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panorama korea buddhafigur 2011
  Foto: RP, W. Scholl
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Raus aus der Hektik: Seelenfrieden in Korea finden

VON WOLFGANG SCHOLL - zuletzt aktualisiert: 06.02.2011 - 15:17

Düsseldorf (RP). Koreas Alltag ist hektisch, das Land hat sich in kürzester Zeit in die Spitze der Wirtschaftswelt katapultiert. Doch es gibt Inseln der Entspannung. Teezeremonien in einem traditionellen Wohnhaus oder rituelle Übungen in einem buddhistischen Kloster. Dabei werden für Touristen alle Sinne aktiviert.

Mit einer tiefen Verbeugung begrüßt Ryu Hyo-Jin seine Gäste in einem sogenannten Hanok-Haus in Suaedong. Das kleine Dorf liegt in der Nähe von Andong. Bis in Südkoreas 22-Millionen-Metropole Seoul sind es nur einige Autostunden. „Sie können mithelfen, das Zimmer vorzubereiten“, sagt Ryu.

Wer ans Bettenbauen in der Jugendherberge denkt, liegt nicht verkehrt. Allerdings: Zuerst wird Holz gehackt, dann die Steinheizung angefeuert. „Die Feuerstelle befindet sich direkt unter dem Boden ihres Zimmers“, erklärt Ryu. „In der Nische hinter der Papierwand liegen Decke und Bodentuch.“

Unserem Gastgeber gehört eines von 400 alten Hanok-Häusern, die die Beton-Bauwut der vergangenen 35 Jahre überlebt haben. „Unsere Gäste nehmen eine Auszeit. Sie wollen die Alltags-Hektik vergessen“, sagt Ryu und bittet zum Tee. Südkorea hat in jenen 35 Jahren den Sprung vom Entwicklungsland zur Nummer elf in der Wirtschaftswelt geschafft. Die Menschen haben durchschnittlich gerade mal 4,1 Urlaubstage im Jahr. Da lechzen die Menschen nach Erholung.

Charm Lee ist der Chef der Tourismusbehörde KTO, stammt aus Bad Kreuznach, hieß früher Bernhard Quandt und lebt seit 1978 in Seoul. Er berichtet von für deutsche Verhältnisse unvorstellbar schnellem Fortschritt. Mit der Leichtathletik-WM in Daeju (27. August bis 4. September), der Tagung des Deutschen Reisebüroverbands in Seoul im November und der Weltausstellung 2012 in Yeosu soll das Land auch in Deutschland bekannter werden.

Abschalten im Hanok-Haus

Wer als Europäer vom Alltag abschalten möchten oder auf einer Südkorea-Rundreise einen ruhigen Stopp sucht, dem empfiehlt Charm Lee ein paar Tage in einem Hanok-Haus und einen Aufenthalt in einem der vielen buddhistischen Kloster.

Im Hanok-Wohnzimmer der Familie Ryu wird unterdessen ein Chrysanthemen-Tee aufgebrüht. „Wir sammeln die Blüten, kochen, trocknen und stampfen die Blätter“, sagt Ryu. 200 Teesorten hat er im Haus. „Tee verheißt ein besseres Leben, Alkohol ein schlechteres“, zitiert er eine alte koreanische Weisheit. Alle Gäste sitzen im Schneidersitz auf einem Kissen. Ryu spricht über die fünf Elemente: Erde, Wasser, Feuer, Holz und Metall und empfiehlt: „Lassen sie sich darauf ein.“

Den Tee probieren wir in kleinen Schlucken - ohne Zucker, weil es den Geschmack verwässert. Solange nicht ausgetrunken wird, schenkt der Gastgeber nach und murmelt derweil: „Wir aktivieren die Sinne. Wir hören, wie das kochende Wasser in den Becher fließt, wir spüren das Aroma in der Nase, mit den Augen erleben wir die Farben, mit den Händen spüren wir, wie beim Umgreifen des Bechers die Wärme in den Körper übergeht. Mit der Zunge schmecken wir den Tee.“

Nachdem die Geschmacksnerven für mehrere Sorten Chrysanthemen-Tee geschärft sind, beginnt in dem nur aus Naturprodukten gebauten Haus die Nachtruhe. Auf dem Fußboden mit hartem Wärmekissen wird der Europäer zum Kurzschläfer. Zwar ist es warm, weil die Steinheizung die Hitze über die Nachtstunden hält, das Haus verfügt aber über eine beachtliche Geräuschkulisse, weil asiatische Papierwände keinen Laut schlucken.

Zum Frühstück erklärt unser Gastgeber, dass das vegetarische Essen mit Reis als Grundlage dabei hilft, die Sinne zu schärfen und aufzutanken. Durch die Verbindung von natürlichen Produkten mit sauren, süßen, scharfen, salzigen und bitteren Elementen ist es möglich, ein schmackhaftes, wenn auch gewöhnungsbedürftiges Essen zuzubereiten. Das bewusste Schmecken gelingt beim langsamen Essen mit den in Korea üblichen metallenen Stäbchen. Der Reis wird gemischt mit Gemüse, Bohnenblättern oder Kimchi, der Nationalspeise Koreas. „Das sind Kohlblätter, die mit Gewürzen wie Chili- oder Sojabohnenpaste zu verschiedenen Jahreszeiten eingelegt werden“, erklärt Ryu.

Auf dem Hof führt er uns zu einer Batterie von großen und kleinen Tontöpfen. Darin lagern Reis, Körner, verschiedene Sorten Kimchi und Gewürze. In den Tontöpfen, die überall im ländlichen Raum an den Häusern, in den Metropolen manchmal auf den Balkonen der Hochhäuser zu finden sind, halten sich die Zutaten über Jahre. Und Ryu hat Recht: Der Apfel-Chili-Salat als Frühstücks-Nachtisch ist wahrlich ein Gedicht.

„Wir leben in und mit der Natur“, sagt Ryu, als er zum Abschied das nur mit Holz, Lehm, Erde und Stein gebaute Haus erklärt. Er empfiehlt eine zweite Auszeit - in der Abgeschiedenheit eines buddhistischen Klosters.

Teilzeitmönch im Kloster

Unweit der alten koreanischen Hauptstadt GyeongjuIm liegt das Gogulsa-Kloster. Dort begrüßt uns zuerst einmal der aus dem siebten bis neunten Jahrhundert stammende, in Sandstein gemeißelte Buddha Maya Tathagata. Damit die Verwitterung gestoppt wird, thront er in einem Kasten aus Glas. Fünf Mönche, sieben Junior-Mönche und einige Anhänger des Sunmudo, einer Kampfsportart, suchen im Gogulsa-Kloster nach Seelenfrieden und Fitness und leben deshalb in totaler körperlicher Entbehrung. „Nichts ist ein Muss. Wir bekehren nicht, schalten Sie einfach ab“, lädt Mönch Jeog Un ein.

Der monotone Klang eines hölzernen Schlaginstruments begleitet uns durch den Tag. Am frühen Abend gibt es Reis, Gemüse und Suppe. Das karge Essen soll an die 108 Leiden Buddhas erinnern. Hinzu kommen 108 rituelle Übungen, die unseren steifen Knochen einiges abverlangen. Zur Tee-Zeremonie erklärt Jeog Un: „Der Körper gelangt mit der Seele in Harmonie über Atmung und Konzentration.“

Damit die Gäste dem Ziel möglichst nahe kommen, ertönt um 3.45 Uhr der Gong zum Morgengebet. Anschließend folgt das wortlose, ritualisierte Frühstück. Beim Paragongyang mit vier Schüsseln darf kein Reiskorn verloren gehen. „Wir betrachten unser Essen als eine Spende. Deshalb müssen wir darauf besondere Obacht geben. Durch die Stille und das Ritual konzentrieren wir uns ganz auf die Mahlzeit“, sagt Jeog Un.

Mit dem Blick auf die Mönche und in der Furcht, nur ja keinen Fehler zu machen, trinken und essen wir im gleichen Rhythmus aus den vier Schalen. Gereinigt werden die Behälter mit einem Stück Kimchi und einem Schluck Wasser. Wer den Ansprüchen des Aufsicht führenden Mönchs nicht genügt, muss später wie einer der Juniormönche vor den Augen aller Teilnehmer nachsäubern.

Zum letzten Mal schlägt die Holzglocke. Sie ruft zur Arbeit für das Kloster. Während der Übernachtungsgast das Haus verlässt, widmen sich die Mönche den buddhistischen Schriften oder trainieren bei den 108 Übungen Körper und Seele.

Infos: 

Anreise: Ein Flug von Frankfurt nach Seoul kostet bei Korean Air ab 942 Euro. Flugdauer etwa elf Stunden.

Rundreise: Elftägige Flugpauschalreise als Rundreise „Im Land der Morgenstille“ mit Dertour (Lufthansa) ab 1944 Euro. Nur Rundreise ab Seoul mit Dertour 1199 Euro (Höhepunkte Südkoreas, vier Tage, ab Seoul 499 Euro). Stopover-Programm Seoul (zwei Tage) ab 242 Euro. Die Rundreise „Korea und Japan entdecken“, (16 Tage) kostet ab Frankfurt ca. 3599 Euro. Eine Übernachtung im Hanok-Haus und ein Tempelaufenthalt ist bei Dertour auf Anfrage individuell buchbar. www.dertour.de, www.koreanair.de.

Hotels: Fraser Place Central (vier Sterne)ab 59 Euro; Grand Hilton (fünf Sterne) ab 91 Euro.

Reisezeit: September bis November und im Frühjahr zur Kirschblüte.

Währung: Ein Euro entspricht etwa 1500 Won.

Auskünfte: Allgemeine Informationen durch die staatliche Tourismusorganisation KTO unter www.german.visitkorea.or.kr.

Höhepunkte: Seoul: Palast Gyeonglokhung mit Nationalmuseum; Cheonggyecheon-Fluss; Nanta-Kochtheater; Einkaufsstraße Insadong; Nachtmärkte Dongdaemun und Namdaemun, Fischmarkt Noryangjin Andong: Dorf Hahoe Gyeongju (alte Hauptstadt): Bulguksa-Tempel, Seokguram-Grotte Busan: Jagalchi-Fischmarkt, Gurungalli-Strand, Busan-Tower Goseong, Grenzstadt zu Nordkorea im nordöstlichsten Zipfel am Japanischen Meer: Wiedervereinigungsobservatorium und Museum zum Korea-Krieg.

Quelle: RP

 
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