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Italien: Pisa, Pinien, Pizza - die andere Toskana

zuletzt aktualisiert: 06.10.2005 - 11:04

Pisa (rpo). Wer nach Pisa reist, der besichtigt den schiefen Turm. Doch in der Toskana, entlang des Arno, gibt es vielmehr zu bestaunen, als "nur" den Domplatz mit seinem weltbekannten Bauwerk. Die Region ist seit Jahrhunderten besiedelt und dementsprechend geschichtsträchtig. Selbst Petrus setzte hier auf seinem Weg nach Rom seinen Fuß aufs Festland.

Für viele Toskanabesucher ist der Domplatz, dieses unbestritten eindrucksvolle Ensemble von Dom, Glockenturm, Baptisterium und Camposanto in einheitlich weißer Marmorverkleidung das, was Pisa ausmacht. "Sie wissen nichts von unserer reichen Geschichte als einstmalig ruhmreiche Seerepublik", klagt Fabricio vom Touristikbüro. Sie vermuten hier auch nicht eine der ältesten Universitäten Italiens. Und sie ahnen meist nichts von Naturschutzparks und der Nähe zum Meer.

"Mehr als unser Wahrzeichen regten seit jeher Pisas Uferstraßen am Arno mit ihren Kirchen, Palästen und den sich zum Fluss hin öffnenden Plätzen Poeten und Maler an", erläutert Fabricio und lädt ein, die Stadt an ihrer Lebensader aus dem Blickwinkel der Händler, Pilger und Ritter zu betrachten. Die Bootsfahrt bis zur Arnomündung führt durch die Innenstadt vorbei an Stadthäusern und Palästen aus der Zeit der Medici, einem Benediktinerkloster und an der ans Ufer versetzten Kirche Santa Maria della Spina bis zum zweiten schiefen Turm von Pisa, dem Glockenturm von San Michele degli Scalzi. "Mit dem Kirchturm von San Nicola haben wir sogar noch einen dritten schiefen Turm", ergänzt Fabricio.

Auf den Spuren von Petrus

Bis zur Arnomündung sind es heute etwa 15 Kilometer. Zur Zeit der Römer, die hier am Thyrrhenischen Meer einen wichtigen Flottenstützpunkt besaßen, waren es nur 6. Mit dem Landgut San Rossore liegt hier heute das Naturjuwel der Provinz Pisa. Der Naturschutzpark, in dessen Sumpfniederungen zahlreiche seltene Vögel ihr Winterquartier finden, ist eingebettet in die für die toskanische Küste charakteristischen Pinienwälder. "Die Hälfte von Italiens Pinienproduktion kommt von uns", sagt Fabricio. Aber schon laden die herrlichen Alleen und Waldwege zum Wandern, Radfahren und Reiten ein. Auch lockt der Strand im Badeort Marina di Pisa.

Fabricio hat wenig Zeit. Er will in zehn Tagen heiraten. Trotzdem lässt er es sich nicht nehmen, weiter mit auf Erkundungstour durch die Provinz Pisa zu gehen. Überaus störend ist der Stacheldrahtzaun amerikanischer Militärbasen am Straßenrand. Dann fällt der Blick auf eine romanische Basilika. "Sie wurde genau an der Stelle erbaut, wo der heilige Petrus auf dem Weg nach Rom an Land ging. Heute finden hier vor allem Trauungen statt", erklärt Fabricio und lächelt versonnen. Er heirate in dem kleinen Ort, wo seine Frau zu Hause ist, wehrt er die Fragen ab. Den Namen gibt er nicht preis.

Das Tor zum Mittelmeer

Der 23.000 Hektar große Naturpark, zu dem neben San Rossore auch Migliarino und die Sumpfgebiete von Massaciuccoli gehören, zieht sich an der Küste entlang nach Süden bis Livorno. Das einstige Fischerdorf um den Turm der Gräfin Matilde von Canossa ist das toskanische Tor zum Mittelmeer. Die Medici, Großherzöge der Toskana, bauten Livorno zum neuen Hafen des florentinischen Staates aus, weil der Hafen von Pisa versandete, und schufen eine fünfeckige Idealstadt. Das Denkmal des Gründers Fernando I. di Medici mit vier angeketteten Maurensklaven zu seinen Füßen erinnert daran.

Der Zufluss des Meerwassers in die Stadt erfolgt über die alten Gräben und Kanäle des Viertels "Venezia Nuova", das im Stil der berühmten Lagunenstadt erbaut wurde und zwischen den Bastionen der alten und neuen Festung liegt. Ein "Stadtbummel" auf dem Medicikanäle genannten dichten Geflecht aus befahrbaren Wasserstraßen führt auch unter Livornos Hauptplatz von fast 300 Metern Länge hindurch und an einer Kirche vorbei, die jetzt als Gefängnis dient. Recht abenteuerlich gestaltet sich zum Abschluss der Einstieg in die Lagerkeller der Markthalle auf Wasserniveau, wo früher die Waren angeliefert wurden.

Spazierweg zur ersten Badeanstalt Italiens

Obwohl 1943 stark zerstört, atmet Livorno kosmopolitische Vergangenheit. So war die Stadt wegen der 1593 konstitutionell zugesicherten Freiheit des Aufenthalts Zufluchtsort für Menschen, die aus rassistischen, religiösen oder politischen Gründen verfolgt wurden. Die entstandene bunte Mischung unterschiedlicher Volksgruppen lockte nicht nur Literaten wie Carlo Goldoni (1707-1793) an, sondern spiegelt sich auch in der Speisekarte wieder. So sollen Juden aus Portugal und Spanien die Tomaten mitgebracht haben.

Am quirligen Hafen beginnt ein kilometerlanger Spazierweg am Meer entlang, gesäumt von majestätischen Palästen und Jugendstilvillen, die von Pinien, Tamarisken und Oleanderbüschen umgeben sind. Gleich nach Livorno fällt die Felsenküste steil ins Meer ab und formt zauberhafte Buchten. Hier entstanden im 19. Jahrhundert die ersten Badeanstalten Italiens. Die als "Etruskische Riviera" bezeichneten Badegebiete außerhalb Livornos bieten eine Vielzahl von Sportmöglichkeiten. Weltberühmt sind auch die Thermalquellen in den zahlreichen traditionellen Kurorten der Pisaner Hügellandschaft, wo im November die weißen Trüffel geerntet werden.

Quelle: afp

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