Im Zeichen des Elchs: Das größte Hotel Berlins
VON CARLHEINZ TÜLLMANN - zuletzt aktualisiert: 31.10.2010 - 15:22Berlin (RP). Zimmer mit Aussicht: Am Rande des Potsdamer Platzes hat das größte Hotel Berlins eröffnet. Rund 110 Millionen Euro hat der lichte, architektonisch gradlinige Bau an einem Grünstreifen gekostet. Vogelgezwitscher und Elchgeweihe sorgen für gute Stimmung.
Im bis zum neunten Stockwerk führenden Aufzug zwitschert eine Amsel. Auf dem Flur zum Restaurant in der dritten Etage klopft ein Specht. Auf den Gängen zu den 20 Konferenz- und Banketträumen flötet eine Drossel. Und vor den Türen zu den 563 Zimmern musiziert eine ganze Vogelschar. Mehr noch: An den Wänden zwischen weißen Esstischen und brauner Bar wachsen Pflanzen zu botanischen Gemälden. Wasser plätschert, in Kaminen knistert das Feuer. Es scheint, als habe das deutsche Flaggschiff der skandinavischen Hotelgruppe "Scandic" die nordische Natur an den Potsdamer Platz in Berlin verpflanzt. Dort sorgt das gastronomische Biotop bei Gästen und Personal für gute Stimmung.
Die Glas-Protzbauten Hauptbahnhof und Sony-Center befinden sich in Sichtweite. Wenige Minuten zu Fuß sind Brandenburger Tor und die Flaniermeile "Unter den Linden" erreicht. Folglich: Draußen geht's hautnah berlinerisch zu, drinnen herrscht, in Formen und Farben, schwedischer Expressionismus. "Bei uns ist nicht alles neu", sagt Thomas Borsbach, Direktor des vor drei Wochen eröffneten, derzeit größten Hotels in Berlin, "aber vieles ist anders". Und lockerer.
Plastik ist verpönt
Heitere Stimmung vermittelt das farbenfrohe Konzept der Skandinavier zur Ausgestaltung: Über den vier Aufzügen im Eingangsbereich blicken zwei Elchhäupter mit riesigem Geweih auf die Ankömmlinge. Die fahren zu Zimmern hinauf, die nach einer Jahreszeit gestaltet sind: frisch, fröhliche Akzente für Bezüge und Gardinen im "Frühling", glitzernde Zweige mit Eiskristallen an der Trennwand zum Bad in der Ausstattung "Winter". Plastik ist verpönt. Teppichboden auch. Statt dessen gibt's Mülltrennung in allen Räumen, Parkett und die Umweltaussage des General Managers Thomas Borsbach: "Wir können 80 Prozent einer Zimmer-Ausstattung an die Natur zurückgeben." In diesen Anspruch passt auch eine eigene Trinkwasserveredlung, die Leitungswasser filtert.
Kulinarisch tastet sich der Neuling auf dem prall besetzten Berliner Hotelmarkt noch an höhere Geschmackserlebnisse heran, wobei Knäckebrot und Leber Berliner Art sich schon ganz gut vertragen. Tagungsgäste können in bunten Schalen Menüs zusammenstellen, für die der britische Starkoch James Oliver die Vorlagen lieferte. Den "Absacker" nach dem Großstadtbummel gibt's an der riesigen, geschwungenen in herbstlichen Brauntönen gehaltenen Bar. Das junge, unkomplizierte Team schenkt dort froh gelaunt ein.
Nebenbei: Clever sind die "Scandic"-Skandinavier, die 151 Hotels in zehn Ländern mit 28.504 Zimmern managen, auch: Zahnpasta vergessen, Zahnbürste verlegt, Bedarf an Shampoo? Gibt's rund um die Uhr im Shop in der Lobby.
Info: Hotel "Scandic", Gabriele-Tergit-Promenade 19, 10963 Berlin, Tel. 030 700 7790, www.scandichotels.com/berlin, DZ ab 100 Euro.



