Von Wäldern und Wasserfällen: Nordkalifornien: Ein Land voller Überraschungen
zuletzt aktualisiert: 19.08.2007 - 17:34Eureka/Redding (RPO). Das ist Kalifornien: die Golden-Gate-Bridge, Hollywood und das Tal des Todes. Aber da ist noch ein anderes Kalifornien: Im Norden präsentiert sich der Staat als großer Naturspielplatz mit Vulkanen und Wäldern. Ein Land, das selbst für die Einheimischen voller Überraschungen steckt: Extrem hohe Bäume, wiederentdeckte Wasserfälle und Sichtungen von Yeti-ähnlichen Wesen.
Die Sonne scheint, aber sie hat es nicht leicht, sich zwischen den massigen Stämmen bis zum Waldgrund durchzukämpfen. Glasklares Wasser rinnt durch einen breiten Bachlauf - kein Wunder, dass sich hier so viele "Coastal Redwoods" angesiedelt haben. Die Autos, die am Rand des Highways 101 stehen, wirken winzig neben den oft 100 Meter hohen Küstenmammutbäumen, die als höchste Lebewesen der Welt gelten.
"Von den ursprünglich vorhandenen "Coastal Redwoods" stehen noch etwa fünf Prozent", erzählt Richard Stenger vom Tourismusamt des Humboldt County an Kaliforniens Nordküste. Der Distrikt ist das Herzstück der "Redwood Coast", denn die Bedingungen für das Wachstum der Bäume sind hier ideal: Es gibt ganzjährig milde Temperaturen, immer wieder Regen und im Sommer viele Nebelbänke, die vom kalten Pazifik heranwehen. "Gerade den Nebel brauchen die Bäume", erklärt Richard.
Wo man hinschaut: Riesige Baum-Giganten
Kilometerlang können Besucher an den Giganten entlang fahren, besonders schön sind zwei Seitenarme des Highway 101: die "Avenue of the Giants" südlich von Eureka und der "Newton B. Drury Parkway" nördlich von Orick. Hier gehen mit dem Redwood Nationalpark und einigen State Parks mehrere Schutzgebiete ineinander über. Zum Teil ragen sie bis an den Ozean heran, dessen Strände meist menschenleer sind: Das Wasser ist zu kalt zum Baden und der Wind zu stark. Aber schön anzusehen ist es allemal, wie die Wellen ans Land schlagen.
Die Holzindustrie hat hier längst nicht die Motorsäge zur Seite gelegt. An die größten "Coastal Redwoods"-Exemplare kommt sie aber nicht heran: Sie stehen in den Schutzgebieten an schwer zugänglichen Orten. Der "höchste Baum der Welt" wurde dort erst 2006 entdeckt: "Hyperion" ist 115 Meter hoch. "Bis dahin dachte man, es gebe keinen höheren Baum als den damaligen Rekordhalter", sagt Stenger. Nun gebe es Vermutungen, dass im Dickicht noch höhere Bäume stehen könnten.
Auf den Spuren von Bigfoot
Die Wildnis birgt aber auch sonst noch einige Geheimnisse - zum Beispiel etwas abseits der Küste in Willow Creek. Hier steht jemand im Zentrum, dessen Existenz immer wieder behauptet, aber noch nie bewiesen wurde: der Bigfoot. Es handelt sich um einen stark behaarten Waldmenschen, der riesige Fußspuren hinterlässt und meist auftaucht, wenn gerade kein Fotoapparat zur Hand ist. Rund um Willow Creek gab es schon viele Bigfoot-Sichtungen, und der Ort lebt nicht schlecht davon: Es gibt ein Museum und Rafting-Touren auf "Bigfoots Spuren".
Mehr Möglichkeiten zum Wassersport bieten sich weiter östlich nahe Redding. Die Stauseen Shasta Lake, Trinity Lake und Whiskeytown Lake gehören zum "Central Valley Project", das Kaliforniens Landwirtschaft mit Wasser versorgt. Besonders der Shasta Lake lockt an heißen Tagen Hausboot- und Jetski-Fahrer, Segler und Angler an. "Im Sommer geht es da ziemlich verrückt zu", sagt Jack Painter, ein Lehrer aus Redding, der seinen Kajak lieber am Whiskeytown Lake zu Wasser lässt. Dort gibt es Tempolimits, und für Hausboote ist der See zu klein. Von Mai bis September bieten Nationalpark-Ranger hier für Paddler zweimal am Tag auch kostenlose Kajaktouren an.
Auch der Whiskeytown Lake ist von Wäldern voller Pinien, Zedern und Douglasien umgeben, in denen früher Holzfäller die Axt schwangen. Ihr Wegenetz wurde zum Teil für Wanderer wiederhergestellt. Ein Pfad führt zu den Whiskeytown Falls - einer fast 70 Meter hohen Kaskade, die Jahrzehnte lang in Vergessenheit geraten war und erst seit 2005 wieder leicht zugänglich ist. Durch die Auswertung von Luftaufnahmen wurde sie aufgespürt, sagt Ranger Clinton Kane.
Ein Berg, der es in sich hat
In einem Tagesausflug gut erreichbar ist von Redding aus der 4317 Meter hohe Mount Shasta, der mit seiner markanten Form das Landschaftsbild beherrscht. Der ganzjährig schneebedeckte Gipfel erweckt einen harmlosen Eindruck - doch der letzte Ausbruch des Vulkans liegt erst gut 200 Jahre zurück. Mount Shasta zieht auch so manche Esoteriker an. Dem Berg werden magische Kräfte nachgesagt, "und viele Leute denken sogar, dass da kleine Männchen im Inneren hausen", sagt Bob Warren von der Tourismusbehörde Shasta Cascade Wonderland Association, den das nicht sonderlich wundert: "Überraschend viele Menschen glauben auch die Bigfoot-Geschichten."
Vielleicht warten die mysteriösen Unbekannten ja nur darauf, entdeckt zu werden so wie die Riesen-Redwoods. "In unseren Wäldern gibt es auch einige große Plantagen, auf denen mexikanische Kartelle Marihuana anbauen", sagt Bob. "Die findet die Polizei ebenfalls nie."
Weitere Informationen im Internet unter: www.visitcalifornia.com, www.shastacascade.com, www.redwoods.info, www.nps.gov/state/ca/, www.parks.ca.gov.


