Zwischen Matjes und Maserati: Sylt - Insel für Genießer
VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 27.04.2010 - 08:05Düsseldorf (RP). Man kann es nicht oft genug sagen: Sylt ist anders und die Vorurteile stimmen nur ein bisschen. Ein Streifzug zwischen Westerland und Kampen, zwischen Matjes und Maserati.
Fangen wir mal mit Kampen an. Warum? Weil es dort sensationell guten Matjes gibt. Matjes? In Kampen? Ja - warum nicht! Serviert werden sie in der urigen Strandbar "La Grande Plage", an der nur der Name groß ist, und die Aussicht auf den Strand und das Meer. Aber sonst nix, vor allem nicht die Preise. Besagter Matjes kommt in einer beeindruckenden Portion auf den Tisch: drei Filets in einer wunderbaren Sauce aus Sahne, Zwiebel und Apfel, dazu Bratkartoffeln. Das kann der Urlauber nur allein schaffen, wenn er vorher den Strand herunter gelaufen ist bis Westerland, und wieder zurück. Locker an die zehn Kilometer. Matjes und Bratkartoffeln kosten 12,50 Euro. In Kampen! Kaum zu glauben, oder?
Klar, die Stadt kann auch anders: Auf der so genannten Whisky-Meile, wo diese seit gefühlten 50 Jahren angesagten Bars liegen. Aber diese Meile ist keine, sondern nur ein paar hundert Meter lang. Im Dunstkreis haben sich edle Geschäfte angesiedelt, deren Umsatz immer nach oben geht, wenn's regnet - Geldregen drinnen, wenn's draußen nieselt. Sylter Logik der happy few. Ja, die gibt's da. Leider prägen sie das Bild der Insel. Klar, in Kampen fallen sie auch auf. Nahe besagter Schnaps-Meile ist die Porsche-Dichte manchmal höher als auf dem Parkplatz der werkseigenen Niederlassung am Düsseldorfer Flughafen. Und die Barbour-Jacke (derzeit trägt ER sie gern in Pastell!) sieht man dort häufiger als Möwen auf der Müllkippe. Aber wie gesagt: Kampen ist so wenig Sylt wie die Kö Düsseldorf. Ein Teil halt, und ein kleiner. Manchmal amüsant, dieser Bummel über den Jahrmarkt der Eitelkeiten - hier die Matjes, da die Maserati.
Hat man das hinter sich, lohnt sich der Weg nach List. Und dort in die gemütlich-simple Kneipe L.A. List. Die liegt (das Schild mit dem gelben Kreuz rechts am Ortseingang ist unübersehbar!) auf der Watt-Seite direkt oberhalb eines kleinen Strandes, auf dem sommers immer ein paar Dutzend Kinder im Sand spielen oder versonnen ins Wasser pieseln. Während die Eltern auf der Terrasse des L.A. sitzen, Currywurst mit Pommes mümmeln, können sie die Kleinen problemlos im Auge behalten. Passieren kann eh nix, denn selbst bei Flut ist das Wasser erst mal nur knietief. Nicht zu schlagen ist es, im Strandkorb auf dieser Terrasse zu sitzen, die Sonne und die Austern (L.A. steht übrigens für Lister Austern) zu genießen, die für 1,90 Euro pro Stück serviert werden - perfekte Lebensfreude.
Wozu würden wir noch raten? Zu einem Essen im Restaurant Strönholt (gehört zum Hotel Budersand in Hörnum!). Das Restaurant (für alle offen) liegt auf einer Düne im Golfplatz besagten Hotels - und der Blick von da oben auf den kleinen Hafen von Hörnum mit den Krabbenkuttern ist schlicht atemberaubend. Und, keine Sorge, das Budersand ist zwar der pure Luxus, aber die Mahlzeiten im Strönholt bewegen sich auf normalem Niveau des Rheinlandes. Nicht billig zwar, aber preiswert. Budersand selbst sieht von außen aus wie eine Lagerhalle, weil der Architekt offenbar mitten in einer Naturholzphase steckte, als er es entwarf. Wer sich von der - sagen wir: hölzernen Optik abschrecken lässt, verpasst auch das Restaurant Kai 3. Es bietet Top-Küche und einen Top-Ausblick. Zum Tee (natürlich NICHT im Beutel!) wird beispielsweise eine Art Dreier-Eier-Uhr auf den Tisch gestellt, in deren drei Glasröhrchen Sand in Rot, Gelb und Blau rieselt. Der rote braucht drei, der gelbe fünf, der blaue sieben Minuten. Perfektes Timing für einen perfekten Tee. Das hat Stil.
Müssen wir die Sansibar erwähnen? Nur so viel: Sie ist witzig, angesagt, Essen und Service sind prima. Die schlechte Nachricht: Meist ist sie ausgebucht. Die gute Nachricht: Das Restaurant Seepferdchen am Strand Samoa etwa zwei Kilometer nebenan ist genau so gut. Es ist halt nur nicht so perfekt vermarktet. Was würden wir noch empfehlen? Mehr, als man hier aufschreiben kann. Beispielsweise: Auf keinen Fall Gosch versäumen. Entweder in Westerland in der Fußgängerzone oder in Wennigstedt auf dem Deich. Wir fanden, in Westerland war es besser.
Noch was? Ja - Feinkost Meyer in Wenningstedt. Zum Einkaufen und Leutegucken. Und direkt nebenan liegt eine Filiale der Drogeriemarktkette Budnikowski - genannt Budni. Für mehr als nur die Sonnenmilch.
Man kann es nicht oft genug sagen: Sylt ist anders - und die Vorurteile stimmen nur ein bisschen. Ein Streifzug zwischen Westerland und Kampen, zwischen Matjes und Maserati.
Adressen:
Restaurant Strönholt, Fernsicht 1, Hörnum/Sylt, Tel. 04651/449 27 27, www.stroenholt.de ; Küche: Mo.- So. 11.30 bis 21 Uhr.
La Grande Plage, Riperstig/ Weststrand, Kampen/Sylt, Tel. 04651/88 60 78, www.grande-plage.de; Bistro: täglich ab 11 bis 22 Uhr.
Lister Austernperle, Strandkiosk in List-Mellhörn, Tel. 04651/871321; täglich von 9.30 Uhr bis spät in den Abend geöffnet.
Restaurant Seepferdchen, Hörnumerstr. 70, Rantum/Sylt, Tel. 04651/5579, www.samoa-seepferdchen.de; Küche: täglich von 12 bis 22 Uhr.



