokkanische Viagra für Männer und Frauen. "Aber beide sollten es nicht am selben Tag zu sich nehmen", scherzt Amina. Die Marokkanerinnen wüssten darum seit Generationen und kochten daraus Marmelade. Inzwischen nutzten dies auch die großen Pharmakonzerne.

Im Süden von Agadir wartet der Nationalpark Souss Massa mit zahlreichen Vögeln, Flamingos und Störchen, und der weltweit größten Kolonie der fast ausgestorbenen Schopfibisse. Die Vögel mit dem kahlen rosa Schädel mit schwarzem Federschopf und langem gebogenen Schnabel werden einen dreiviertel Meter groß. Bei Safaritrips sind auch Strauße und Antilopen zu erleben. Die Souss-Ebene ist eine der fruchtbarsten Landschaften Marokkos mit Kirschentomaten, Bananen im Freien und in Gewächshäusern. Agadir gilt als Bananenhauptstadt.

"Wir haben alles: Sandstrände, Wüsten, Oasen, Grün, Berge und Palmen", sagt Amina. Araber spielten zwar lieber Fußball am Strand. Aber mit Ifrane und dem Areal um den Toubkal, den mit 4165 m höchsten Berg des Landes, gebe es sogar zwei Wintersportgebiete. Von Dezember bis März sei Skifahren möglich - etwas für Afrika recht Exotisches. In Abwandlung eines für Venedig geprägten Spruches müsse es deshalb heißen: "Marokko besuchen und wiederkommen!"

Info:

Marokko: Das Königreich Marokko liegt im äußersten Nordwesten Afrikas und hat eine Fläche von 458.730 qkm, einschließlich Westsahara 710.850 qkm mit rund 30 Millionen Einwohnern. Die Südspitze Spaniens ist nur 14 km entfernt.

Agadir liegt an der Atlantikküste gegenüber den Kanarischen Inseln. Hier sind alle Arten von Wassersport (Segeln, Windsurfen, Surfen, Wasserski, Jachtsport, Tauchen, Angeln) möglich. Golfer erwartet einer der schönsten Golfplätze Nordafrikas.

Anreise: Royal Air Maroc bietet Nonstopflüge von Deutschland nach Marokko (Internet: www.royalairmaroc.com). Auch mehrere deutsche Fluggesellschaften fliegen direkt zu einem der neun internationalen Flughäfen Marokkos.

Einreise: Für Pauschalreisende genügt der Personalausweis, Individualreisende benötigen einen Reisepass.

Klima: Unterschiedliche Klimazonen, im Norden mediterranes Klima, im Süden subtropisch. Die Lage am Atlantik und Mittelmeer und die Gebirgszüge sorgen für ein insgesamt gemäßigtes Klima. Ganzjahresdestination.

Unterkünfte: Die Hotels sind in Kategorien von 1 bis 5 Sterne eingestuft. Im Interner z.B.: www.iberostar.com

Sprache: Die Amtssprache ist Arabisch. In den Bergregionen werden Berbersprachen gesprochen. Französisch, gefolgt von Spanisch und Englisch sind die am weitesten verbreiteten Fremdsprachen.

Zeit: Mitteleuropäische Zeit minus 1 Stunde.

Weitere Informationen: Staatliches Marokkanisches Fremdenverkehrsamt, Graf-Adolf-Str. 59, 40210 Düsseldorf, Tel.: 0211-370551/52, Fax: 0211-374048, E-Mail: marokkofva@aol.com, Internet: www.tourismus-in-marokko.de, www.marokko.com, www.marokko-ferien.de

Quelle: DDP/mais

 
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