Die Wunderwelt der Steine: Schleifer lassen funkelnde Schätze entstehen
zuletzt aktualisiert: 14.01.2012 - 09:36Kirschweiler/Idar-Oberstein (RPO). Leise surrt der elektrisch betriebene und wassergekühlte große Schleifstein in einer Edelsteinwerkstatt in Kirschweiler im Kreis Birkenfeld. Martin Hess, Edelsteinschleifer in der dritten Generation, bearbeitet mit dem Sandstein einen Bergkristall und einen violetten Amethysten. "Ich mache einen schönen, fachgerechten Facettenschliff und danach kommen die Steine zu einem Goldschmied", erklärt der 51-Jährige. Welches Schmuckstück aus den Steinen letztlich entstehen wird, weiß er nicht.
Kirschweiler ist einer von 25 Orten, die rund um Idar-Oberstein an der 48 Kilometer langen Deutschen Edelsteinstraße liegen. Insgesamt gibt es in der Region rund 650 Betriebe, die Edelsteine be- und verarbeiten. Dazu gehören auch Goldschmiede, Silberschmiede, Graveure und Designer sowie zwei intakte historische, mit Wasser angetriebene Achatschleifereien. Auch die Deutsche Edelsteinbörse hat in Idar-Oberstein ihren Sitz.
Einblicke in ein altes Handwerk
Mehr als 60 der teils traditionellen, teils modernen Schleifereien gestatten Touristen Einblicke in ihre Arbeit. Bei ihnen können Besucher handgearbeitete Schmuckstücke aller Art kaufen, aber auch außergewöhnliche funkelnde Schätze besichtigen.
Edelsteinschleifer Hess zum Beispiel zeigt eine 156 Kilogramm schwere, offene Amethyst-Druse - so nennt der Fachmann einen mit Kristallen besetzten Hohlraum im Stein.
Nirgendwo auf der Welt könne das Wunder der Edelsteine so "intensiv und mystisch" erlebt werden wie hier, ist der Leiter der Touristinformation Idar-Oberstein, Dietmar Brunk, überzeugt. So sei der sogenannte Steinkohlenberg die europaweit einzige Edelsteinmine, die besichtigt werden könne. Der Besucher könne hier nachvollziehen, wie Edelsteine entstehen und wachsen. Dazu kommt das Deutsche Edelsteinmuseum mit seinen 10.000 Exponaten wie auch ein Edelsteingarten bei Kempfeld, wo mehr als 100 Rohsteine bestaunt werden können.
Edelsteine suchen und selbst verarbeiten
Die Steine, die heute an der Edelsteinstraße im Hunsrück-Nahe-Raum bearbeitet werden, sind zu 99 Prozent Importe aus vielen Teilen der Welt. Abgebaut werden sie in der Region nicht mehr. Die Gegend gilt jedoch noch als Paradies für Sammler und Hobbymineralogen, die nach glitzernden Schätzen schürfen. "Da wurden schon tolle Drusen mit Quarzen und Kristallen gefunden", berichtet Wouter Südkamp, der geführte Exkursionen anbietet. Wer mit dem gebürtigen Holländer unterwegs ist, kann unter Anleitung seine Funde in einer Edelsteinschleiferei aufschneiden und dann die Steine selbst schleifen und polieren.
Gäste könnten aber auch lernen, wie sie Schmuckstücke individuell gestalten, sagt die Leiterin der Touristinformation Deutsche Edelsteinstraße, Karina Wagner: "Dafür bieten wir spezielle Edelsteinschleif-, Goldschmiede- und Gravurkurse an."
Wer die Augen von den funkelnden Steinen abwendet, kann an der Edelsteinstraße auch andere Attraktionen entdecken. Sehenswert sind das Kupferbergwerk Fischbach, das Fachwerkstädtchen Herrstein wie auch die imposante Wildenburg mit einem Freigehege und einem Wildkatzenzentrum. Für Freizeitsportler bietet die Region zudem gut markierte Wander- und Radwege durch die hügelige Landschaft.
Info:
Die Deutsche Edelsteinstraße führt in zwei Schleifen, 20 und 48 Kilometer lang, rund um die Stadt Idar-Oberstein zu den unterschiedlichsten Stätten der Edelsteinverarbeitung. Mehr als 60 Betriebe können auf Anfrage besichtigt werden. Ausgestattet mit Gäste- und Familienkarten, die zwei bis fünf Euro kosten, können Touristen 14 Sehenswürdigkeiten der Region zu vergünstigten Preisen besuchen. Darunter sind mehrere Museen, ein Kupferbergwerk, die Felsenkirche Idar-Oberstein und eine Keltensiedlung.
Angeboten werden zudem Mineraliensuche wie auch Kurse in Schmuckgestaltung. Nähere Angebote gibt es unter http://www.edelsteinstrasse.de, http://www.idar-oberstein-touristinfo.de und http:/www.suedkamp-exkursionen.de . Einen Tag unter fachlicher Führung selber schürfen kostet einschließlich der Aufarbeitung der Funde zwischen 24 und 32 Euro. Hobby-Seminare über drei bis fünf Tage im Edelsteinschleifen, Goldschmieden oder Gravieren werden zu Preisen zwischen 150 Euro und 550 Euro angeboten.
Die Region verzeichnet pro Jahr rund eine halbe Million Tages- und etwa 80.000 Übernachtungsgäste. Sie können neben der Edelsteinstraße auch Wanderangebote wie den Mittelalterpfad bei Herrstein, den Köhlerpfad am Steinbach bei Langweiler und den Naturpfad Idarbach nutzen. Letzterer verbindet das Erholungsgebiet Allenbacher Weiher, den Geopark Krahloch in Sensweiler, den Sirona-Weg, den Saar-Hunsrück-Steig und den Keltischen Ringwall Ringkopf miteinander und bietet für weniger geübte Wanderer durchaus eine Herausforderung.



