Ayurveda boomt: Wellness am Himalaya
VON ULRIKE WINTER - zuletzt aktualisiert: 31.08.2010 - 07:42Düsseldorf (RPO). Wellness in Indien boomt. Vor allem jungen einheimischen Frauen eröffnen die Luxus-Spas wie das „Ananda In The Himalayas“ ungewohnt gute Job- und Verdienstaussichten.
Gesichtsbehandlungen sind Julie Mathew am liebsten. „Dabei können meine Gäste entspannen, und ich auch - ein wenig“, sagt die Ayurveda-Therapeutin und lacht. Die sogenannten Facials bedeuten kleine Auszeiten von den anstrengenden Ganzkörperwickeln und Rückenmassagen, die Julie (23) vorrangig anbietet, neun Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Es ist ein anstrengender Job - den die junge Frau trotzdem um nichts in der Welt würde tauschen wollen.
Ihre Arbeit im „Ananda In The Himalayas“, einem Luxushotel 260 Kilometer nördlich von Delhi, in dem sich schon Heidi Klum und Bill Gates verwöhnen ließen, beschert der Bauerntochter aus Südindien ein Monatsgehalt, das nur knapp unter dem durchschnittlichen indischen Jahreseinkommen liegt. Zudem beschert er ihr in einem Alter, in dem sich für viele indische Frauen nach wie vor alles um eine baldige Hochzeit dreht, absolute Entscheidungsfreiheit.
Aufstiegschance Ayurveda: 5,1 Millionen ausländische Besucher strömen inzwischen jedes Jahr nach Indien. Wachstumsraten von zuletzt 15 Prozent haben den Tourismusmarkt auf dem Subkontinent zum am zweitschnellsten wachsenden der Welt gemacht. Besonders beliebt bei Besuchern sind die zahlreichen Wellness-Tempel, die finanzkräftige Hotelketten in Maharadscha-Palästen einrichten - und die jungen Frauen glänzende Jobaussichten eröffnen. Julie zum Beispiel hat es binnen fünf Jahren zur am besten bezahlten Therapeutin in einem der renommiertesten Resorts der Welt gebracht.
„Natürlich gehört Glück dazu“, meint sie in einer kurzen Pause zwischen zwei Behandlungen. Julie wuchs in Kerala auf, dem Ayurveda-Zentrum Indiens, in dem die aufstrebenden Spa-Ketten ihre Therapeuten rekrutieren. „Mit 17 habe ich wie viele Mädchen dort auf eine Ayurveda-Schule gewechselt“, sagt sie. So wurde ein Mitarbeiter des „Anandas“ auf sie aufmerksam. Das Angebot, das er ihr damals machte, zeigt, wie sehr die Hotels im Kampf um talentierte Therapeutinnen jungen Frauen mittlerweile entgegenkommen.
„Sie haben uns Zimmer angeboten in einem Hostel gleich neben dem Hotel“, erinnert sich Julie, die inzwischen in einem eigenen Haus im Nachbarort wohnt. „Wir wurden morgens abgeholt und abends dorthin gebracht, es ist sehr sicher.“ Das war ihr und ihrer Familie wichtig. Dazu gab es gutes Geld: Schon Julies Einstiegsgehalt in dem Luxushotel war doppelt so hoch wie die etwa 100 Euro, die in Kerala gezahlt werden. Viele ihrer Kolleginnen schicken bis zu achtzig Prozent ihres Lohns nach Hause, sagt Julie. Sie hat Glück, muss nur in Notfällen helfen und spart.
Am überzeugendsten waren jedoch die Aufstiegschancen. Ein ganzes Jahr werden die jungen Frauen im „Ananda“ im Schnitt noch ausgebildet, zusätzlich zu ihrem Wissen über die 3000 Jahre Heilkunst lernen sie internationale Behandlungsmethoden. Und sie bekommen die Chance, Auslandserfahrung zu sammeln. Julies war zweieinhalb Jahre in einer Dependence der „Ananda“-Mutter IHHR auf Mauritius. „Das brachte sie schon kurz nach dem Berufseinstieg auf internationalen Standard“, sagt ihr Chef stolz. Sie beherrscht nicht nur mehr Behandlungstechniken als die meisten ihrer Kolleginnen - sie ist auch am routiniertesten, was die Spielregeln angeht. Julie weiß, dass deutsche Gäste immer pünktlich zu ihren Therapien erscheinen und meist so gut wie alles über Ayurveda wissen, dass Amerikaner fragen, wie es ihr geht, und dass britische Chefs ihren weiblichen Angestellten schon mal die Tür aufhalten. „Natürlich werden solche Mitarbeiter gern abgeworben“, klagt ihr Chef.
Sie wolle vorerst im „Ananda“ bleiben, sagt Julie diplomatisch. „Aber es kann auch passieren, dass ich irgendwann noch mal ins Ausland gehe - wenn sich dort ein interessanter Job ergibt.“
Ananda Info
Preise & Pakete Sieben Nächte mit Yoga-Paket pro Person im Doppelzimmer ab 1989 Euro, im Einzelzimmer ab 2797 Euro; sieben Nächte mit Ayurveda-Paket pro Person im Doppelzimmer ab 2328 Euro, im Einzelzimmer ab 3138 Euro (Preise inklusive Flug mit Oman Air ab/bis Frankfurt/München nach Delhi, Transfer ab/bis Bahnhof Haridwar, gebuchtes Kurprogramm, Vollpension, Aktivitäten); buchbar über www.lotus-travel.com
Kontakt & Infos Ananda in the Himalayas, Narendra Nagar, Uttaranchal, Telefon: + 91-1378-227500, www.anandaspa.com
Zwischenstopp Delhi Hotel ITC Maurya, Sadar Patel Marg, Neu Delhi, Telefon: + 91-11-26112233, www.itcwelcomgroup.in/Hotels/itcmaurya.aspx ; 14 km zum Intern. Airport; Paket-Preis („Short-Break“): drei Nächte einschl. Frühstück sowie Rabatt auf Restaurant und Spa für zwei Personen im Doppelzimmer ab ca. 230 Euro


