Hier rollt die größte Modelleisenbahn: Hamburgs Männer-Paradies
VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 05.12.2009 - 09:58Hamburg (RP). Das Miniatur-Wunderland in der Speicherstadt lockt nicht nur Eisenbahnfans: Etwa eine Million Besucher macht jedes Jahr große Augen angesichts der 200.000 kleinen Figuren. Am Samstag findet auf der größten Modelleisenbahn der Welt die Außenwette von „Wetten, dass ...“ statt.
Wo ist die Wasserleiche? Wo versperrt eine Schafherde den Autos den Weg? Wo trägt Pippi Langstrumpf ihr Pferd? Und wo demonstrieren Studenten für die Rente mit 30? Wer ins Miniatur-Wunderland in Hamburg geht, dem gibt das Faltblatt „Reiseführer“ diese Rätsel auf. Unter 200.000 Figuren, die auf der weltgrößten Modelleisenbahnanlage stehen, liegen, sitzen sind Wasserleiche & Co. gut versteckt. Rund zwei Stunden kann es schon dauern, bis man in den Landschaften Skandinavien und Harz, Nordamerika und Schweiz die Männlein und Fräulein gefunden hat.
Die Eisenbahnanlage (Maßstab 1:87) im dritten und vierten Stock eines Speichergebäudes am Hafen hat sich zu der Touristen-Attraktion in der Hansestadt entwickelt. Rund eine Million Besucher kommen pro Jahr. Bis 2015 wollen die Hamburger zu den Top 5 der Touristen-Attraktionen in Europa gehören. An der Spitze liegt derzeit Madame Tussaud’s Wachsfiguren-Kabinett in London mit zwei Millionen Gästen pro Jahr. Es ist gut möglich, dass das Interesse jetzt noch einmal wächst. Denn am Samstag ist das Miniatur-Wunderland Schauplatz der Außenwette von „Wetten, dass ...“. Es empfiehlt sich grundsätzlich, vorab telefonisch oder per Internet eine Einlasszeit zu reservieren.
Mini-Hamburg nimmt besonders viel Platz ein. 12.500 Püppchen sitzen allein im Fußball-Stadion im Volkspark. Den Michel, das Wahrzeichen der Hafenstadt, haben die Modellbauer aus 15000 Einzelteilen zusammengesetzt. Landungsbrücken, Köhlbrandbrücke, Hauptbahnhof, Hagenbecks Tierpark, Herbertstraße - alles lebt von den vielen Details. Besonders spektakulär wird es alle 15 Minuten, wenn die Deckenbeleuchtung ausgeht und die Lämpchen auf der Anlage in voller Pracht zu sehen sind. Eindrucksvoll tritt dann ein Hausbrand hervor, zu dem Dutzende von blinkenden Feuerwehr-Fahrzeugen eilen.
Mindestens genauso prächtig präsentiert sich die Schweiz, die in dem Ausstellungsgebäude zwei Stockwerke beansprucht. Unten das Tessin, oben Graubünden. Im Mittelpunkt steht das im Modell exakt 5982 Millimeter hohe Matterhorn. „Ziel war es, dass unsere Besucher verschiedene Regionen erkennen können“, sagen die Betreiber, „die meisten Bauwerke sind allerdings der Kreativität unserer Mitarbeiter entsprungen.“
Unter der Leitung der Zwillinge Frederik und Gerrit Braun bauen seit neun Jahren Eisenbahnfreunde an ihrem Lebenswerk, wie sie es nennen. Fast 600.000 Arbeitsstunden und zehn Millionen Euro für Material haben sie investiert. „Wenn das Geld knapp wird, bauen wir halt langsamer“, sagt Fredrik Braun, der Angebote von Investoren aus Dubai und Südkorea ablehnte, dort ein ähnliches Projekt zu verwirklichen.
Bis 2014 sind noch vier weitere Bauabschnitte geplant. Ein Verkehrsflughafen etwa soll bis zum nächsten Frühjahr fertig sein. Frankreich, Italien, Afrika, Indien, Großbritannien und die Niederlande sollen folgen. Doch schon jetzt beeindruckt die kleine Welt mit großen Zahlen. Die Gleislänge beträgt zwölf Kilometer. 890 Züge bestehen aus 14.100 Waggons.
Besucher können nicht nur gucken, sondern auch an rund 100 Schaltern Bewegungen in Gang setzen: beispielsweise einen Bergwerkszug starten, Windräder drehen lassen, ein Space Shuttle abheben lassen oder dafür sorgen, dass im Stadion ein Tor fällt. Für Technikfreaks dürfte der Leitstand besonders interessant sein. Von vier Arbeitsplätzen werden dort 33 Computer gesteuert.
Übrigens: Die Wasserleiche liegt in einem Bach im Harz, dem Bauabschnitt gleich hinter dem Leitstand der Anlage.
Das Wunderland
Zahlen In der Mini-Welt finden sich 800 Züge, 4000 Autos und Schiffe, 200000 Figuren sowie das einmalige Lichtermeer aus mehr als 300000 Lichtern.
Öffnungszeiten Werktags ab 9.30 Uhr, am Wochenende ab 8Uhr. Das Wunderland schließt je nach Tag zwischen 18 bis 21 Uhr.
Eintritt Erwachsene 10 Euro, Kinder (bis 16 Jahre) 5 Euro, Kinder (unter ein Meter) frei.
Fernsehen Wegen der „Wetten, dass ...“-Außenwette bleibt das Wunderland am Freitag und Samstag geschlossen. Details zur Wette sind noch nicht bekannt.


