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reeperbahn nachts dollhouse 2009
  Foto: Hamburg Tourismus GmbH
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Serie: Stadtrundgänge: Der Kiez ist Kult

VON BERND SCHILLER - zuletzt aktualisiert: 18.11.2009 - 07:37

Düsseldorf (RP). Hans Albers gibt’s nur in Kopie, aber sonst ist auf St. Pauli alles original und originell: der Schatz im Silbersack, der Schrumpfkopf im Basar und die Erinnerungen an die Beatles.

Ein nasskalter Wind pfeift über den Hafen und um die alten Häuser zwischen Reeperbahn und Großer Freiheit. Hamburger Schmuddelwetterr. Genau richtig für einen St. Pauli-Bummel. Da wärmt man sich zwischendurch gern in einer der alten Seemannspinten auf, bei einem Grog oder einem Astra aus der Flasche. Es gibt sie noch, die Kneipen mit dem Flair von damals. Ilona Kiss kennt sie alle, den „Blauen Peter“ am Hamburger Berg 19, den „Anker“ und Uwes „Rattenkeller“, beide an der Davidstraße, direkt neben der berühmt-berüchtigten Herbertstraße, der Hurengasse, in der es seit seit 110 Jahren eher liederlich als lustig zugeht.

Ilona Kiss ist Stadtführerin. Sie bietet „Landgänge“ auf St. Pauli an. „Rotlicht und Seeleute“, „Der Kiez auf der Leinwand“, „Tüdelband, Twist und fette Beats“ heißen ihre Touren. Oder schlicht und am beliebtesten „Von allem etwas“. Ilona weiß, wovon sie spricht, sie lebt seit Jahren auf dem Kiez, kennt die Männer von der Davidwache, die Lack- und Lederszene in der Erichstraße, die Transen aus der Schmuckstraße und den Gay-Weg in der Talstraße.

Die Leute wollen es einerseits ein bisschen spannend und verrucht, andererseits aber auch so gemütlich, wie sie es aus der Fernseh-Haifischbar kennen. Und nicht zuletzt muss es heute natürlich kultig sein. Und Kult ist vieles auf St. Pauli: Kult sind die Beatles, die 1962 im Star Club auf der Großen Freiheit ihre Karriere gestartet und heute einen eigenen Platz haben, gestaltet wie eine riesige Schallplatte, und mit „Beatlemania“ (Nobistor 10) sogar ein eigenes Nostalgie-Museum. Kult ist der Kiezclub FC St. Pauli und sein Präsident Corny Littmann, der mit seinen Theatern „Schmidt“ und „Tivoli“ vor Jahren wieder Leben auf den Spielbudenplatz gebracht hat (siehe seine Tipps auf der Seite rechts oben). Und Kult ist, gleich nebenan, das herrlich-plüschige und durchaus ambitionierte St. Pauli-Theater.

Jung-Hamburg zieht es hingegen eher in die angesagten Clubs, ins „Molotow“ (Spielbudenplatz 15), ins „Moondoo“ (Reeperbahn 13; hier läuft vor allem: House, Elektro oder Crossover), in den „Golden Pudelclub“ am Fischmarkt (Stammgast: Helge Schneider), wo alles außer Mainstream läuft, und natürlich in den absoluten Muss-Klassiker „Große Freiheit 36“, zu dem der legendäre Kaiserkeller gehört.

St. Pauli ist schräg, liebenswert, bunt, rau, und weitgehend echt - wie der Schrumpfkopf vom Amazonas in „Harry‘s Hafenbasar“ (Erichstraße 56). Dort zeigt und verkauft Karin Rosenberg afrikanische Masken, einen ausgestopften Walfischpenis und 36.4481 andere Kuriositäten. Wer es nicht glaubt, darf nachzählen.

Ein sprichwörtliches Original ist auch Erna Thomsen, genannt der „Schatz vom Silbersack“, die mit 85 Jahren noch hinterm Tresen steht (Silbersackstraße 9). Nur der blonde Hans ist nicht ganz echt. Ein bisschen verloren steht sein Denkmal auf dem Hans-Albers-Platz, eine Kopie nur. Der Original-Hans, geschaffen von dem Düsseldorfer Künstler Jörg Immendorff, schaut nämlich im Medienhafen der Landeshauptstadt auf den Rhein - “Good bye Johnny“.

Da geh’ ich hin

Corny Littmann, Gründer und Chef des Schmidt-Theaters und Präsident des Kiezclubs FC St. Pauli, über seine Lieblingsstationen auf der Reeperbahn und nebenan: „Zum Frühstück gehe ich am liebsten an die Esso-Tankstelle am Spielbudenplatz, die natürlich viel mehr als nur Benzin verkauft. In Wirklichkeit ist es ein 24-Stunden Kaufhaus mit einer eigenen Bäckerei, die preiswert köstliche Brötchen und Kaffee aller Art anbietet. Zum Speisen empfehle ich das „Freudenhaus“ in der Hein-Hoyer-Straße, jawohl, das ist ein Restaurant! Mit sehr guter und reichlicher deutscher Küche. Wer’s chinesisch mag, dem sei das „Man Wah“ in der Taubenstraße wärmstens empfohlen, denn dort wird wirklich noch original chinesisch aufgetischt, mit Hühnerkrallen und ähnlichen fernöstlichen Leckereien. Und Kunterbuntes gibt‘s im „Dips & Stix“ am Spielbudenplatz 24 auf den Teller. Lauter kleine Portionen, mit Sushi und Rinderfilet kann man sich gut sein eigenes Menü kreieren. Den Nachtschwärmern sei „Angies Nightclub“ am Spielbudenplatz ans Herz gelegt, denn hier kann auch unsereins nach Musik der 60er und 70er Jahre am Wochenende ab 23 Uhr tanzen.“

Infos:

Die Stadt Deutschlands zweitgrößte Stadt (ca. 1,8 Millionen Einwohner) hat 104 Stadtteile. Nur einer ist weltberühmt: St. Pauli, 26 qkm Mythos zwischen Hafenrand und Schanzenviertel, zwischen Millerntor und Nobistor. Wohl kaum einer der vier Millionen Touristen, die vergangenes Jahr die Hansestadt besucht haben, wird die so genannte Sündige Meile an Reeperbahn, Spielbudenplatz, Großer Freiheit und ihren Nebenstraßen ausgelassen haben.

Das Programm „Landgang“ nennt sich der Veranstalter, der in Zusammenarbeit mit Dertour Städtereisen das bunte Viertel in acht unterschiedlichen Rundgängen erschließt: „Rotlicht und Seeleute“ oder der Mix aus allen Themen sind besonders beliebte Angebote. Treffpunkt für den jeweils anderthalbstündigen Bummel ist „Jannys Eisdiele“ am Millerntorplatz, täglich um 15 Uhr. Preis: 20 Euro pro Person. Info www.dertour.de

Hotels „Auto Park Hotel“ in der Lincolnstraße, nett und freundlich, mit Parkplatz (7,50 Euro), DZ/F ab 79 Euro; „Hafen Hamburg“: gut bürgerlich, ein Drittel der Zimmer mit Traumblick auf den Hafen, ab ca. 120 Euro (Achtung: dazu Foto); „East“, cooles Designerhotel, Medium-DZ (28 qm) ab etwa 170 Euro. Infos www.auto-parkhotel-hamburg.de, www.hotel-hafen-hamburg.de; www.east-hamburg.de.

Reiseführer „City Guide Hamburg“ von Reise Know How: aktuell und szenig (14,80 Euro); „Hamburger Spaziergänge“ von Merian live!: auch ganz neu, viel Hintergrundinfos (12,95 Euro)

Auskunft Hamburg Tourismus, allgemein: Tel. 040 30051300; Information gibt’s aber auch im Tourismus-Center im Hafen: St. Pauli Landungsbrücken, zwischen Brücke 4 und 5. Info www.hamburg-tourism.de 

Quelle: RP

 
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