Sauna, Seen und Sonne: Zwei Wochen lang ein Finne sein
zuletzt aktualisiert: 05.06.2009 - 14:20Düsseldorf (RPO). Kein Telefon, kein Internet, kein Fernseher – dafür Ruhe, weite Landschaften, rustikale Gemütlichkeit und Schwitzen in der Sauna. In Finnland kann der Urlauber ins einfache Leben der Einheimischen eintauchen. Ein Urlaub in der Blockhütte am See ist ein Ausstieg aus dem Alltag.
Der letzte Außenposten mit Supermarkt heißt Viitasaari, ein Dorf in Mittel-Finnland. Hier wird noch einmal groß eingekauft, dann geht es auf die letzten 38 Kilometer in Richtung Einsamkeit. Das Ziel: ein Holzhaus auf einem sattgrünen Hang im Nirgendwo. Im Hintergrund schimmert blau der See. So oder so ähnlich beginnt für viele Deutsche der Sommerurlaub in Finnland.
Im Ferienhaus fließt die Zeit langsamer. Keine Termine, E-Mails oder Verkehrslärm, keine Nachbarn, keine Nachrichten. Das ist Luxus für die Seele. Klassischen Luxus bietet die Blockhütte dagegen nicht: Der Herd hat zwei Platten, Kühlschrank und Kaffeemaschine sind die einzigen weiteren Elektrogeräte. Trinkwasser muss mit Eimern aus dem Brunnen gekurbelt und zum Haus geschleppt werden. Das Klo ist ein Donnerbalken mit Styropor-Toilettenbrille.
Finnland ist etwas kleiner als Deutschland und mit 5,3 Millionen Einwohnern dünn besiedelt. Fähren fahren von Rostock und Lübeck nach Finnland. Auch die Anreise per Flugzeug nach Helsinki und die Weiterfahrt per Mietwagen ist möglich.
Die beste Reisezeit liegt zwischen Anfang Juni und Mitte Oktober. Ferienhäuser liegen fast immer an einem See. Ruderboot und Sauna gehören zur Ausstattung. Die Mietpreise beginnen bei 300 Euro pro Woche.
Fischen, rudern und Beeren sammeln
Ausflüge lohnen kaum, denn die Dörfer und Städte der Umgebung sind arm an Sehenswürdigkeiten. Außerdem funktioniert das öffentliche Leben im Hochsommer wochenlang nur im Notbetrieb. Ein Großteil der 5,3 Millionen Finnen sucht ebenfalls den Abstand zum Alltag und flüchtet ins Mökki, das Ferienhaus am See. Fast jeder noch so technikverliebte Großstadtfinne ist insgeheim ein Naturbursche.
Der Urlauber macht es wie die Einheimischen: Er rudert auf dem See, angelt Hechte, Zander oder Barsche, schürt Lagerfeuer und grillt den Fang, oder er erkundet den Wald hinter der Hütte. Auf dem Waldboden reifen Blau-, Preisel- und Moltebeeren, nach Regengüssen schießen Steinpilze, Pfifferlinge und Maronen aus dem Boden. Vor der Hütte hat der Vermieter Dill, Erdbeeren, Zwiebeln, Porree und Minze gepflanzt. Zeit zum Kochen gibt es genug, und so wird das Abendmenü mit den frischen Zutaten aus See, Wald und Garten oft zum Tageshöhepunkt.
Keine lästigen Sauna-Regeln
Krönung jedes zweiten Ferientages ist das Schwitzbad am Abend. Saunaregeln wie in einem deutschen Fitnessclub darf man in Finnland getrost vergessen - erlaubt ist, was gefällt. Schweiß aufs Holz - na und? Wird alles nachher weggeschrubbt. Und wenn zur Abkühlung auf der Saunabank ein Bier geöffnet wird, stört auch das niemanden. Die einzige Saunaregel, mit der die Finnen es streng nehmen, ist die Geschlechtertrennung: Außer im engsten Familienkreis schwitzen Männer und Frauen separat.
Am Seeufer tanzen die Finnen durch die Nächte: In einer Tanzdiele sind die Besucher beschwingt und zum Teil auch beschwipst. Eine Sängerin singt von Herzschmerz und Küssen im Mondlicht. Die Tanzfläche ist immer voll, die Schritte sitzen. Jeder Finne auf dem Land muss das Tanzen beherrschen wie das Fische-Räuchern oder den Umgang mit der Motorsäge.
Die Uhr tickt langsam, die Tage ähneln sich, und dennoch galoppiert die Zeit am See dahin. Der Abschied fällt schwer. Tanken in Viitasaari, dann zur Fähre, über die Ostsee, zurück in den Alltag. Aber zwei Wochen in Finnlands Natur haben eine Langzeitwirkung: Wenn ein Tag mal wieder hektisch war oder stressig, hilft ein einfaches Rezept: Augen schließen, ans Bullerbü-Haus denken, an den See, die Sauna und die Sonnenuntergänge.


