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Zugfahrt: Wie aus 1001 Nacht: Auf den Spuren der Bagdad-Bahn

zuletzt aktualisiert: 06.06.2005 - 08:42

Damaskus (rpo). Wer sich für Züge begeistert und wirklich Abenteuer erleben will, sollte sich auf die Spuren der alten Bagdad-Bahn begeben: Von der Türkei aus nach Syrien auf historischen Spuren von 1001 Nacht. Mit Damaskus und Aleppo stehen dabei zwei Städte auf der Landkarte, die zu den ältesten, durchgängig besiedelten Regionen der Welt zählen.

Gemächlich rollt der Zug vom türkischen Bahce ins syrische Aleppo. Für die knapp 160 Kilometer braucht der Sonderzug "1001 Nacht" einschließlich Grenzabfertigung gut zehn Stunden. Mehr als 40 Stundenkilometer lassen die alten Gleise nicht zu. Die Touristen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nehmen es aber gelassen: Nach der rasanten Fahrt durch die Türkei ist jetzt Gelegenheit, das helle Grün der Ebene und die schier endlosen Olivenplantagen vor dem Hintergrund schneebedeckter Gipfel des Amanos-Gebirges zu fotografieren.

Dies ist der letzte Abschnitt, dem der Zug exakt der legendären Bagdadbahn folgt. Seit dem Einstieg am Istanbuler Bahnhof Haidar-Pascha haben die Reisenden schon 1200 Kilometer in ihren Schlafwagen zurückgelegt. Ein Abstecher führte sie nach Kappadokien, um in eine der seltsamen, in weichen Tuffstein gegrabenen unterirdischen "Städte" hinabzusteigen. Dort sollen schon zu Zeiten der Hethiter und dann der Römer und Byzantiner tausende Menschen Zuflucht vor einfallenden Feinden gefunden haben. Auch die frühen Christen haben hier mit kleinen und größeren unterirdischen Kirchen Beeindruckendes hinterlassen.

Vom Christentum stark geprägt

Getreu seinem Slogan "Lernidee" bietet der Veranstalter dieser Reise so manch interessanten Einblick in die einst vom Christentum stark geprägte Region - in Syrien noch mehr als in der Türkei. Wie die Hauptstadt Damaskus kann sich Aleppo rühmen, eine der ältesten ununterbrochen besiedelten Städte der Welt zu sein. Sie beherbergt noch heute viele arabische und armenische Christen. Die Anhänger der verschiedenen christlichen Konfessionen sollen heute knapp zehn Prozent der syrischen Gesamtbevölkerung ausmachen.

Natürlich darf der Aufstieg zur Zitadelle von Aleppo, die als imposanteste Festungsanlage der arabischen Welt gilt, nicht versäumt werden. Aber nur wenige Kilometer außerhalb der Drei-Millionen-Stadt vermitteln die Ruinen des berühmten Simeonsklosters auch einen Eindruck von der einstigen Pracht christlicher Baukunst. Seinen Ruhm verdankt das Kloster dem heiligen Simeon, dem ersten Säulenheiligen der Kirchengeschichte.

Nach Aleppo führt die Reise kreuz und quer durch Syrien - zunächst an die im 12. und 13. Jahrhundert von den Kreuzfahrern unterworfene Mittelmeerküste. Am südlichsten Ausläufer des Ansariye-Gebirges erhebt sich der Krak des Chevaliers, den Historiker als eine der großartigsten mittelalterlichen Burgen preisen. Die vom Johanniterorden über fast 130 Jahre gehaltene Kreuzritterfestung gilt bei den Arabern als steinernes Mahnmal für den Expansionsdrang Europas, offenbart sich dem Touristen dennoch in einem sorgfältig restaurierten Zustand.

Ruinen des Baal-Tempels

Die anschließende nächtliche Fahrt mit dem Zug führt in die Oasenstadt Palmyra, deren Blütezeit mit dem Vordringen der Römer nach Syrien begann. Die Ruinen des Baal-Tempels, des römischen Theaters oder der Säulenstraßen lassen noch heute den Reichtum der einstigen Handelsmetropole an der äußersten Ostgrenze des Römischen Reiches erahnen. Hier lässt sich stundenlang wandeln, wenn man denn die Nerven hat, die Scharen aufdringlicher Verkäufer von Postkarten, billigem Schmuck und anderen meist nutzlosen Souvenirs hinzunehmen.

Die 2400 Kilometer lange Zugreise endet in Damaskus. Bevor die prächtige Omayyaden-Moschee, der quirlige Hamidiye-Suk, das Nationalmuseum oder das Mausoleum Saladins, des Bezwingers der Kreuzritter, auf dem Programm stehen, führt noch eine Busfahrt in den benachbarten Libanon zu den berühmten Ruinen von Baalbek.

Dann aber ist Schluss mit der Wanderung durch die Vergangenheit - die syrische Hauptstadt mit ihrem Verkehrschaos, dem unaufhörlichen Hupkonzert der Autofahrer und dem dichten Gedränge auf dem Basar nimmt den Touristen in Beschlag. Fünf Millionen Einwohner sollen derzeit in Damaskus leben. Aber ganz genau wisse man das nicht, sagt der Reiseführer. Irgendwann habe man wohl aufgehört zu zählen.

Taxis sind spottbillig

Nach dem Trubel in der Stadt sollte man sich am Abend unbedingt eine Fahrt auf den "heiligen Berg" Kasyun mit seiner herrlichen Aussicht auf das endlose Lichtermeer der Metropole gönnen. Jeder Reiseanbieter dürfte dies in seinem Programm haben. Und wenn nicht, ist das auch kein Problem. Taxis sind in Damaskus spottbillig. Sie sind allgegenwärtig und gewissermaßen der öffentliche Nahverkehr, den es ansonsten de facto nicht gibt.

"Mit Ihnen machen wir einen Härtetest", hatte der Reiseleiter von "Lernidee" eingangs der Tour durch die Türkei und Syrien etwas spöttisch angemerkt. Sehr übertrieben, wie sich dann bei der ersten Fahrt des Sonderzugs "1001 Nacht" herausstellte. Dennoch hätte die Prinzessin auf der Erbse wohl ihre Probleme bekommen. Nicht, dass die Betten in den Schlafwagen für den auf Erlebnisreisen orientierten Eisenbahnromantiker unbequem wären. Auch das Geratter des Zuges auf teils stark erneuerungsbedürftigen Schienen kann ihm kaum die gute Laune nehmen. Die Enge der syrischen Schlafwagen aus Görlitzer Produktion des Jahres 1982 und ihre nicht eben luxuriöse Sanitärausstattung sind dennoch gewöhnungsbedürftig. Der Reiseveranstalter hat das auch berücksichtigt und gut die Hälfte der Übernachtungen abseits der Schiene in Hotels arrangiert.

Quelle: ddp

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