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Panorama Rotterdam 2010 NTBC/ Jan van der Ploeg
  Foto: NTBC/ Jan van der Ploeg
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Holland ohne Grachtenromantik: Rotterdam - ultramodern und polarisierend

VON LOTHAR SCHMIDT - zuletzt aktualisiert: 01.11.2010 - 10:06

Rotterdam (RP). Rotterdam polarisiert. Die Hafenstadt ist ein Labor für moderne Architektur und unkomplizierten Lebensstil. Zum Kennenlernen der zweitgrößten Stadt der Niederlande steigt man aufs Rad.

Die einen können mit der Stadt der Niederlande nichts anfangen. Sie denken an endlose Hafenanlagen, soziale Brennpunkte und graue Moderne. Die anderen finden Rotterdam großartig, nirgendwo sonst gibt es so viel Bewegung und Innovation, soviel gegenwärtige Architektur und internationale Lebensstile an einem Ort. Nur auf die typische holländische Puppenstuben- und Grachtenromantik muss man verzichten.

Das Alte hat hier keinen Platz. Das liegt an der Geschichte. 1940 machten die Deutschen die Stadt am Rhein-Maas-Delta dem Erdboden gleich. Nachdem der Krieg vorbei war, wollte man nicht mehr zurückschauen und baute die Stadt im Stil der Zeit wieder auf. Daran hat sich bis heute nichts verändert. Rotterdam ist noch immer ein Labor der Gegenwart, nirgendwo sind die Niederlande momentan spannender. Das beweist beispielsweise eine Architekturführung auf dem Rad mit RotterdamByCycle. Unser Guide ist Michiel Groothoff. Er arbeitet als Architekt und weiß, wo die spannendsten Gebäude stehen.

Startpunkt ist beim Niederländischen Architektur Institut, dem nach eigenen Angaben größten Architekturmuseum der Welt. Doch die Stadt selbst ist so etwas wie ein Open- Air-Museum der Baukunst. Also fahren wir erstmal im Gänsemarsch hinter Michiel und seiner grünen Omafiets her. "Omarad" nennt man die klassischen Hollandräder, die das praktischste Fortbewegungsmittel für die Stadt sind.

An der Kunsthal, die von Rem Koolhaas geplant wurde, geht es durch den lauschigen Het Park zum 185 Meter hohen Euromast. Von der Plattform oder dem Restaurant mit seinem wunderbaren 60er Jahre Design sieht man nicht nur das Patchwork eigenständiger Architekturen unter anderem von Renzo Piano und Norman Foster. Man sieht auch eine kleine Rampe, auf der gerade ein gelber Linienbus Kurs aufs Wasser nimmt. Diese "Splashtours" sind die neue Touristenattraktion der Stadt. Sie bestehen aus einer 75-minütigen Stadtrundfahrt mit einem speziell entwickelten Amphibienbus.

Wir bleiben jedoch beim umweltfreundlicheren Fahrrad und lassen uns die frische Luft um die Ohren blasen. Heftig pfeift der Wind durch die Hochhausschluchten am Kop van Zuid. Die schmale Landzunge sieht aus, als hätten Manhattan und der Potsdamer Platz von Berlin einen Ableger bekommen. Sie gleicht einer Spielwiese der zeitgenössischen Architektur, durchsetzt mit renovierten Bauten, die noch aus der Zeit stammen, in der man, um Europa zu verlassen, eine Schiffspassage buchen musste.

Am schönsten wird die Zeit des frühen 20. Jahrhunderts im "Hotel New York" lebendig. Das wunderbar gestaltete Art-Decó-Hotel steht an der Spitze des Kop van Zuid und ist ein Traum für jeden Nostalgiker. Das ehemalige Hafengebiet hat sich zu einem modernen Zentrum entwickelt, mit Bürokomplexen, Designergeschäften, Restaurants und einem Theater. Das war nicht immer so. In den 60er und 70er Jahren galt das Gebiet als sozialer Brennpunkt. Dann wurde die Erasmusbrücke gebaut. Seit 1996 ist sie das neue Wahrzeichen der Stadt und verbindet den "Kop van Zuid" mit der Innenstadt. Vor dem Zweiten Weltkrieg war die Halbinsel der Ort, an dem Massen von Reisenden in die Neue Welt aufbrachen. Die großen Dampfer der Holland-Amerika-Lijn, die sich im heutigen "Hotel New York" befand, legten dort ab.

Wir steigen wieder auf die Räder, verlassen diesen wunderbar schwebenden Ort zwischen Alter und Neuer Welt und sehen, dass man ehemalige Hafenanlagen zu lebenspraktischen und schönen Wohnungen umbauen kann. Über die Willemsbrug erreichen wir den alten Hafen auf der Innenstadtseite. Dort stehen das älteste Hochhaus der Niederlande, das "Het Witte Huis," und die seltsamen Würfelhäuser Kijk Kubus von 1982, die auch ein Architekturmuseum beherbergen. Nach einem Abstecher in die erste Fußgängerzone Europas geht es zurück zum Startplatz beim Boijmans Museum.

Von Rem Koolhaas, dem berühmtesten Architekten der Stadt, wird es bald neben der Kunsthal noch ein Projekt der Superlative geben: "De Rotterdamer" ist als vertikale Stadt geplant und soll alle Funktionen eines Stadtviertels in sich vereinen: Geschäfte, Kino, Wohnungen, Gastronomie und Bürogebäude – alles unter einem Dach.

Info: www.niederlande.de

Quelle: RP

 
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