Kühle Höhlen und warme Seen: So schön sonnig ist Südkärnten
zuletzt aktualisiert: 27.04.2008 - 14:03Völkermarkt/Griffen (RPO). Ob Ballack nach dem Kroatien-Spiel in den Klopeiner See springt? Vermutlich werden unsere Nationalspieler während der beiden EM-Vorrundenspiele kaum Zeit haben für die Attraktionen Südkärntens. Da haben es gewöhnliche Touristen besser.
Auf die Gäste, die zum Sommerurlaub in die Region im Süden Österreichs reisen, wartet eine breite Palette an Ausflugsmöglichkeiten. Höhlen und Burgen gehören ebenso dazu wie Europas wärmster Badesee.
Das Thermometer zeigt 33 Grad an, doch vor der Kirche von Griffen ziehen sich die Urlauber Fleecepullis über den Kopf. Auf sie wartet ein Temperaturschock: In der Tropfsteinhöhle des Ortes ist es 8 Grad kühl. "Bei schlechtem Wetter haben wir 16 Touren am Tag, jede halbe Stunde", sagt Höhlenführerin Melanie. Schlechtes Wetter kann Regen, aber auch Hitze und ein wolkenloser Himmel sein. "Es ist zu heiß für Aktivitäten im Freien, daher kommen die Leute zu uns", sagt Melanie.
Bunteste Tropsteinhöhle des Landes
Die Besucher dringen ein in eine Welt, die schon vor 20.000 Jahren als Unterschlupf diente, dann aber lange Zeit vergessen war. Erst auf der Suche nach Luftschutzräumen im Zweiten Weltkrieg wurde die Höhle wiederentdeckt. Forscher fanden heraus: Der Berg unter der Griffener Schlossruine ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Die Attraktion kann mit der Größe der Obir-Höhle südöstlich von Klagenfurt zwar nicht mithalten, gilt aber als "bunteste Tropfsteinhöhle" des Landes.
Griffens Schlossberg ragt 132 Meter hoch, die meisten Ruinen am Gipfel stammen von der Burg, die im Jahr 1520 hier stand. Ein steiler und zunächst schattiger Fußweg führt hinauf. Er ist zugleich ein Naturlehrpfad, der Touristen nahe bringt, dass bis zu 80 Zentimeter lange Horn- und Sandvipern am Berg leben - die giftigsten Schlangen Österreichs. Nachgewiesen werden können auch 119 Spinnenarten.
Griffen ist eine von mehreren Burgen in Klagenfurts Umland. Eine andere ist Hochosterwitz aus dem 16. Jahrhundert. Auch hier gibt es einen Fußweg, der sich durch 14 Tore den Berg hinaufwindet. Im Burgmuseum erzählt der Führer gerne die Geschichte vom Hauptmann Reinhard Schenk, der seine Zeitgenossen mit einer Größe von 2,25 Meter deutlich überragt haben soll. Der Legende zufolge lief er bei einer Belagerung zum Fuß des Berges, um den Feinden zu erzählen, dass er der kleinste und schwächste Mann auf der Burg sei - worauf die Soldaten das Weite suchten. Der ausgestellte Rüstpanzer des Hauptmanns wiegt 45 Kilogramm. "Schenk muss tatsächlich gelebt haben, denn es gibt Abnutzungsspuren an der Rüstung", sagt der Burgführer.
Eine weitere interessante Burganlage ist Glanegg nordwestlich von Klagenfurt. Ein Verein hat die alten Gemäuer 1997 zu neuem Leben erweckt. Fast 100 Jahre hatte Glanegg unter hohem Gestrüpp einen Dornröschenschlaf verbracht, der damit begonnen hatte, dass in den Jahren 1903 bis 1906 das Dach abgenommen wurde, damit der Besitzer die Dachsteuer nicht länger zahlen musste. "Es kommen 10.000 Besucher im Jahr und dazu die Teilnehmer an den Festen, wenn wir die Burg komplett vermieten", erzählt Isolde Hohenberger vom Burgverein.
Wärmster Badesee Europas
Neben den Höhlen und Burgen sind es aber vor allem die Seen, die Südkärntens Ruf als Urlaubsziel über Jahrzehnte gefestigt haben. Am größten von allen, dem Wörthersee, ist im Sommer nahe der Badestellen oft kaum ein Parkplatz zu bekommen. Ähnlich populär ist aber auch der Klopeiner See, der mit 28 Grad Wassertemperatur als wärmster Badesee Europas gilt. Das Wasser reicht Erwachsenen auch etwa 15 Meter vom Ufer entfernt nur bis zum Oberschenkel - ideal für Familienferien.
Für Andreas Krobath, Chef der regionalen Tourismusorganisation, geht es aber darum, "nicht immer nur die Badeseen im Blick zu haben". Immerhin gebe es in der Region auch mehr als 800 Kilometer Wanderwege sowie knapp 1250 Kilometer Rad- und Mountainbikerouten. Die Strecken führen zum Teil in Hochlagen, wo Wind für Abkühlung sorgt, wenn es im Sommer mal heiß wird. Das Dorf Diex etwa am Südhang des Gebirgszuges Saualpe gilt als sonnenreichster Ort Österreichs mit mehr als 2000 Sonnenstunden pro Jahr. Zugleich ist es hier oft sieben, acht Grad kühler als im Klagenfurter Becken. Mit ihren eher sanften Steigungen bietet sich die Saualpe für Wanderungen auch mit kleinen Kindern an.
Mehr Trittsicherheit in hochalpinem Gelände fordert eine Tour in "die Petzen" im Südosten Kärntens. Eine Kabinenbahn bringt Wanderer bis in 1708 Meter Höhe, dann geht es weiter zum Kniepssattel und über einen schmalen Pfad an der slowenischen Grenze entlang zur 2114 Meter hohen Feistritzer Spitz. Hüfthohe Krüppelkiefern stellen sich dem Wind entgegen, der kräftig aus Süden weht, so dass jeder froh ist, zum Abgrund in Richtung Norden einige Meter Distanz halten zu können. Vom Gipfel reicht der Blick weit über Kärnten: Saualpe, Wörthersee und Klagenfurts Flughafen sind gut zu erkennen. Eigentlich könnte man hier stundenlang sitzen, doch die Zeit drängt, denn die Bergbahn fährt nur bis 17.00 Uhr ins Tal. Wer die letzte Gondel verpasst, hat einen dreistündigen Marsch zum Parkplatz vor sich - das motiviert.
Informationen: www.kaernten.at, www.klopeiner-see.at


