Mit persönlichem Steward: Per Luxuszug durch Europa
zuletzt aktualisiert: 11.01.2008 - 10:20Edinburgh/Moskau (RPO). Die Landschaft zieht vorbei. Der Reisende kann während der Fahrt schlemmen, lesen oder einfach nur vor sich hin träumen. Wer auf diese Weise die Welt genießen will, reist am besten mit einem Luxuszug durch Europa.
Orient-Express: Seit der Orient-Express 1883 seine Jungfernfahrt von Paris nach Istanbul antrat, brachte er die Fantasie seines Publikums zum Blühen. Der Zug lieferte jede Menge Stoff für Träume und Schlagzeilen. Er stand Pate für Kinofilme und Krimis, darunter den "Mord im Orient-Express" von Agatha Christie. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Niedergang der Zuglegende, seit 1982 rollt der auf Hochglanz polierte Nachfolger des "Königs der Züge" aber wieder durch Europa. Neben der Hauptstrecke Venedig-Paris-London fährt der nachtblaue Zug auch die traditionelle Strecke von Paris nach Istanbul und besucht Städte wie Rom, Wien, Budapest, Prag und Krakau.
Jeder Passagier hat einen persönlichen Steward, der am Morgen das Frühstück in der Kabine serviert. Er weiß auch, wie man die kleinen Abteile am besten nutzt, und während die Passagiere in großer Robe das Menü im Restaurant genießen, verwandelt er die Sitzsofas zu Betten. In ihnen lassen sich die beschwingten Gäste nach dem Cocktail in der Bar in den Schlaf schaukeln (www.orient-express.com).
El Transcantabrico: Die achttägige Zugreise durch Spanien verläuft vom Pilgerstädtchen Santiago de Compostela über Oviedo und Bilbao bis nach León oder umgekehrt. Die Kabinen sind mit einem Doppelbett, Minibar, Kleiderschrank und Schreibtisch ausgestattet und verfügen über ein kleines Bad mit Dusche und WC. Nachts bleibt das rollende Hotel im Bahnhof stehen und ermöglicht damit geruhsame Nächte.
Zum Zug gehören vier Salonwagen. Hier können die Gäste abends tanzen. Sessel laden alternativ zum Verweilen ein. Auch das Frühstück für die maximal 54 Passagiere wird hier serviert, die Mittags- und Abendmenüs werden dagegen in Restaurants an der Strecke zelebriert. Bestandteil der Reise sind Ausflüge, für die ein Begleitbus bereitsteht. Auf dem Programm stehen unter anderem Ribadeo, die "Weiße Stadt an der grünen Küste", der Nationalpark Picos de Europa und das Guggenheim Museum in Bilbao (www.transcantabrico.feve.es).
Royal Scotsman: Wolkenschatten jagen hin und her, manchmal wandern sie auch ganz langsam über die Kuppen der Berge, die mit Heidekraut bedeckt sind. Dramatisch rücken die Felswände, deren Flanken steil in schwarzblaue Seen stürzen, enger zusammen. Dann wieder weitet sich das Tal. Schafe sind als weiße Tupfer auf grün-braunem Hintergrund zu sehen. Dieser Blick auf die schottischen Highlands bietet sich aus den Waggons des Royal Scotsman: 180 Meter lang ist der tiefrote Zug, der bis zu 36 Gästen Platz bietet. Überall glänzt Mahagoni, und die über Eck stehenden Betten sind mit karierten Decken überzogen.
Zum Dinner erscheinen die Passagiere im Abendkleid und Smoking. Gern gesehen wird ein Kilt, den sich die Gäste in Edinburgh, wo alle Reisen beginnen und enden, ausleihen können. Aufgetischt werden zum Beispiel Hummer und Languste, Wildente und Beef vom Angusrind. Später treffen sich die Passagiere im Panoramawagen zum Drink. Der Zug wird nachts in einem Bahnhof abgestellt. Während der fünftägigen Reisen durch die Highlands besuchen die Gäste eine Whiskybrennerei, sie erleben eine private Führung durch Glamis Castle und unternehmen auch einen Ausflug zum Highland Wildlife Park (www.royalscotsman.com).
Transsibirische Eisenbahn: Die längste Zugreise der Welt beginnt in Moskau im Jaroslawler Bahnhof. Wer hier in den Zug steigt und ihn in Wladiwostok am Japanischen Meer wieder verlässt, war rund acht Tage unterwegs, hat eine Strecke von 9289 Kilometern zurückgelegt und sieben Zeitzonen durchquert. Das Einzigartige an dieser Zugreise sind die Menschen, die sich zwischen Moskau und Peking oder Wladiwostok begegnen: zufällig, für kurze Zeit und doch so intensiv. Nichts ist eilig, mit maximal 80 Stundenkilometer rumpelt der Zug durch die Weite des Landes - mehr lassen die ausgefahrenen Gleise nicht zu.
Die Transsib-Tour ist keine Luxusreise. Jeweils vier Gäste teilen sich ein Abteil, zu jedem Waggon gehören zwei Waschräume und Toiletten. Mitreisende Schaffnerinnen sorgen für das Bettzeug, die Sauberkeit und Sicherheit. So oft wie gewünscht, bereiten sie mit dem summenden Samowar Tee zu. Der Speisewagen bietet Essen und Getränke in akzeptabler Qualität. Unterwegs bieten Frauen an den Bahnsteigen Proviant an, manchmal auch nur einen Becher mit Waldbeeren. Alles ist gut und preiswert. Wer mehr Komfort sucht, kann sich auch für den Touristen-Sonderzug Zarengold entscheiden (www.transsib.de).



