Serie: Korrespondenten zeigen ihre Stadt: Istanbul: Abenteuer am Bosporus
zuletzt aktualisiert: 03.12.2007 - 16:26Istanbul (RP). Byzanz – Konstantinopel – Istanbul: Schon die alten und neuen Namen der Stadt am Bosporus machen deutlich, dass die türkische Metropole ein einzigartiger Ort ist. Unser Korrespondent Thomas Seibert stellt Istanbul als traditionsreiche, aber auch quirlige Metropole vor
In seiner langen Geschichte war Istanbul sowohl ein Zentrum für die Christenheit als auch für den Islam. Griechen, Türken, Armenier, Araber und Europäer hinterließen ihre Spuren in den Gassen, Straßen und Prachtboulevards. Als einzige Stadt der Welt auf zwei Erdteilen gelegen, symbolisiert Istanbul auch heute noch die Verbindung von Ost und West. Bei aller historischen Bedeutung ist Istanbul eine quirlige, junge und bisweilen chaotische Stadt geblieben, die keinen Besucher kaltlässt, viele überwältigt und manchen verwirrt.
Unbedingt ansehen Außer dem Pflichtprogramm – Hagia Sophia, Blaue Moschee, Großer Basar und Topkapi Palast – sollte der Besucher dreierlei nicht versäumen. Erstens: zur Eyüp-Moschee gehen, der viertheiligsten Stätte der islamischen Welt. Der Bannerträger des Propheten liegt hier begraben, die Atmosphäre ist entsprechend feierlich. Zweitens: das Chora-Kloster besichtigen, das einige der besten byzantinischen Mosaiken der Welt aufzuweisen hat. Drittens: außer der „alten“ Altstadt Sultanahmet auch die „neue“ Altstadt Beyoglu am anderen Ufer des Goldenen Horns erkunden und sich vom Galata-Turm aus einen atemberaubenden Überblick über die Stadt verschaffen.
Unterkunft Wer es sich leisten kann, kehrt im Four Seasons ein, das in einem ehemaligen osmanischen Gefängnis untergebracht ist. Mehrere der besten Insider-Tipps liegen im Szene-Stadtteil Beyoglu, darunter das 1881 erbaute und komfortabel renovierte „Galata Antique Hotel“. Etwas verschlissen, aber dafür aus Fatih Akins Filmen berühmt, ist das „Grand Hotel de Londres“. In der historischen Altstadt am anderen Ufer des Goldenen Horns sind die besten Hotels in restaurierten osmanischen Holzhäusern untergebracht, wie das „Yesil Ev“ oder die „Ayasofya Evleri“
Stadtrundfahrten Der Bosporus, das Goldene Horn, das Marmara-Meer und das Schwarze Meer, all diese Gewässer gehören zu Istanbul. Viele Villen und Paläste haben ihren Haupteingang zum Wasser hin. Klar deshalb, dass man Istanbul vom Wasser aus sehen muss. Ein städtisches Ausflugsschiff fährt zweimal am Tag den Bosporus ab, legt dabei aber nur selten an. Flexibler ist man mit einem der vielen privaten Ausflugsschiffe, die vom Fährhafen in Eminönü immer dann ablegen, wenn der Kahn voll ist. Die beste Möglichkeit ist die billigste: Einfach mit den Istanbuler Pendlern auf eine der vielen Fähren springen, die unentwegt im Zickzack zwischen Europa und Asien kreuzen. Auf der Fähre von Kadiköy nach Eminönü hat man den besten Blick auf die Altstadt von Istanbul.
Essen „Meze“ lautet das Zauberwort im türkischen Lokal. Es bedeutet soviel wie „Vorspeisen“ und entspricht vom Konzept her etwa den spanischen „Tapas“. Zu den Klassikern zählen Auberginenmus, Schafskäse, Bohnenpüree, Paprikapaste, dünne Dörrfleischscheiben, eingelegte Sardinen, Gurken in Joghurt. Neben den kalten „meze“ gibt es auch warme: Frittierte Tintenfischringe oder Börek, zigarrenähnlich gerollte Teigfladen mit Käse- oder Fleischfüllung. Alle „meze“ werden mitten auf den Tisch gestellt und geteilt. Als Hauptgericht folgt Fisch oder Fleisch ohne Beilage. Romantisch ist ein Essen in einem der Fischrestaurants direkt am Bosporus. Klassische türkische Küche gibt es bei „Haci Abdullah“ nahe dem Taksim-Platz. Ein Erlebnis ist eine Mahlzeit in einer der Künstler-Kneipen von „Refik“ und seinem Bruder „Yakup“ nahe des Tünel-Platzes.
Trinken Der Nationalschnaps Raki muss einfach dabei sein, wenn sich Freunde zum Essen treffen. Auch zu den „meze“ schlürft man den hochprozentigen Anisschnaps, der in schlanken Gläsern mit Wasser vermischt wird und so seine milchige Farbe erhält. Auch Bier gibt es überall in Istanbul. Zudem hat der türkische Wein in den vergangenen Jahren einen großen Aufschwung erlebt.
Kultur Mehr als 30 Museen besitzt Istanbul, darunter ein eigenes Museum für die gewaltigen Mosaiken aus den byzantinischen Kaiserpalästen. Das Archäologische Museum beherbergt eine der reichsten Sammlungen der Antike auf der Welt und zeigt als Zugabe derzeit neue Funde, die beim U-Bahn-Bau am Bosporus ans Tageslicht kamen, darunter ein kompletter byzantinischer Hafen samt mehrerer Schiffe und ihrer Fracht. Große Picasso- und Rodin-Schauen bietet das Sabanci-Museum im Stadtteil Emirgan. Das Istanbul Modern im Stadtteil Karaköy ist schon wegen seiner Lage am Wasser sehenswert. Die EU hat Istanbul zur Kulturhauptstadt 2010 gekürt.
Szene-Treffs Größter Szene-Treff bei Nacht ist das Stadtviertel Beyoglu über dem Goldenen Horn. Tausende Bars, Clubs, Kneipen und Lokale drängen sich auf wenigen Quadratkilometern um die Istiklal Caddesi, die Straße der Unabhängigkeit. Die beste Musik gibt es im „Babylon“ unweit des Tünel-Platzes. Jazz, World-Music und Experimentelles aus aller Welt werden in diesem Avantgarde-Club geboten. Gleich um die Ecke spielen im „Ghetto“ die renommiertesten Jazz-Musiker der Szene. Nicht um die Aussicht, sondern um die Musik geht es in den vielen Nachtclubs hoch über den Dächern von Beyoglu, wo der Blick – wie etwa im „Leb-i Derya“ – über die funkelnde Stadt und den Bosporus bis nach Asien schweift.


