Flair alter Zeiten: Reizvolle Pfahlbäder am Bodensee
VON CARLA REGGE-PYPER - zuletzt aktualisiert: 09.08.2010 - 14:03(RP). Am Bodensee sind noch drei historische Pfahlbäder erhalten. Sie vermitteln das Flair alter Zeiten. In Bregenz hat ein Hotel an diese Tradition angeknüpft und ein neues Haus gebaut.
Gemeinhin gelten die Bewohner am Bodensee nicht als aufmüpfig. Aber wenn es um den Erhalt der alten Holzbadehäuser auf Pfählen im See geht, ziehen sie schon mal demonstrierend zum Rathaus. Protesten ist es zu verdanken, dass drei historische Pfahlbäder bis heute erhalten blieben: das „Aeschacher Bad“ in Lindau, die Bregenzer „Mili“ in Österreich und am Schweizer Ufer die „Badhütte“ in Rorschach.
Alle anderen öffentlichen Holzpfahlbäder gingen im Laufe der Zeit den Weg alles Irdischen. Denn immer wieder zerfetzten wütende Föhnstürme Holzpfähle und Planken. Spätestens dann ließen nüchterne Rechenexempel den Ruf nach der Abrissbirne laut werden, um stattdessen größer, praktischer und zeitgemäßer zu bauen. Mit modernen Badeparadiesen haben diese alten Bretterbuden nichts gemein. Einfach, altmodisch und dennoch heiß geliebt: Zuerst betört der feine Geruch des sonnenerwärmten naturbelassenen Holzes. Der türkisgrüne See plätschert beruhigend unter den Bohlen. Die Gäste können durchatmen, das warme Holz auf der Haut spüren, dem Wasser ganz nah sein und die spektakuläre Bodenseelandschaft genießen.
An ihren einzigartigen Charme kommt kein gekacheltes Schwimmbad heran. Das hat sich herumgesprochen: So hat das Seehotel „Am Kaiserstrand“ in Lochau bei Bregenz ein exklusives Pfahlbadehaus im modernen Vorarlberger Holzbaustil gebaut, das mit schicker Bar und Bistro für jedermann zugänglich ist. Wo einst Kaiser Karl die Sommerfrische genoss, steht nun ein helles, lichtes Gebäude mit Sonnenterrasse und einem See-Einstieg.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts machten sich Behörden und Ärzte für den Bau von Seebädern stark. Damals geboten Sitte und Anstand, dass das Badeleben vom Ufer nicht einsehbar war. Kein Blick durfte auf die sowieso bis zum Hals verhüllten Körper der Badenden fallen, weshalb die Kastenbauten dem Ufer ihre Rückfront zeigen und nur über einen Steg zugänglich sind.
Die Rorschacher Badhütte, ein imposanter Kastenbau von 1924, hat es sogar zum Wahrzeichen der Stadt gebracht. Allerdings dürften neue Gäste zunächst irritiert sein: Über dem rechten Eingang steht „Frauenbad“, über dem linken „Männerbad“. Sollten die Rorschacher noch immer Männlein und Weiblein im Bade trennen? Nein, nach dem Umkleiden können sich die Geschlechter wieder mischen.
Auch in der „Mili“, wie die Bregenzer das ehemalige Militärbad nennen, gibt es strenge Territorien, so dass neue Gäste nie ohne zu fragen ihr Handtuch ausbreiten sollten. Während sich die Jugend nach „Afrika“, dem entlegensten Sonnendeck des doppelstöckigen Holzkastens zurückzieht, beherrschen die Damen die „Kommandobrücke“.
Eine Oase der Stille ist dagegen das Aeschacher Bad neben dem Bahndamm zur Lindauer Insel. Wenn an heißen Wochenenden überall am See „der Bär tobt“, finden Ruhesuchende dort ein Refugium. Bis zu 100 meist ältere Gäste kommen an einem Sommertag, mehr nicht. Zu klein, zu intim wirkt das lindgrüne anmutige Stelzenhäuschen. Ruhig, beschaulich und gesittet soll es zugehen. „Sonnenbaden oben ohne nur im Liegen! String-Tanga verboten!!!“, mahnt ein Schild auf der Terrasse.
Infos:
Bregenz Mili, Reichsstraße, Eintritt Erw. 3,90, Kinder zw. 1,70-2,80 Euro, Tel. +43/557444242-0
Bregenz Seehotel am Kaiserstrand, Kaiserstrand 1, Lochau/Bregenz, Erw. 11, Kinder 5 Euro (inkl. Liege)
Rorschach Badhütte Thurgauerstr. 26, Tel. +41/718411684, Erw. 4,50 CHF (mit Kabine), 3 CHF ohne, Kinder 1,50 CHF
Lindau Aeschacher Bad, Lotzbeckweg 3, Lindau, Tel. 08382-23446



