Squaw Valley in Kalifornien: Pulverschneevergnügen zwischen Pazifik und Wüste
zuletzt aktualisiert: 29.11.2006 - 14:18Lake Tahoe (RPO). Für den europäischen Skifahrer sind diese Pisten ein Paradies: Kaum eine Menschenseele ist wochentags auf den Hängen von Squaw Valley und Umgebung unterwegs. So wird Skifahren in dieser spannenden Region zwischen Pazifik und Wüste zu einem einzigartigen Erlebnis.
"Europäisch" gilt in den Skigebieten von Kalifornien als Markenzeichen: in der Architektur nachempfundener Alpendörfer, bei den zaghaften Versuchen eines europäischen Après-Ski-Ambientes und gerne auch bei der Herkunft der Skilehrer. Aber beim Schnee, da sind sich Besucher einig, soll es möglichst amerikanisch bleiben: Die weiße Pracht ist hier immer reichlich und weich und bis in den späten Frühling eine ideale Grundlage. Vereiste Pisten sind ein Fremdwort in Lake Tahoe und Mammoth Mountain.
Drei Stunden bis San Francisco
"Der Schnee hat hier mehr Feuchtigkeit, wegen der Nähe zum Pazifik", sagt Ernst Häger, ein Österreicher, der seit 1971 in den USA lebt und heute Betriebsleiter des Skigebietes Squaw Valley ist. In drei Autostunden erreicht man von dort den Pazifik bei San Francisco. "Im Frühjahr friert der Schnee wegen des klaren Himmels besser über Nacht und bleibt dann länger hart." 300 Sonnentage hat Kalifornien im Jahr zu bieten. Wenn es schneit, dann meist kurz und heftig. Oft gibt es mehr als einen Meter über Nacht, obwohl Lake Tahoe nach dem Breitengrad auf der Höhe von Mallorca liegt.
Squaw Valley ist eins von neun Skigebieten am nördlichen Ende des Tahoe-Sees. 1960 fanden hier die Olympischen Winterspiele statt. Die Erinnerung hängt bis heute in der Luft. Selbst Pistenwärter Sean, der noch gar nicht geboren war, als Heidi Biebl aus dem Allgäu die Goldmedaille in der Abfahrt holte, sagt: "Ein cooles Gefühl zu wissen, dass das hier mal stattgefunden hat". Squaw Valley ist bekannt für seine Extrem-Abfahrten und riesige Kegel voller Pulverschnee. Innerhalb der markierten Grenzen des Skigebiets kann jeder fahren, wie er will, auch abseits der präparierten Pisten.
Nicht rasen
Pisten-Etikette wird groß geschrieben. Wer im Schuss an Sean vorbeirauscht, wird unten angehalten. "Wir sagen den Leuten, dass man hier nicht rasen darf." Wer's nicht kapiert, läuft Gefahr, sein Ticket zu verlieren. Wer europäisches Gedränge gewohnt ist, wird verwöhnt. Am Lift zum Beispiel: Es geht immer der Reihe nach, die Läufer fädeln sich in Vierergruppen ein, Lifthelfer weisen die Gruppen ein und verteilen nebenbei Schnupftücher und Pistenpläne.
Die kalifornischen Skigebiete sind Wochenend-Ausflugsziele. An den Wochentagen herrschen für alpengewohnte Skifahrer paradiesische Zustände. Wartezeiten am Lift sind eine Seltenheit.
Guter Ausgangspunkt für viele Skigebiete ist Truckee mit dem Hauch einer Westernstadt. "Selbstgekochtes nach Großmutters Art" preist das Café an der Donner Pass Road an. Attraktion ist die Jazz-Kneipe "Moody's" im "Truckee-Hotel" von 1873. "Hier wird immer der frischeste Jazz serviert", steht an der Tür. Auch die anderen Skigebiete - Northstar, Alpine Meadow und Sugar Bowl etwa - haben Pisten und Terrain für alle Könner-Ebenen. Auf breiten Abfahrten wie "Broadway" oder "Gold Coast" toben sich vorsichtigere Läufer aus. Wenn eine Piste aber wie in Alpine Meadow "Vater unser" heißt und mit einem Totenkopf gekennzeichnet ist, sind Verzagte fehl am Platz.
Himmlisch
Mitten im Skivergnügen macht sich der 680 Quadratkilometer große Tahoe-See breit. Am Südufer des Sees liegt Heavenly - Himmlisch auf Deutsch. Der Name ist, was den Ausblick angeht, Programm: Der Blick auf den See vor der Kulisse der schneebedeckten Sierra-Berge ist atemberaubend. Das Skigebiet ist nach Angaben von Tourismus-Sprecherin Lynsey Wright mit 23 Liften und 92 Abfahrten das zweitgrößte der USA nach Vail in Colorado.
Etwa vier Autostunden südlich von Lake Tahoe liegt Mammoth Mountain mit 28 Liften und 1400 Hektar Skigebiet. Mammoth ist das Wochenend-Skigebiet für Los Angeles, auch wenn die Reise fünf Stunden dauert. Doch die weiten Pisten und die riesigen Hänge sind selbst am Wochenende nur mäßig voll. Markenzeichen ist der reichliche Schnee. Die Saison dauert bis weit in den April.
Informationen: Broschüren zu Kalifornien und den Skigebieten gibt es bei: Truber Touristik, Schwarzwaldstraße 13, 63811 Stockstadt (Tel.: 06027/40 11 08, E-Mail: Touristikdienst_Truber@t-online.de). Internet: www.visitcalifornia.com, www.visitinglaketahoe.com, www.visitmammoth.com, www.skihaevenly.com, www.squaw.com.
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