Urlaub im Kloster: Spirituelle Herbergen auf Zeit
zuletzt aktualisiert: 20.02.2007 - 09:21München/Düren (RPO). Besuchen und besichtigen kann man sie - doch die Klöster von heute haben mehr zu bieten. Auf der Suche nach Ruhe, Inspiration und Besinnung bieten sie so manchem Urlauber eine spirituelle Herberge.
Etwa 530 Männerorden und fast 2800 Gemeinschaften der Klosterfrauen gibt es in Deutschland, aber hier finden kaum Fremde Zutritt. In der Regel werden die Besucher in Gästehäusern untergebracht. In wenigen Ausnahmen dürfen sie nach vorheriger Absprache am klösterlichen Alltag teilnehmen.
Dennoch nutzen jedes Jahr tausende Menschen die Möglichkeit zum Urlaub im Kloster. "Knapp 300 Klöster in Deutschland nehmen Gäste auf", sagt Arnulf Salmen, Sprecher der Deutschen Ordensobernkonferenz in Bonn. "Konfessionelle Grenzen gibt es nicht."
Besinnungstage mit Teilnahme an Schweigeexerzitien offeriert beispielsweise die Erzabtei Beuron der Benediktiner im Naturpark Obere Donau in der Nähe von Tuttlingen. Die Mönche haben dazu ihren Gästetrakt ausgebaut. Wer mehr Weltlichkeit sucht, findet sie in einem privat geführten Hotel in Maria Trost unweit des Klosters. "In dem Gebäude lebten bis vor wenigen Jahren Nonnen", sagt Pächterin Doris Zimmermann.
In der Benediktinerabtei St. Mauritius im Naturpark Saar/Hunsrück leben 13 Mönche und empfangen männliche Gäste in der Klausur. "Diese sollen wissen, dass sie sich in einem Kloster aufhalten", sagt Pater Mauritius Choriol. "Regelmäßige Kirchenbesuche und Gebete gehören dann dazu." Im Kloster Ahrenberg bei Koblenz, dem Mutterhaus der Dominikanerinnen, leben in einem Anbau die Gäste in Zimmern mit Dusche, Telefon und Fernsehen. Es gibt Schwimmbad, Fitnessraum und eine Wellnessanlage.
Wohnen wie die Mönche
Schlichte Unterkünfte zu bescheidenen Preise bietet das Kloster Marienthal der Zisterzienserinnen in Ostritz. Es liegt im Länderdreieck zu Polen und Tschechien. "Gäste haben die Möglichkeit zur Stille, Besinnung und Zeit, in der sie mit uns beten und arbeiten", erklären die Schwestern, deren Tagesrhythmus von den Gebetszeiten bestimmt wird.
"Der Aufenthalt als Gast in einem Kloster soll der inneren Sammlung dienen", beschreibt Bruder Famian den Sinn einer solchen Auszeit vom Alltag. In seiner Abtei Mariawald in der Eifel leben die Männer des Trappistenordens asketisch und fleischlos nach den strengen Regeln des frühen Mönchstums. Sie nehmen bis zu acht Gäste auf.
Für die Mönche in Mariawald, die im Sprechverbot leben, beginnt der Tag gegen 4.00 Uhr morgens. So früh müssen die Besucher zwar nicht aus den Betten ihrer spartanisch eingerichteten Zimmer, allerdings beginnt die Abendruhe auch für sie zur Tagesschauzeit.
Die Mönche der Benediktinerabtei Andechs auf dem Heiligen Berg am Ostufer des Ammersees bei München bieten auch Exerzitien für Manager. "Sie finden zweimal pro Jahr statt und sind maximal auf zwölf Teilnehmer begrenzt", sagt Pressesprecher Martin Glaab. "Die Gäste leben fünf Tage in der Klausur in einfachen Zimmern. Es sind nur Männer zugelassen."
Der Abt leitet die Exerzitien. Intensive Teilnahme am benediktinischen Lebensrhythmus - Arbeit, Besinnung, Gebet und Schriftenlesung - soll den im weltlichen Leben geforderten Entscheidungsträgern helfen, wieder zu sich zu finden. Das erste Gebet ist für 7.00 Uhr angesetzt, um 21.00 Uhr beginnt das Schweigen.


