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Südamerika: Patagonien: Faszinierende Naturschauspiele

zuletzt aktualisiert: 31.01.2006 - 10:24

El Chaltén (RPO). Patagonien - davon hat man wohl schon mal gehört. Liegt das nicht in Südamerika, und war da nicht irgendwas mit Pinguinen und Magellan? Stimmt alles: Als Patagonien bezeichnet man den Teil Südamerikas, der sich südlich des Colorado-Flusses und nördlich der Magellanstraße in Chile und Argentinien befindet. Der argentinische Teil besteht neben dem Anden-Gebirge aus Steppenlandschaft. Und außer Pinguinen bieten sich hier noch andere sehenswerte Naturschauspiele.

 

Der Knall ist ohrenbetäubend. Alle bleiben stehen, halten den Atem an und schauen besorgt die Gletscherzunge hinauf. Eine Schneelawine? "Keine Panik! Hier unten auf der Zunge gibt es keine Lawinen. Das war nur ein Eisblock, der unten in den Gletschersee gefallen ist", beruhigt Eistrekking-Führer Rodrigo Braun. Tatsächlich: Unten am Fuße des Gletschers taucht wieder ein tonnenschwerer, stahlblauer Eisklotz aus dem Wasser auf.

Noch sichtlich beeindruckt vom explosionsartigen Knall, der die Stille im patagonischen Andengebirge durchbrochen hat, setzt sich die Gruppe wieder in Bewegung. Bergführer Rodrigo geht voraus. Mit seinem Pickel haut er gelegentlich Löcher ins Eis, damit sich die Steigeisen der Wanderer fester eingraben können. Der Weg führt durch enge, leuchtende Eistunnel und über haushohe Gletscherspalten, die nur mit Seilen, Pickel und viel Kraft überwunden werden können.

Rodrigo hat alle Hände voll zu tun. Beim Anblick der Eislandschaft konzentrieren sich die Wanderer nicht mehr auf die möglichen Gefahren. Das Gletscherwasser, welches metertiefe Eisschluchten füllt, ist so klar, dass man die tödliche Falle kaum bemerkt.

Los Glaciares: Faszinierende Gletscherformationen

Obwohl sich Besucher in den riesigen Eisspalten des Glaciar Grande zu Füßen des Cerro Torre fast verloren fühlen, handelt es sich doch nur um ein verhältnismäßig kleines Exemplar. Im 6.000 Quadratkilometer großen Nationalpark Los Glaciares, in den südlichen Anden Patagoniens zwischen Chile und Argentinien, befinden sich rund 356 Gletscherformationen, von denen einige gleich mehrere hundert Kilometer lang sind - so die Uppsala- und Viedma-Gletscher.

Hauptattraktion des seit 1981 zum Unesco-Naturreservat erklärten Nationalparks ist zweifelsohne der weltberühmte Gletscher Perito Moreno. Der Grund: Man braucht keine Steigeisen, um zu sehen, wie gewaltige Eisbrocken mit lautem Donnern von der bis zu 40 Meter hohen Gletscherzunge in den Argentino-See fallen. In kleinen Booten oder vom Laufsteg aus können auch weniger sportliche Touristen an der fünf Kilometer langen Eiskante des kalbenden Gletschers diesem ohrenbetäubend lauten Schauspiel beiwohnen.

Jede halbe Stunde fallen tonnenschwere Eisbrocken im Zeitlupentempo ins Curacao-blaue Wasser. Diese Momente sind unvergesslich. Leider muss man sie mit hunderten von Urlaubern teilen und nicht selten für den besten Platz zum Fotografieren anstehen. Die Fahrt nach El Chaltén, dem Tor zum Fitzroy-Gebirge, lohnt sich also. Sein atemberaubendes Umland ließ das Dorf zur "Trekking-Hauptstadt" Argentiniens werden. Gegründet wurde es erst 1985, damit Chile das Gebiet nicht beanspruchte.

Fitzroy: Traumziel für Bergsteiger

Entlang reißender Gebirgsflüsse und Wasserfälle führen kilometerlange Wanderpfade durch die wildesten Wälder Patagoniens, die so abgelegen sind, dass man mit etwas Glück sogar Pumas sehen kann. Wanderungen zu den Bergseen Lago Capri und Piedras Blancas sind ein Muss. Vom Gletschersee Laguna de los Tres, rund vier Stunden Fußmarsch von El Chaltén entfernt, hat man einen grandiosen Ausblick auf die vereisten Spitzen des Fitzroy.

Kondore ziehen Kreise um die gewaltigen Granitfelsen des Fitzroy und des benachbarten Cerro Tore. Die beiden Berge sind Traumziel für viele Bergsteiger und zählen zu den acht schwierigsten Gipfeln der Welt. Der 3405 Meter hohe Granitberg Fitzroy wurde erst 1834 vom argentinischen Abenteurer Perito Moreno entdeckt, der ihn nach dem Kommandanten von Darwins Forschungsschiff benannte - Robert Fitz Roy.

In der Sprache der Ureinwohner, der Tehuelche-Indianer, hieß der Berg allerdings wie das heutige Dorf El Chaltén - der Vulkan. Da die Bergspitze angeblich 340 Tage im Jahr von Wolken verhangen ist, dachten die Indianer, es handle sich um einen Vulkan. An den Steilwänden und den unberechenbaren Wetterverhältnissen scheiterte selbst Reinhold Messner schon einmal. Auch für die Klettergruppe auf dem Glaciar Grande ist der Spaß nach zwei Stunden vorbei. Besorgt schaut Führer Rodrigo Braun zur Spitze des 3102 Meter hohen Cerro Torre hinauf. Dicke Wolken ziehen sich dort zusammen.

Nahuel Huapi: Die Schweiz Südamerikas

Weniger gefährlich, aber ebenso spektakulär zeigt sich im Nordenwesten Patagoniens das Naturreservat Nahuel Huapi nahe dem touristischen Berg- und Wintersportzentrum San Carlos de Bariloche. Die seenreiche Andenlandschaft ist mit über 7.000 Quadratkilometern nicht nur der größte, sondern auch der älteste Nationalpark Argentiniens. Auf den ersten Blick wird deutlich, warum der 1934 gegründete Nationalpark auch als "Schweiz Südamerikas" bekannt ist.

Verschneite Andengipfel spiegeln sich in kristallklaren Bergseen wieder, die von tiefgrünen Wäldern umzogen sind. Das Klischee wird nach Kräften von den zahlreichen Einwanderern aus Deutschland und der Schweiz gepflegt: Da gibt es Häuser im Alpenstil oder Hotels mit Namen wie "Edelweiß" oder "Bernhardiner". Dennoch hat sich der Nationalpark zum argentinischen Dorado für Abenteuersportler und Naturliebhaber gemausert: Wandern, Rafting, Mountainbike- und Kanufahren oder Reiten im Mondschein - alles ist möglich.

Peninsula Valdés: Paradies für Tiere

"All das ist hier in Valdés natürlich wegen der Tiere nicht gestattet, obwohl es Pläne gibt, mit den Seelöwen demnächst Schnorcheln gehen zu können", erklärt Reiseführer Diego Bock. Die Halbinsel Valdés, rund 600 Kilometer östlich von Bariloche an der Atlantik-Küste, ist eines der wohl sensationellsten Tierreservate in ganz Südamerika und einer der schönsten Nationalparks in Patagonien.

Nur knapp 90 Kilometer lang und 50 Kilometer breit ist die Halbinsel, aber auf dieser kleinen Fläche leben "über 2.000 Seelöwen, mehr als eine halbe Million Magellan-Pinguine, um die 50.000 Seeelefanten, 5.000 Lama ähnliche Guanakos, Graufüchse, Uhus, Pampahasen und Nandus, etwas zu klein geratene Strauße". 1999 wurde der Nationalpark deshalb zum Unesco-Naturschutzreservat, erklärt Diego Bock. Guanako-Herden ziehen neben den Jeeps der Touristen durch die steppenartige Pampalandschaft. "Sie sind nicht scheu, wenn sich Autos nähern, weil sie wissen, dass ihnen keine Gefahr droht - Aussteigen ist für Parkbesucher nämlich verboten."

Im nördlichen Teil der Halbinsel, am Strand Punta Norte, ist die Hölle los. Schnatternd laufen hunderttausende Magellan-Pinguine kreuz und quer durcheinander. Es riecht nach Fisch und Kot. Man muss aufpassen, wo man hintritt. Denn egal, ob in den Felsen, im Kieselsand oder in den Büschen - überall brühten die eleganten Frackträger. Steht ein fotografierender Tourist im Weg, gibt es auch schon mal einen Schnabelbiss ins Bein. Schließlich haben die Pinguine hier immer Vorfahrt und sind daran gewöhnt. "Sie haben vor Menschen wenig Angst, da sie ebenfalls auf zwei Beinen gehen und deshalb gar nicht so anders wirken", erklärt Diego die Zutraulichkeit.

Seeelefanten und Wale hautnah

Weiter südlich, am Leuchtturm Punta Delgada, geht es gemächlicher zu. Hunderte von Seeelefanten liegen fast regungslos im Sand. Nur einige halbwüchsige Männchen balgen sich im Wasser. Die tonnenschweren Weibchen liegen still neben ihren Jungen. Sie dürfen ihre Fettreserven nicht nutzlos verbrennen. Fast drei Monate lang säugen sie ihre Jungen am Strand, ohne selber Nahrung aufzunehmen. Bis auf zehn Meter kann man sich den Tieren nähern. Nur der Meereswind und das gelegentliche Schnarchen und Grunzen der Kolosse durchbricht die friedliche Stille.

Selbst für das Beobachten von Walen braucht man im Naturpark Valdés kein Fernglas. Zwar starten von Puerto Pirámides aus kleine Boote in die Bucht, wo jedes Jahr zwischen Juli und November rund 500 Glattwale ihre Jungen aufziehen. Doch die zutraulichen, vom Aussterben bedrohten Säuger wagen sich auch bis auf 20 Meter an den Strand heran. Von dort aus können Touristen zuschauen, wie die bis zu 40 Tonnen schweren Wal-Weibchen ihren Jungen das Auf- und Abtauchen beibringen oder zum Spiel aus dem Wasser emporschießen.

Weitere Informationen: 

Ziel: Als Patagonien bezeichnet man den Teil Südamerikas, der sich südlich des Colorado-Flusses und nördlich der Magellanstraße in Chile und Argentinien befindet. Der argentinische Teil besteht neben dem Anden-Gebirge aus Steppenlandschaft.

Einreise: Für die Einreise in Argentinien genügt ein Reisepass.

Währung: Ein Euro entspricht rund 3,7 argentinischen Pesos. Ein Peso sind rund 0,27 Euro.

Gesundheit: Die medizinische Versorgung in Argentinien ist gut. Impfungen sind nicht erforderlich, eine Auslands-Krankenversicherung ist aber empfehlenswert.

Unterkunft: In ganz Patagonien finden sich komfortable wie günstige Hotels.

Quelle: gms/chk

 
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