Unterwegs im Hunsrück: Spannende Wanderung durchs Mittelalter
VON GÜNTHER SCHENK - zuletzt aktualisiert: 18.09.2010 - 10:59Herrstein (RP). Für das "Wandermagazin" ist es die schönste deutsche Tagestour und wegen des Streckenverlaufs besonders geeignet für Familien. Der Mittelalterweg im Hunsrück führt über 8,6 Kilometer vorbei an Burgruinen, Aussichtstürmen und Bachläufen.
Die Wirtin in der Herrsteiner Zehntscheune kann den Ansturm, der in diesen Tagen über das kleine Café zwischen den Fachwerkhäusern hereingebrochen ist, noch gar nicht fassen. „Sind Sie den Mittelalterweg gelaufen“, fragt sie die Menschen an den voll besetzten Tischen. Alle sind nach Herrstein im Hunsrück gekommen, um Deutschlands schönste Wanderroute zu erkunden. Laut der Fachzeitschrift „Wandermagazin“ ist der Mittelalterweg die schönste deutsche Tagestour: Über 8,6 Kilometer führt sie kreuz und quer durch Hunsrücker Wiesen und Wälder, bergauf und bergab.
Start und Ziel des Rundwegs ist Herrstein, ein spätmittelalterliches Fachwerkidyll. Nahe dem alten Stadttor steigt der Wanderer durch ein Holztor auf den Mittelalterpfad, rechts hängt ein Halter mit einem kleinen Flyer mit Informationen zum Weg, für den man gut drei Stunden kalkulieren sollte. Quer durch den Ort geht es hoch hinein in den Wald, vorbei an einladenden Holzbänken. Unterwegs verweisen Schrifttafeln auf die Geschichte der Region. So hatten schon Kelten und Römer dort ihre Siedlungen, meist auf den Höhen, um anrückende Feinde besser im Auge zu behalten.
Und auch schaurige Geschichten haben sich dort abgespielt. Wie die von einem Herzog aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, der eine junge Rheingräfin geheiratet hatte. Als die ihm eine Tochter gebar, kam jedoch heraus, dass das Kind nicht von ihm war. Der Ehemann schickte seine Frau nach ihrem Geständnis auf den im Ehevertrag zugesicherten Witwensitz in Herrstein und das Kind an den eigentlichen Vater. Der aber nahm es nicht an. Und weil auch die Herrsteiner den Bankert nicht akzeptierten, setzte man den Säugling einfach an einer Wegkreuzung des heutigen Wanderweges aus.
Es sind Geschichten wie diese, die den Wanderer auf dem Weg um das Örtchen begleiten. Sie erinnern an mittelalterliche Zeitgenossen wie Hildegard von Bingen, die nach neuesten Forschungen in Niederhosenbach geboren sein soll, einem alten Weiler ganz nah am neuen Weg. Oder an den Dreißigjährigen Krieg, als plündernde Truppen ganze Eichenwälder anzündeten, in denen sich die Menschen vor den Soldaten versteckt hatten.
„Wer Kinder und Jugendliche zum Wandern verführen möchte“, heißt es in der Begründung der Jury für Deutschlands schönsten Tagestourenweg 2010, „muss sich heutzutage etwas einfallen lassen.“ Da sei die Begegnung mit dem Mittelalter und eine Vielfalt versprechende Streckenführung genau richtig. Mit Aussichtstürmen, Panoramablicken, Wiesenpassagen, Waldwegen vorbei an Felsen und Bachläufen wird die Zeit nicht langweilig - ein echter Familienwanderweg.
Die Belohnung wartet am Schluss in der Herrsteiner Zehntscheune: Kaffee, Apfelschorle, selbst gemachte Kuchen. Oder echt Hunsrücker Spezialitäten wie die großen, mit Speck gefüllten Klöße, zu denen köstliches Apfelmus gereicht wird. Und das alles zu Preisen, von denen Großstädter nur träumen können.
Die Strecke
Strecke Der Mittelalterweg ist 8,6 Kilometer lang, verläuft zum Großteil auf naturnahen Wegen und überwindet 240 Höhenmeter.
Entdecken Historischer Ortskern von Herrstein (Führungen bis Oktober, donnerstags 16.30 Uhr, samstags 14.30 Uhr), Naturdenkmal „Rabenkanzel“ (ein steil abfallender Quarzitdurchbruch nahe Niederhosenbach), Naturdenkmal „Jammereiche“ bei Breitenthal (Schauplatz während des Dreißigjährigen Krieges).
Einkehrmöglichkeiten Café Zehntscheune, Schlossweg 13 (Tel. 06785 - 1658), Herrsteiner Mühle, Mühlenweg (Tel. 06785 - 998600).
Auskunft Touristinformation Deutsche Edelsteinstraße, Brühlstraße 16, 55756 Herrstein, Tel. 06785-79104. www.edelsteinstrasse.de



