Wellness in Spanien: Schlammschlacht im Bikini
zuletzt aktualisiert: 27.03.2009 - 10:22Murcia (RPO). Über den ganzen Körper wird der dunkle Schlamm verrieben, nur der Bikini bleibt verschont. Und die Spanierinnen haben sichtlich Spaß dabei. Anschließend trocknet die braune Masse bei einem Spaziergang auf der Promenade. So geht Wellness in Südspanien.
An der Costa Cálida, der "heißen Küste", brennt die Sonne unbarmherzig vom Himmel. Doch die Spanierin hat sich nicht verbrannt. Mit ihren Freundinnen ist sie nach Lo Pagan ans Mar Menor gekommen, um sich dort mit Heilschlamm einzureiben. Das Gewässer, rund 100 Kilometer von Alicante und den Stränden der Costa Blanca entfernt, ist bei Sonnenanbetern und Familien mit Kindern beliebt. Auch im Winter gehört die Region zu den wärmsten Spaniens.
Eine schmale, rund 20 Kilometer lange Landzunge trennt das Mar Menor - das "kleine Meer" - vom Mittelmeer. Sein Wasser ist ruhig, nirgendwo tiefer als sieben Meter und meist fünf Grad wärmer als östlich der Landzunge. In den Hotelanlagen und Ferienkomplexen rund ums Mar Menor verbringen bisher vor allem Spanier ihren Sommerurlaub.
Lo Pagan ist ein Ortsteil von San Pedro del Pinatar am Nordende der Lagune und bekannt für die heilenden Eigenschaften seines Schlamms. Er wirkt entzündungshemmend und wird gegen Rheuma, Gicht und Arthritis, aber auch bei Hauterkrankungen wie Akne eingesetzt. "Die Fangoschicht wirkt wie ein Löschpapier und befreit die Haut von Giftstoffen", heißt es auf erklärenden Tafeln an der Strandpromenade.
In kleinen Plastikeimern holen die Urlauber den dunklen Schlamm vom Meeresgrund und reiben sich damit ein. Ist die schwarze Masse inder Hitze der südspanischen Sonne zu einer grauen Schicht erstarrt, wird sie wieder abgewaschen.
Schon die Römer badeten hier
Die therapeutischen Eigenschaften von Schlamm und Salzwasser wurden schon von den Römern genutzt, die im kargen Landesinneren bei dem Ort Fortuna ihre Spuren hinterlassen haben. Es waren heiße Thermalquellen, die die Römer in die Gegend lockten: Rund drei Kilometer von Fortuna entfernt haben Archäologen ein römisches Balnearium entdeckt: Besucher genossen hier das heilsame Wasser, das 53 Grad heiß aus dem Boden sprudelte.
Auch das "Balneario de Leana" nutzt diese Quellen. Die Anlage ist eines von Spaniens ältesten Thermalbädern. Atemwegserkrankungen oder Rheuma sind typische Beschwerden, bei denen das Quellwasser zum Einsatz kommt, aber es soll auch bei simplem Stress helfen. Vom Wasser im 34 Grad warmen Außenbecken schweift der Blick über Palmen, Obstgärten und Bergzüge. Nur wenig lenkt hier von der Erholung ab.
Auch im 18 Kilometer entfernten Archena steht Ruhe an oberster Stelle. Inmitten des Naturparks Valle de Ricote liegt in der grünen Landschaft ein zweites Thermalbad: Das "Balneario de Archena", heute ein moderner Hotel- und Spakomplex, war schon im 18. Jahrhundert eine Anlaufstelle für viele Spanier. Die "Archena-Massage" ist eine spezielle Behandlung mit Schlamm und Wasser: Die Massageliege wird unter mehreren Duschköpfen platziert, aus denen warmes Quellwasser auf den Körper plätschert. Nur die Stelle, die die Masseurin gerade bearbeitet, ist ausgenommen. Feiner Schlamm ersetzt das Massageöl.
Tapas-Hochburg
Die Gegend um die Provinzhauptstadt Murcia ist als "Gemüsegarten der Nation" bekannt. Weil die Region zu den wärmsten des Landes zählt, nutzten schon die Mauren ausgeklügelte Bewässerungssysteme, um die Ebenen des Flusses Segura urbar zu machen. Heute werden die riesigen Felder und Gewächshäuser mit Wasser aus dem Fluss Tajo in Zentralspanien versorgt. Mehr als die Hälfte des hier produzierten Obst und Gemüses geht in den Export.
Die frischen Zutaten finden aber auch Verwendung in Murcias Küche. Die Stadt ist bekannt für ihre Tapas - köstliche Appetithäppchen. Wie wäre es mit etwas "Zarangollo", Rührei mit Gemüse? Oder "Michirones", ein Bohneneintopf mit Chorizo? Und zum Nachtisch vielleicht einige "Paparajote", frittierte Zitronenbaumblätter mit Zucker und Zimt? Der Platz vor der großen Kathedrale mit ihrer Barockfassade ist ein guter Treffpunkt für einen Feinschmecker-Rundgang durch Murcia. Von hier aus führen schmale Gässchen in die Altstadt. Durch die lässt man sich treiben zu einem der zahlreichen Plätze, um in den Taperias ein paar der kulinarischen Kleinigkeiten zu probieren.
Mit Cartagena, der zweitgrößten Stadt der Region, verbindet Murcia eine ständige Rivalität. Die Hafenstadt, mit 175 000 Einwohnern etwa halb so groß wie die Provinzhauptstadt, ist unter Kreuzfahrtgästen ein bekanntes Ziel. Die Schiffsurlauber strömen durch die Innenstadt und bewundern das im Jugendstil erbaute Rathaus oder die aus dem 13. Jahrhundert stammende Kathedrale Vieja Santa Maria. Besonders voll wird es bei der einwöchigen Fiesta im September, wenn die Einwohner als Karthager und Römer verkleidet durch die Straßen ziehen, um an die Geschichte der Stadt in der Antike zu erinnern.
Informationen: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Myliusstraße 14, 60323 Frankfurt (Tel.: 069/72 50 38, für Broschüren: 06123/991 34); Internet: www.spain.info, www.murciaturistica.es.


