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panorama hongkong skyline 2009
  Foto: gms
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Entfesseltes Hongkong: Megacity für Anfänger

VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 29.11.2009 - 11:48

Düsseldorf (RP). Perfekt organisiert, englisch beschildert und ungefährlich: Unter den Megacities der Welt ist Hongkong die zugänglichste. Aber ein Abenteuer bleibt eine Reise dorthin trotzdem.

Rund 3000 Jahre hat die Menschheit ihre Städte in der Tradition der behutsam wachsenden griechischen Polis organisiert. Die neuen Megacities wie Mexiko, Tokio oder Hongkong haben mit dieser Tradition nichts mehr zu tun. London war 1910 noch siebenmal größer als 1800, Lagos ist heute vierzigmal größer als 1950. In Berlin leben auf einem Quadratkilometer 3800 Menschen. In Hongkong 6000.

In einer entfesselten Metropole wie Hongkong, in der die Wolkenkratzer sich drängeln wie ihre Bewohner in der U-Bahn, funktioniert der herkömmliche Stadt-Instinkt nicht mehr. Kaum aus dem Flugzeug gestiegen, ist der Europäer schon verwirrt. Schwerer Unfall? Kippt da gerade ein Hochhaus um? Oder ist es eine Straßen-Demo?

Gedränge rund um die Uhr

Nach ein paar Tagen hat man es kapiert: Das Gedränge ist normal. Hongkongs Straßen sind immer überlaufen. Rund um die Uhr und fast überall. Nebenstraßen gibt es kaum. Dafür ist der schmale Küstenstreifen zwischen dem südchinesischen Meer und den subtropisch überwucherten Bergen viel zu klein. Schon vom Flugzeug aus fragt man sich, warum diese Stadt ausgerechnet in solch einem geografischen Korsett entstehen musste.

Weil sich das britische Empire vor rund 170 Jahren noch als Drogendealer versucht und tonnenweise Opium an die Chinesen verkauft hat. Der Widerstand des Kaisers dagegen führte zum Opium-Krieg und 1841 zur Besetzung Hongkongs durch die Briten. Aus dem Drogenhandel wurde ein Kuhhandel: Um des lieben Friedens willen pachteten die Briten Hongkong für 99 Jahre und gaben die unter ihrer Herrschaft zur Boom-Metropole aufgestiegene Stadt 1997 zurück.

Das Jahrhundert unter britischer Flagge hat sowohl den heutigen Touristen als auch den Einwohnern mehr genutzt als geschadet. Während das Festland sich mit maoistischen Experimenten abgeplagt hat, gedieh Hongkong unter britischer Regie zum wichtigsten chinesischen Finanzzentrum und zu einer der reichsten Städte der Welt.

Für Touristen ist Hongkong dank der britischen Vergangenheit heute eine Art Megacity für Anfänger: In Rio de Janeiro oder Moskau ist man ohne Sprach- und Ortskenntnis schon an der zweiten Häuserecke verloren. In Hongkong sind die wichtigsten Beschilderungen immer noch auf Englisch, viele Hongkong-Chinesen sprechen die Sprache noch, und auch das Gebaren von Behörden und Polizei ist weniger befremdlich, als man es sonst bei den Autoritäten auf der anderen Seite des Erdballs befürchten muss.

500 Euro Strafe für weggeworfene Zigarette

Straßenkriminalität spielt - abgesehen von Taschendiebstählen - kaum eine Rolle. Anders als etwa in Teilen New Yorks kann man Hongkong selbst nachts getrost auch alleine durchstreifen. Dabei ist die Stadt bemerkenswert sauber. Auf weggeworfene Zigarettenkippen stehen umgerechnet 500 Euro Strafe mit dem Ergebnis, dass nirgendwo welche liegen. Nicht einmal Graffiti sind zu sehen.

Dafür aber Straßenmärkte von archaischer Buntheit, auf denen inmitten der Straßenschluchten ein paar Hundert Frösche und Vögel geschlachtet werden. „Obwohl wir schon ein paar Tausend Jahre unterwegs sind, haben wir gerade erst losgelegt“, bringt derzeit ein Versicherungskonzern das Lebensgefühl der Einheimischen auf meterhohen Plakaten auf den Punkt.

Dschungel vor der Stadt

Von ihrem Reichtum leistet sich die Stadt eine perfekte Infrastruktur. Die U-Bahn gehört zu den besten der Welt. Busse, Straßenbahnen und selbst Taxis sind zu Spottpreisen zu nutzen. Wer in Hongkong aber wirklich Ungewöhnliches erleben will, sollte seine Wanderschuhe mitnehmen. Direkt hinter den letzten der bis zu 480 Meter hohen Wolkenkratzern beginnt der Dschungel.

Und weil Hongkong „mehr Geld als Verstand“ hat, wie man in den Bürotürmen witzelt, leistet die Stadt sich etwas in dieser Form weltweit Einmaliges: Ein hunderte von Kilometern weites Wandernetz durch die subtropischen Wälder - bestens ausgebaut und beschildert, teilweise sogar mit betonierten Wegen und Gaslaternen. Das Gelände mag unbebaubar sein. Aber die 21 Naturparks in den Bergen, die immerhin 40 Prozent der Gesamtfläche der Stadt ausmachen, sind allemal einen Extra-Tag wert.

Und eine originelle Option für Australien-Flieger, die sich bei der üblichen Zwischenlandung in Hongkong die Beine vertreten wollen.

Info:

Gute Adresse Das Hong Kong Tourism Board arbeitet professionell und eignet sich gut als Anlaufstelle für touristische Fragen. Dort könnenzum Beispiel zertifizierte Stadtführer und Wanderungen in die Wildnis gebucht und Hotelpreise erfragt werden. Unter www.walkhongkong.com finden sich Anbieter, Erfahrungsberichte, Wanderrouten und Fotos. Info: Hong Kong Tourism Board, Tel.: 069 - 959 1290, frawwo@hktb.com www.DiscoverHongKong.com 

Essen und Trinken Hongkong will kulinarische Hauptstadt Asiens werden. Tipp für den gehobenen Anspruch: das Shang Palace im Shangri-La-Hotel, wo Küchenchef Ip Chi-Cheung nach rechtzeitiger Anmeldung auch Gruppen-Kochkurse gibt. Internet www.shangri-la.com 

Business-Hotel Eine gute Adresse ist das Hyatt Regency Hong Kong an der zentralen U-Bahn-Station Tsim Sha Tsui in Kowloon. Die 381 Zimmer und Suiten erstrecken sich vom dritten bis zum 24. Stock des 2007 errichteten K11-Wolkenkratzers. Anrufer aus Deutschland können unter Tel. 0180 523 1234 und unter www.hyatt.com. Doppelzimmer ab 150 Euro pro Nacht reservieren.

Quelle: RP

 
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