Interview mit Reiseverband: Sind Kreuzfahrten noch sicher?
zuletzt aktualisiert: 23.01.2012 - 07:43Stuttgart (RPO). Der Deutsche Reiseverband (DRV) geht bislang davon aus, dass die Havarie des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" keinen Einfluss auf den bisherigen Kreuzfahrt-Boom haben wird. Nach Angaben des stellvertretenden Vorsitzenden des Schifffahrtsausschusses im DRV, Guido Laukamp, sind Kreuzfahrten nach wie vor sicher.
Inwieweit hat das Unglück Einfluss auf die Kreuzfahrtbranche?
Laukamp: "Bisher gibt es keine Anzeichen, dass es einen Einfluss auf Buchungszahlen und die generelle Entwicklung von Kreuzfahrten hat. Die Sicherheitsstatistik von Kreuzfahrten spricht auch dafür, dass Kreuzfahrten eine der sichersten Reiseformen überhaupt sind. Von 2005 bis 2010 hatten wir ungefähr 100 Millionen Gäste auf Kreuzfahrtschiffen und es gab 16 Todesfälle in der ganzen Zeit. Das spricht schon dafür, wie sicher Kreuzfahrten eigentlich sind. Tagesaktuell wird das überschattet, aber die Fakten ändern sich dadurch nicht."
Muss man die Sicherheitskonzepte überdenken und gegebenenfalls überarbeiten?
Laukamp: "Das wird man ohnehin machen. Das ist auch angekündigt. Das hat auch der Costa-Mutterkonzern Carnival angekündigt, dass die sich natürlich alles ganz genau anschauen. Sie werden natürlich immer irgendeine Ecke finden, an der menschliches Versagen möglich ist. Aber Sie können natürlich versuchen, dass über Sicherheitsmanagement-Systeme, die es ja an Bord gibt, über Training, was es zweiwöchentlich für die gesamte Mannschaft an Bord gibt, und auch über die Sicherheitsstandards können Sie das so weit wie möglich ausschließen. Deshalb kann man auch davon ausgehen, dass es ein sehr ungewöhnliches und natürlich trauriges Ereignis ist, was sich aber auch so schnell eigentlich nicht wiederholen können dürfte."
Inwieweit kann man die Sicherheitsstandards auf Schiffen mit immer mehr Passagieren einhalten?
Laukamp: "Ein größeres Schiff ist nicht unsicherer als ein kleineres.
Sie haben da auch einfach mehr Möglichkeiten über zum Beispiel größere Rettungsboote oder größere Freiflächen, von denen auch eine bessere Evakuierung möglich ist. Es gibt immer ein Für und Wider bei der Größe. Aber Größe ist nicht per se unsicherer, überhaupt nicht. Sie haben ja auch dementsprechend mehr Ausgänge, mehr Freiflächen, mehr Bewegungszonen. Die Sicherheitskonzepte sind ja auch entsprechend ausgelegt."
Werden die Schiffe überhaupt immer größer werden?
Laukamp: "Das wird weitergehen. Die großen Schiffe haben natürlich sehr viel geringere variable Kosten pro Gast. Dadurch verbilligt sich Kreuzfahrt auch. Ein Trend, der auf dem Fluss gar nicht geht, weil die Schiffe sich an den Abmessungen der Flüsse und der Schleusen orientieren müssen. Insofern gibt es dieses Größenwachstum, aber das Schöne ist ja, dass die Gegentrends auch immer gleich kommen. Es gibt auch durchaus Gäste, die sagen: "Das ist mir alles zu groß, das will ich nicht, ich will ein gemütlicheres Schiff." Deshalb verschwinden die anderen Schiffe nicht und es werden auch nach wie vor Einheiten von der Größe 2000 bis 2500 Gäste gebaut, also vergleichsweise klein zu dem, was möglich wäre. Weil man sagt, unser Konzept ist zum Beispiel ein Club-Konzept und das passt besser auf ein kleineres Schiff. Oder weil man eben speziell andere Häfen, andere Routen fahren möchte, die etwas abseits der "Rennstrecken" sind."



