Serie: Stadtrundgänge: Shoppen und Schlemmen in Brüssel
VON DAGMAR HAAS-PILWAT - zuletzt aktualisiert: 20.10.2009 - 08:18Düsseldorf (RP). Sie gilt als kühle Business-Stadt mit Sitz der EU und ihr Name ist allgegenwärtig. Kaum eine Nachrichtensendung, in der nicht mindestens einmal aus Brüssel berichtet wird. Meist geht es um Neuigkeiten aus Europa. Dabei hat die Hauptstadt des Königsreichs Belgien so viel mehr zu bieten.
Wer auf der Suche nach Designschätzen ist, sollte ein Wochenende in Brüssel planen. Die Stadt ist eine sprudelnde Inspirationsquelle. Denn eine Vielzahl an winzigen Läden lockt mit sehr individuellem Charme, meistens versteckt hinter wunderschönen Jugendstilfassaden.
Start ist das berühmte Sablon-Viertel am Hang zwischen Unterstadt und Oberstadt mit seinen Antiquitätengeschäften und ultraschicken Boutiquen und Straßencafés. Alles ist hier kostbar und von diskretem Luxus wie zum Beispiel bei „Flamant“ (36 Place du Grand Sablon). Familienmöbel, Kuriositäten und Raritäten neben alten Ledersesseln.
Nicht weit entfernt bei „Emery & Cie“ (25-29, Rue de l’Hôpital) taucht man ein in die Welt von 1001 Nacht. Über drei Häuser und drei Etagen geht der Rundgang durch ganz besonders dekorierte Zimmer: mosaikbesetzte Wände, Kronleuchter, schmiedeeiserne Stühle und Zäune, mit Porzellan gedeckte Tische und alte bemalte Holzstühle, dazu passende Wandfarben und Stoffe.
Die gibt es auch in „The Linen House“ (10 Rue Bodenbroekstraat). Denn Brüssel ist ja schließlich seit jeher bekannt für sein feines, hochwertiges Leinen. Wer zwischendrin Hunger bekommt, kann Platz nehmen im angesagten Restaurant „Lola“ (33, Place du Grand Sablon), das besonders köstlichen Fisch auftischt. Wer den Ausblick auf Platz und Leute geniessen möchte, ist im Café „La Katchma“ richtig.
Weil Design auch vor der Gastronomie nicht mehr Halt macht, sollte man sich die kunstvollen Vollkornbrotschnitten im „Le Pain Quotidien“ nicht entgehen lassen. Auf Holzbrettchen werden leckere, mit besten Zutaten belegte Brote serviert, der berühmte Brüsseler Brotkuchen, gefüllt mit Rosenkohl und Speck, Spinat und Schafskäse kommt auf den Tisch und natürlich auch feines Gebäck und beerige Tarteletts.
Juwelen aus Schokolade
Die Kunst des Pralinenmachens treibt der junge Pierre Marcolini auf die Spitze (39 Place du Grand Sablon). Er ist der prominenteste Vertreter der boomenden Pralinenmoderne. Die Schokoladen-Boutique, das wie ein eleganter Juwelier gestylte „House of Chocolate”, ist zur Pilgerstätte geworden. Seine Packungen entwarf ein Luxustaschendesigner. Die Pralinés sind kleiner und teurer als die der traditionellen Konkurrenz - flach und geometrisch wie Mikrochips, aber elegant wie ein kleine Schmuckstücke.
Hipper geht es im Quartier Saint-Gery-Dansaert zu: Die Gegend, die erst vor einigen Jahren wieder auferstanden ist, wird auch während des alljährlichen Design-Festivals im Herbst zum avantgardistischen Zentrum. Hier haben sich die großen Modemacher des Landes, Olivier Strelli (44 Rue Antoine Dansaert) und Martin Margiela (40 Rue Léon Lepage), niedergelassen. Hier sind Läden wie „Y-Dress?“(102 Rue Antoine Dansaert), wo sich T-Shirts in Hosen verwandeln. Nebenan bei „Hatshoe“ ist die Auswahl an Schuhen so groß wie originell und im „Depot Design“ (19 Quai du Hainaut) gibt’s Möbel für jeden Geldbeutel. Abends trifft man sich dann in all den Szenekneipen im Viertel.
„Da kauf ich ein“
Olga Polizzi ist die älteste von Lord Fortes fünf Töchtern und eine jüngere Schwester von Sir Rocco Forte. Seit 1996 entwickelt die preisgekrönte Innenarchitektin als „Director of Building & Design“ zusammen mit ihrem Bruder die Rocco Forte Hotel Gruppe. Sie kennt sich in Brüssels Design-, Möbel- und Antiquitätengeschäften aus. Hier ihre privaten Tipps:
Meine absoluter Favorit sind die Straßen rund um dem Place du Sablon, wenige Schritte vom Grand Place entfernt.
Lampen: Michael Lambrecht, der Lampen-Designer, stellt aus alten Metallgitterstäben kunstvolle Ständer her, auf die er moderne Lampenschirme setzt. Ich habe dort schon viele Unikate gekauft (18 Rue Watteaustraat, www.michellambrecht.be ).
Möbel: In der Galerie D‘Agata gibt es neben Kunstwerken ausgewählte antike Möbel und Lampen (8 Rue J. Stevens, www.galeriedagata.com ).
In der offenen Werkstatt von Philippe Lange kann man zuschauen, wie er Möbel aus den 50er- und 60er-Jahren restauriert. Eine echte Goldgrube für alle, die nach exklusiven Antiquitäten suchen (2A Place de la Justice, www.philippelange.be ).
Galerien: Schon das wunderschöne Jugenstilgebäude mit der prächtigen Glaskuppelpassage ist sehenswert. In der Gallery J. Visser befinden sich neben zeitgenössischen Designer-Möbeln auch Masken und Skulpturen afrikanischer Kunst - nicht unüblich in belgischen Wohnungen (37 Rue Lebeau, www.tribal-art-visser.com).
Infos:
Die Stadt
Die Machtzentralen der EU können in Brüssel besichtigt werden, allen voran das Europa-Parlament, das „Caprice de Dieux”. Den Spitznamen erhielt es wegen seiner Ähnlichkeit mit einem französischen Käse. Im Europa-Viertel dominieren moderne Glas- und Stahlpaläste das Bild. Das Viertel zwischen Leopoldpark und dem Jubelpark hat sich zu einer repräsentativen Museumsmeile entwickelt. Eine kulinarisch kosmopolitische Szene bildet der Place Jourdan mit internationalen Cafés, Restaurants und Teestuben. An der Pommesbude „Chez Antoine” treffen sich die Eurokraten zur Mittagspause und genießen Belgiens bekannteste Spezialität.
Comics
Ob Marsupilami, Tim und Struppi oder Gaston - sie alle sind in Belgien zu Hause, dem Ursprungsland des Comics. Auf zehn Millionen Einwohner kommen über 650 Comic-Künstler. Die neunte Kunst erlebt man hautnah auf dem Comic-Strip Walk in Brüssel. In Übergröße sind Hauswände mit dem Konterfei der Comic-Figuren geschmückt. Die sechs Kilometer lange Route führt an 30 großen Comic-Fassaden vorbei. Noch näher kommt man seinen Helden nur noch im Comic-Museum in der Zandstraat. Die Ausstellung „Das Comic-Museum mit den Augen eines Fotografen“ läuft bis 15. November. info www.brusselscomics.com
Hotel
Eines der schönsten Hotels ist zweifelsohne das Hotel Amigo aus der Rocco-Forte-Collection mitten im Herzen der Stadt, gleich hinter dem malerischen „Grand Place“, der vor einigen Jahren zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Die in der dritten Etage gelegene 90 Quadratmeter große René Magritte Suite (Foto) ist eine Hommage an den führenden Vertreter des Surrealismus. In allen Zimmer finden sich Magritte-Gemälde. Italienisch-mediterran ist die Küche im edlen Restaurant Boccini. Doppelzimmer kosten ab 199 Euro. Info: www.roccofortecollection.com
Anreise
Auto: Von Düsseldorf aus über 200 Kilometer über die Autobahn Richtung Roermond und Antwerpen Bahn: Von Düsseldorf aus über Köln erreicht man mit dem Thalys Brüssel in knapp drei Stunden, Kosten hin und zurück um die 100 Euro. Auskünfte: Touristeninformation, Rue Royale 2-4 Koningsstraat B-1000 Brüssel, Tel. 0032(0)2513 89 40, F0032(0)25138320, Info: www.brusseltinternaional.be



