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Cap Bon: Tunesien - wo Afrika Europa die Hand reicht

zuletzt aktualisiert: 12.04.2006 - 10:50

El Haouaria (rpo). Wer Tunesien als Urlaubsziel wählt, reist meist in großen Urlaubszentren von Hammament oder Monastir. Dabei hat Tunesien viel mehr zu bieten, beispielsweise das Cap Bon im Norden des Landes, das als Brückenkopf nach Europa angesehen werden kann, weil es keine 140 Kilometer von Sizilien entfernt liegt.

Die quirlige tunesische Hauptstadt Tunis ist längst aus dem Rückspiegel verschwunden. Die von maurischen Rückwanderern im andalusischen Stil geprägten Siedlungen und die weitläufigen Orangenhaine sind einem kargen und schroffen Bergland gewichen. Nach der Fahrt vorbei an Eichen, Kiefern und der Macchia noch eine steile Kurve - und dann öffnet sich die Sicht auf den Golf von Tunis und den schon von den Römern geschätzten Thermalbadeort Korbous mit seinen sieben Quellen, dem Fango- und Thalassoangebot, einigen Bars und einsamen Fischern an steinigem Strand. Ein idealer Ort, um von Tunis her kommend die Küste des Cap Bon zu entdecken, das die fast schnurgerade Autobahn gen Süden sonst links liegen lässt.

Korbous ist noch nicht jenes Cap Bon, das "Obstgarten" oder die "Riviera" Tunesiens genannt wird. Aber es ist durchaus schon eines der vielen Gesichter dieses hügeligen "Fingers" im tunesischen Norden. Hier macht alles noch einen eher verschlafenen und zeitlosen Eindruck, während die Region anderswo doch vor Kultur nur so sprüht, um an ihrem südlichen Ende in die feinen Sandstrände der ebenso lebhaften wie zugebauten Touristenhochburg Hammamet überzugehen.

Das Cap Bon, das ist der teils bergige, teils flache und fruchtbare Landzipfel, mit dem Afrika Europa die Hand reicht. Sizilien ist keine 140 Kilometer entfernt. Diese - heutzutage "geopolitisch" genannte - hervorstechende Lage des Cap Bon bescherte dem tunesischen Landsporn, der da in das Mittelmeer hineinragt, eine wechselhafte Geschichte. Doch damit scheint das winzige Korbous, von dessen Heilwasser sich betuchte tunesische Kurgäste eine Linderung ihrer Leiden versprechen, schon lange nicht mehr protzen zu wollen.

Windräder und Falkenfestival

Auch weiter nördlich, bei Sidi Daoud, ducken sich lediglich kleine Moscheen und einige Häuser an die Küste. Dutzende Windräder künden in der Ferne das Städtchen El Haouaria an. Es ist für sein Falkenfestival im Frühjahr bekannt und macht mit einem riesigen Minarett weithin auf sich aufmerksam. Im Hintergrund zeigt eine Bergspitze bereits das nördliche Ende der Landzunge an. Auch wenn das Wetter ständig wechselt, weil der kleine Atlasausläufer die Wolken anzieht, sitzen die alten Männer von El Haouaria wohl immer vor den Cafés und beobachten neugierig alles, was sich bewegt.

Die nahe gelegenen römischen Sandsteinbrüche mit ihren großteils eingestürzten Grotten sind wie ein kulturelles Vorspiel auf das, was das ein paar Kilometer entfernte Kerkouane zu bieten hat. Die Meeresbrandung liegt hier im Wettstreit mit dem auf- und abebbenden Ruf des Muezzin. Der Besucher wandert durch die weitläufigen Reste der einstigen punischen Kleinstadt dicht am Meer. Mediterrane Vegetation und das Azurblau des Mittelmeeres, das so viel Geschichte erlebt und erduldet hat, vermengen sich mit dem Sandgrau der steinernen Zeugen der Vergangenheit zu einem beschaulichen Bild.

Tee im Terassen-Café

Nördlich von Kerkouane ist die Spitze des Cap Bon zu sehen, südlich an dem Küstensaum taucht die Festung von Kelibia aus dem Brandungsdunst auf. Die Ostküste der Kapregion ist damit erreicht.

Auch Kelibia bezeugt die konzentrierte Vielfalt des Cap Bon: In einem strahlend andalusischen Weiß-Blau sammeln sich hübsche Residenzen an der Küste unter der hoch auf einen Felsen gebauten Festung. Ein Terassen-Café am Fuße des Felshügels lädt zu einem Tee oder einer Chicha-Wasserpfeife ein. Auf der Place de la République röhren die Mofas der Jugend von Kelibia. Das Städtchen nennt sich wie Algier stolz "La Blanche" (Die Weiße) und kopiert den Schick des Künstlertreffs Sidi Bou Said bei Tunis.

Wuseliger geht es nach der Fahrt südwärts entlang einer Reihe von Lagunen in Nabeul zu, wo der "Hotelstrandgürtel" endgültig beginnt. In Nabeul sitzt das tunesische Jungvolk abends an der umtriebigen Hauptallee Avenue Bourguiba bei einer Cola oder einem bonbonfarbigen Getränk. Man lauscht unter den Platanen dem süßlichen Spiel eines Malouf-Trios, das mit einer andalusischen Oud-Laute, einer Violine und der Darbouka-Trommel Liebeslieder ertönen lässt.

Rundblick von der Festung

Der Touristenmagnet Hammamet am Südende der Landzunge mit seiner Medina und Kasbah gleich am Meer zeigt in einer Zwischensaison noch am ehesten seine Reize ungestört vor. Dazu gehört der Rundblick von der Festung ebenso wie der Gang durch den Souk, vielleicht mit einem Glas Tee am Schluss in dem einladenden Café unterhalb der Festung.

Ein Abstecher ins Landesinnere muss jetzt noch sein, am besten über das im grünen Herzen der Cap-Bon-Region gelegene Städtchen Gromballa. Hier lebt sich der Kontrast zu Kultur, Küste und Kargheit auf der Landzunge so richtig aus. Eingebettet in eine Naturgegend sanfter Hügel, wechseln sich endlose Olivenhaine, der von den Franzosen in der Zeit des Protektorats 1881 bis 1956 gebrachte Wein und die üppig zu Gebirgen sich auswachsenden Kakteen immer wieder ab.

Ein paar Maultiere sind unterwegs, Dörfer liegen friedlich da und begrenzen die Felder. Auch das ist das Cap Bon - Vielfalt pur eben, auf knapp 3000 Quadratkilometern frech ins Mittelmeer ragend und sowohl von der Hauptstadt Tunis als auch von der Bettenhochburg Hammamet aus zu Erkundungstouren einladend.

Quelle: gms2

 
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