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Estland erkunden: Urlaub auf dem Wasser

zuletzt aktualisiert: 20.04.2008 - 12:17

Tallinn (RPO). Alles fließt: Wie seine skandinavischen Nachbarn ist Estland ein Paradies für Wassersportler. Sie können die Hauptstadt Tallinn und die felsige Küste mit dem Seekajak erkunden. Durch die Nationalparks gehts im Einbaum oder im Schleppkahn.

Sanft gleiten die Kajaks über die Wellen des Finnischen Meerbusens. Drei Stunden lang ist die Touristengruppe nun unterwegs, alle haben rote Wangen von Wind und Sonne - und die Augen auf Bert Rähni gerichtet, der sie auf dieser Stadttour begleitet. "Stadtführungen durch Tallinn (Reval) von der See aus" heißt das Angebot, dem sich die Gäste angeschlossen haben und das sie an der Küste entlang mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vertraut macht.

"Im Jahr 1997 wurde die Tallinner Altstadt in die Liste des Weltkulturerbes der Unesco aufgenommen, bereits Jahre zuvor wurde sie als erste Stadt der Sowjetunion komplett unter Denkmalschutz gestellt", erklärt Rähni, als die Gruppe zurück zum Hafen paddelt. Alle Blicke richten sich auf die Silhouette, die sich auftut: Türme aller Größen und Bauepochen ragen in den Himmel, barocke Helme und gotische Spitzdächer, mittelalterliche Giebel und Zwiebeltürmchen. Wie ein großes Freilichtmuseum breitet sich Estlands Hauptstadt aus.

Hightech und Altbewährtes

Trotz Mittelalterflairs und Hanseromantik wirkt Tallinn nicht von gestern. Einerseits wurde der Altstadtkern liebevoll restauriert. Andererseits schossen seit Anfang der 90er Jahre, als Estland seine Unabhängigkeit erlangte, gläserne Banken- und Hoteltürme in die Höhe. Wohl nirgendwo sonst im Land liegen Hightech und Altbewährtes so nah nebeneinander wie hier. Während Studentinnen in Samtroben oder Trachten die Touristen in ein mittelalterliches Restaurantambiente locken wollen, stöckeln ihre Altersgenossinnen auf dünnen Absätzen in szenige Bars, zahlen Bustickets per Handy und klappen ihre Laptops in der Innenstadt auf, wo man kosten- und kabellos Internetempfang hat.

"Aber zu den größten Schätzen Estlands zählt die unberührte Natur", sagt Rähni, der seinen Gästen deshalb auch Touren außerhalb der Hauptstadt ans Herz legt. Wer die raue, felsige Küstenlandschaft im Nordosten der Republik kennenlernen will, kann sich einer Seekajaktour anschließen, die bis zur Grenze des Nationalparks Lahemaa führt, der rund 70 Kilometer östlich von Tallinn liegt. Im Wald und den Mooren ringsherum sind dort Elche, Bären und Wölfe zu Hause. Libellen gleiten durch die Luft, und an Eichen am Wegesrand flattern bunte Bänder, gelten sie hier doch als heilige Bäume.

Wandern, reiten, Kanu oder Fahrrad fahren

Landschaftlich seinen skandinavischen Nachbarn sehr ähnlich, lockt Estland nicht zuletzt Urlauber an, die wandern, reiten, Kanu oder Fahrrad fahren wollen. Entsprechend viele Tourismusanbieter haben sich auf diese Kundschaft eingestellt. Einer davon ist Aivar Ruukel. Er lebt am Rande des Nationalparks Soomaa etwa 120 Kilometer südlich der Hauptstadt, der bis zu acht Meter tiefe Moore, Wälder und Auen umfasst. Am Ufer des Flusses Raudna liegen dort seltsam anmutende Boote. Es sind "Haabjas", aus Espenstämmen gefertigte Einbäume, die man stehend und mit einem langen Paddel ausgerüstet fährt.

Aivar Ruukel ist Mitglied des "Vereins für alte Schiffe", der in allen Teilen des Landes Ausflüge auf historischen Booten und Schiffen organisiert, etwa auf einem alten Fischsegler auf dem zentralen See Võrtsjärv (auf Deutsch: Wirzsee) oder auch Flussfahrten mit einem Hanse-Schleppkahn auf dem Fluss Emajõgi (Embach). Letztere führen zum Peipussee, jenem großen Gewässer, das Estland von Russland trennt.

Lang schlängeln sich dort die Orte an der Uferstraße entlang, Holzhaus neben Holzhaus, nur ab und zu von einer orthodoxen Kirche oder einem Fischerhafen unterbrochen, von wo aus die Männer auf den See hinausfahren. Wenn sie abends zurückkehren, nageln sie ihren Fang an die Wände ihrer Häuser und Schuppen. Luftgetrocknet, so weiß man seit Generationen, ist der Fisch eine Köstlichkeit. Kostproben davon und heißen Tee gibt es im "Fisch- und Zwiebelrestaurant" in Kolkja.

Glanzvoll: Die Hansestadt Tartu

Am See hat sich das Leben seit Jahrzehnten kaum verändert. Ruhig ist es; nur das Rauschen der Birkenblätter und der Gesang von Vögeln durchdringt die Stille. Ganz anders ist es in Tartu (Dorpat), rund 30 Kilometer westlich von Kolkja gelegen. Die Cafés, Geschäfte und Galerien rund um den Rathausplatz, der sich trapezförmig zum Fluss Emajõgi hinzieht, sind gut besucht. Etwa 100.000 Einwohner zählt die zweitgrößte Stadt Estlands, gut ein Fünftel davon sind Studenten.

Von der glanzvollen Zeit, als die Hansestadt Tartu die Geschäfte zwischen Westeuropa und Russland vermittelte, zeugt noch heute die mittelalterliche Johanniskirche, nur ein paar Gehminuten von der Universität entfernt. Berühmt sind die rund 1000 Terrakottafiguren, die das Innere und Äußere des gotischen Gotteshauses schmücken. Lediglich in den Sommerferien leeren sich die Straßen Tartus ein wenig. An jenen langen Tagen, wenn es auch nachts nie so recht dunkel wird, zieht es die Esten aufs Land, um selber mit Booten die Wasserwege ihres Landes zu erkunden und die Ferien genießen.

Informationen: www.baltikuminfo.de, www.historicships.ee, www.seikleja.com.

Quelle: tmn

 
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