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Serie: Kurz mal weg: Wandern im Watt

VON CARLHEINZ TÜLLMANN - zuletzt aktualisiert: 14.07.2010 - 07:59

Düsseldorf (RP). Für Urlaub in die Ferne schweifen? Auch Nahziele bieten Abwechslung und Erholung. Unsere Serie gibt Tipps, wohin sich ein Kurztrip lohnt. Heute: Greetsiel an der Nordsee.

An forschen Sprüchen mangelt es nicht. Und an munteren Mitmach-Aufforderungen auch nicht. Wenn Insa Steffens mit Gästen des Nordseeküsten-Dorfes Greetsiel ins Meer geht, dann ist Ostfriesland-Mentalität pur angesagt. Das geht schon mit der Begrüßung los. Die startet die 45-jährige Leiterin des Nationalpark-Hauses Greetsiel nach einem kräftigen „Moin, Moin“ mit dem Bemerken, eine Wattwanderung, das sei wie laufen auf dem Meeresgrund. Und schon mit dem nächsten Satz folgt eine Fragestellung an die im Halbkreis stehenden Urlauber: „Wie heißt hier das Zauberwort?“ - „Ebbe“, kommt’s etwas spärlich von den Landratten. „Was ist das Gegenteil von Ebbe?“ - „Flut“, wird jetzt schon deutlicher geantwortet. Und schließlich wissen (fast) alle, dass der Mond die Gezeiten beeinflusst. Folgen noch ein Sprung in die Höhe unterhalb des Deichs von Upleward und die sichere Landung auf dem glitschigen Boden: „Das war“, sagt Insa Steffens, „die Erdanziehungskraft.“

Seit zwölf Jahren führt die „Naturbund“-Mitarbeiterin Touristen ins ostfriesische Wattenmeer, das im vorigen Jahr von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde. Sie erzählt von Springtiede und von Wattwürmern, die nach jedem Toilettengang einen Spaghettihaufen hinterlassen, von Muscheln, die hörbar mit den Schalen klappern und von Möwen, die an der Küste alle „Emma“ heißen. „Bei uns“, sagt die Wattführerin, die wie ihre Gäste fast bis zu den Kniekehlen im breiigen Schlick versinkt, „steppt nicht der Bär, hier steppt der Krebs.“ Der wimmelt winzig klein im mausgrauen Schlamm.

Die zweistündige Wattwanderung ist eines der beliebtesten „Naturerkundungs-Angebote“ der Nordsee-Gemeinde Krummhörn, rund 20 Kilometer nordöstlich von Emden gelegen. Die 13.000 Einwohner verteilen sich auf 19 Ortschaften, darunter das bekannte und meist besuchte Fischerdorf Greetsiel. Dort ist alles vorhanden, was ein Urlaubs-Bilderbuch füllen kann. In dem bis zum Markt reichenden Hafen machen 24 Krabbenfischer ihre Schiffe fest. Unter ihnen ist Hinderk Conradi, der seinem Kutter „Albatros“ frische Farbe aufträgt. Zweimal in der Woche fährt er für jeweils drei Tag hinauf aufs Meer. Krabben gebe es reichlich, sagt er und bestätigt: Zum Pulen werden die Fänge nach Polen und bis Marokko hin- und zurücktransportiert.

Bummel durch Greetsiel: Neben der Touristen-Information zeigt das „Museums-Haus“ Bernsteinschmuck und Mini-Modelle von der „Gorch Fock“, dem „Feuerschiff Elbe 3“ und der „Pamir“ in „Europas größter Buddelschiff-Sammlung“. Einige Schritte weiter, im Fischladen „Greetje“, gehen die Krabbenbrötchen für 2,60 Euro über die Theke. Am Ortsrand hat Frank Schoof einer der Zwillingsmühlen, den Wahrzeichen der Gemeinde, mit einem Café, hübscher Gartenterrasse und Pfannekuchen aus Vollwertmehl gastronomischen Auftrieb gegeben. Im Fußgängerteil der Mühlenstraße wechseln Backsteinhäuser und Ferienwohnungen, Bademode-Boutiquen und Galerien, Teeläden und maritime Antiquitäten einander ab. Am hübschen, von historischen Giebelhäusern gerahmten Markt kann auf den Terrassen zwischen Erbseneintopf und Kutterscholle gewählt werden.

Etwa 420.000 Übernachtungen jährlich verzeichnet die Gemeinde Krummhörn. Die meisten Gäste bleiben knapp eine Woche. Jeder zweite Urlauber komme aus Nordrhein-Westfalen, berichtet Ludger Kalkhoff, Geschäftsführer der Touristik GmbH. In der Beliebtheitsskala ganz oben: Die frische Brise des Meeres „tanken“, die Region per Rad erkunden und Wandern entlang der Deiche.

Einen romantischen Trend hat Karsten Eilers, der in Greetsiel mit „Hohes Haus“ und „Witthus“ gleich zwei Komfort-Hotels unterhält, ausgemacht: An rund 100 Tagen im Jahr buchen sich Hochzeitgesellschaften ein. Geheiratet wird gern im Pilsumer Leuchtturm. Auf Wunsch lässt die Tourismus GmbH dazu weiße Tauben fliegen.

Infos:

Anreise: Mit dem Auto aus dem Rheinland über die A31 („Ostfriesenspieß“) bis Emden, dann 20 Km Landstraße, insgesamt ca. 330 Km. Mit der Bahn bis Hauptbahnhof Emden, von dort Busverbindungen.

Wanderungen: Die Wattwanderungen werden von Mitarbeitern des Nationalpark-Hauses zu festen Terminen organisiert. Daran können auch Kinder ab fünf Jahre teilnehmen. Dauer ca. zwei Stunden, Kosten fünf Euro für Erwachsene. Anmeldung unbedingt erforderlich unter Tel. 04926 - 2041

Ausflüge: Am anschaulichsten lassen sich die 18 Dörfer rund um Greetsiel mit dem Fahrrad erkunden. Eine Strecke, die alle Orte verbindet, umfasst 63 Kilometer. Besonders sehenswert sind Rysum (Einkehr im neuzeitlich designten „Landhaus HC Rysumer Plaats“ mit Galerie) und Pilsum (Rast in und vor der gemütlichen „Alte Brauerei“). Beide Orte begeistern mit ihren typischen friesischen Häusern und schmucken Bauerngärten. Per Schiff geht es von Greetsiel aus mit „Frisia“ zu den Inseln Norderney, Borkum und Juist (Service-Telefon 04931 - 9870).

Unterkünfte: Greetsiel verfügt über eine stattliche Zahl an Ferienwohnungen und einige gut ausgestattete Hotels, darunter das historische Hotel „Hohes Haus“ mit Kaminrestaurant, uriger Gaststube und Innenhof mitten im malerischen Ortskern ( DZ ab 98 Euro, Tel. 04926 - 1810) und das „Witthus“ mit einer der besten Fischküchen der Region (DZ ab 100 Euro, Tel. 04926 - 92000). Wellness im „Hotel Vitalis“, DZ ab 144 Euro, Tel. 04926 - 92620.

Auskünfte: Touristik GmbH Krummhörn-Greetsiel, Zur Hauener Hooge 11, 26736 Greetsiel, Tel. 04926 - 91880, www.greetsiel.de; Nationalpark-Haus Greetsiel, Schatthauser Weg 6, 26736 Greetsiel, Tel. 04926 - 2041, www.nationalparkhaus-greetsiel.info ; Ausstellungen, Führungen auch durch den Hafen und zu Salzwiesen.

Quelle: RP

 
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