Kreuzfahrt-Passagiere als Statisten: Mit den Stars auf dem "Traumschiff"
VON DAGMAR ZUREK - zuletzt aktualisiert: 16.12.2009 - 11:08Mombasa (RP). Am Zweiten Weihnachtstag sendet das ZDF eine neue „Traumschiff“-Folge. Bei den Dreharbeiten auf der „MS Deutschland“ spielen die Kreuzfahrt-Passagiere gerne mit als Statisten - zumindest am Anfang der Reise.
Die pensionierte Lehrerin aus Düsseldorf ist enttäuscht. „Harald Schmidt kommt erst in Dubai an Bord“, sagt sie. Dafür hat sie Inka Bause und Jörg Schüttauf schon gesichtet. Es ist der erste Tag ihrer Reise mit dem „Traumschiff“, das von Mombasa zu den Seychellen und den Vereinigten Emiraten fährt. Mit den normalen Passagieren sind Schauspieler, Kamerateams und Maskenbildner an Bord: Seit zehn Jahren gibt die „MS Deutschland“ als viertes Schiff die Kulisse für ZDF-Kuschelgeschichten. „Zehn Millionen Zuschauer sehen jede Folge“, sagt Produzent Wolfgang Rademann an Bord. Die Maxime: keine Gewalt, kein Sex.
31 Grad Luft- und 26 Grad Pooltemperatur. Es ist der erste Seetag, 900 Seemeilen sind es bis zur „Insel der Seligen“, den Seychellen. „Nonne“ Marita Marschall, auch bekannt als Fernsehkommissarin, harrt tapfer in Nonnenkluft und blickdichten Strümpfen aus, Scheinwerfer werden geschleppt, Spiegel hochgehalten. 20 Produktionsmitarbeiter stehen um die „Nonne“ herum - und Passagiere, die vorbeischlendern. An Statisten besteht noch kein Mangel. Schließlich ist es der Anfang jener Reise, die man auch buchte, um mal im Fernsehen zu sehen zu sein. Noch wollen alle mitmachen bei der Traumschiff-Folge „Emirate“, die am zweiten Weihnachtstag gezeigt werden soll.
An Tag 14 der Reise ist das anders. Die Schlussszene im Ballsaal wird gedreht. Ein Klavier-Wunderknabe, der sich in seine Fitness-Trainerin (Inka Bause) verknallt, soll vor Publikum spielen. Damit es Publikum gibt, muss das Fernsehteam mit Flyern um Mitwirkende buhlen. Das Team ist erfolgreich. Und findet Gäste, die der Musik von Rachmaninoff lauschen wollen. Dieser Musikgenuss ist nicht das einzige Kulturevent auf der Reise. Schließlich will die „MS.Deutschland“ mithalten in Sachen Bordprogramm: Ein Kammermusiktrio ist dabei, ein Bordpfarrer, eine Musicalsängerin, die sich nicht zu schade ist für ein „Ave Maria“ im Gottesdienst jenes Pfarrers und die dabei begleitet wird vom Kreuzfahrtdirektor, einem Organisten.
Als das Kammermusiktrio in der Lido-Terrasse die Teestunde musikalisch untermalt, sitzt Schauspieler Siegfried Rauch, der „Traumschiff-Kapitän“, vor grünem Tee und Salat. Rauch ist fit, er rennt und rennt und rennt, vorm Dreh, nach dem Dreh. Wenn die Passagiere zum Frühstück kommen, hat er schon seine Runden hinter sich. Sein Kapitänsmützen-Gesicht, so heißt es, war die Grundvoraussetzung, als ein neuer TV-Kapitän her musste: Der Produzent suchte in ganz Deutschland den Mann, auf dessen Kopf die Mütze toll aussah.
Länger an Bord als Rauch ist „Hostess“ Heide Keller. 29 Jahre ist sie dabei und fährt auch mal privat mit der echten Hostess des Traumschiffs zum Heilfasten. Gerade steht sie auf dem Peildeck, während Fitnesstrainerin Bause wieder und wieder die Treppe hoch- und runterjoggt. Bause hat nur drei Drehtage und Zeit zum Genießen.
Regisseurin Karola Meeder verteilt Gummibärchen an ihr Team. Und treibt es zur Eile an: Die Sonne geht bald unter. Vor den Reisenden liegen noch drei Seetage mit Kursen, Landausflügen und Schokolade auf dem Kopfkissen. Es ist Valentinstag. Morgen ist das Schiff in Dubai. Auf manche Gäste warten Limousinen mit Chauffeur, die sie zum Flughafen Abu Dhabi fahren.
Das Filmteam bleibt an Bord, wartet auf neue Kollegen für die nächste Folge. Harald Schmidt ist einer von ihnen.
Dreh-Termine Künftige Reisen mit der „ Deutschland“, bei denen Traumschiff-Dreharbeiten stattfinden: 4. bis 22. Januar von Balboa nach Valparaiso (ab 6250 Euro), 27. Februar bis 13. März von Manaus bis La Guaira (ab 4920 Euro); 2. bis 30. März von La Guaira bis Lissabon ab 5615 Euro. Internet: www.deilmann.de


